Logo
Sport

Traum von der WM platzt nach Fahrrad-Unfall

Ruderer Moritz Küpper ereilt Schicksal kurz vor Abreise. Triathletin Lisa Mann ist Ähnliches passiert.

Ruderer

Vorn: Küpper.

Die Freude war riesig bei Moritz Küpper. Der Ruderer aus Witten stand vor einer großen Premiere: Er hatte die Möglichkeit, erstmals für Deutschland bei der Weltmeisterschaft Ende August in Amsterdam zu starten. Doch der Traum plätzte jäh. Denn als er Ende Juni mit seinem Fahrrad unterwegs war, erfasste ihn ein Auto – der Sportler stürzte und brach sich ein Schlüsselbein. Mindestens zehn Wochen ist er zu einer Pause gezwungen und hat damit keine Chance mehr, sein Land zu vertreten.
„Ich habe direkt nach dem Sturz gespürt, dass etwas falsch ist, als ich mir an die Stelle gefasst habe. Ich hatte mir vorher noch nie etwas gebrochen“, erinnert sich der 22-Jährige an den Moment. Und nur wenige Sekunden realisierte er: Die anstehenden Turniere finden ohne ihn statt. „Es war direkt das erste, was ich gedacht habe“, erzählt Küpper, der sonst einen Tag später mit dem deutschen Nationalteam auf dem Weg zu einem Weltcup in Luzern gewesen wäre. Danach hätte Ende Juli die Europameisterschaft im italienischen Varese angestanden – es sind also gleich drei internationale Turniere, die der Wittener, der für den RC Westfalen Herdecke startet, verpasst.

Viel Aufwand und starke Leistungen
„Am Anfang hinterfragt man alles, ob man etwas hätte anders machen können. Die ersten zwei Tage waren schlimm, weil ich gesehen habe, was ich verpasse. Und den ganzen Aufwand, den ich seit dem Winter auf mich genommen habe, kann ich nun nicht mit Leistungen zeigen“, sagt der Ruderer. Er ist erst in diesem Jahr in den Erwachsenen-Bereich aufgerückt, bereits im vergangenen Dezember lief es beim ersten Formcheck der Ruderer super für ihn und er war für ihn selbst unerwartet auf einem richtig guten Weg, der ihn auf die internationale Bühne führte.
Beim Weltcup im schweizerischen Luzern wollte sich der Student gemeinsam mit seinem Boots-Partner Arno Gaus (Bonner Rudergesellschaft) im Doppelzweier mit einer schnellen Zeit in den Fokus rücken. Er wäre dann für die EM und WM gesetzt gewesen. Seinen ersten Weltcup bestritt er erfolgreich Ende Mai im spanischen Sevilla. Nun richtet Küpper seinen Blick nach vorne. Wettkampftechnisch stünde Anfang Oktober die Landesmeisterschaft an, ehe die Saisonpause folgt. Er hat recht früh mit Indoor-Einheiten begonnen, setzt sich aber selbst nicht unter Druck, weil er merkt, dass der Körper Zeit zur Erholung braucht.

Schneller OP-Termin möglich
Große Unterstützung erhielt der Unglücksrabe seitens des Deutschen Ruderverbandes. So konnte er bereits zwei Tage nach seinem Sturz in Dortmund erfolgreich operiert werden. „Das war eine Riesenhilfe, weil ich seitdem merkte, dass es jeden Tag besser geht und ich weniger Schmerzen habe“, freut sich das Talent. Er verfolgte den Weltcup in Luzern aus der Ferne. „Wenn man die anderen sieht, ist es unschön, selbst zuhause zu sitzen. Aber in den nächsten Jahren werde ich auch noch genug Chancen bekommen, ich bin ja noch jung“, zeigt er sich gestärkt und motiviert.
Es gebe genug Beispiele, die ebenfalls nach einer Verletzung zurückgekommen sind. Und: Im Rudern gibt es jedes Jahr eine Europa- und Weltmeisterschaft – mit Ausnahme im Olympia-Jahr. „Mit etwas Abstand denke ich auch, dass ich noch Glück hatte. Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Ich hatte keine Schürfwunden und zum Glück auch keine Verletzungen im Gesicht“, sagt Küpper.

Triathletin kämpft sich zurück
Ein Beispiel, an dem sich der Ruderer orientieren kann, ist Lisa Mann. Der Triathletin, die für den PV Triathlon Witten startet, ist im Herbst 2025 etwas Ähnliches passiert: Sie wurde ebenfalls beim Radtraining nicht mehr weit von zuhause entfernt von einem Auto erfasst, stürzte über die Motorhaube und zog sich Trümmerfrakturen im Handgelenk zu – kurz vor ihrem Debüt bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft (Mitteldistanz), für die sie qualifiziert war.
„Ich hatte echt Glück“, erinnert auch sie sich, denn sie kam beim schweren Sturz genauso „glimpflich“ davon. Für sie war klar, dass sie nicht aufhören wird: „Für mich stand fest: Wenn ich zurückkomme, dann richtig und mit vernünftigen Zielen.“ Vor allem die WM in diesem Jahr ist ihr großes Ziel, was sie anspornte, dranzubleiben. Zumal sie ihr Startrecht aufgrund der Umstände behält und im September im französischen Nizza sicher teilnehmen darf. Im Training läuft es – und den ersten Wettkampf im Juni gewann sie sogar. „Studien belegen, dass Leistungssportler oft deutlich stärker zurückkommen. Das merke ich gerade auch. Ich habe so gut trainiert, dass ich besser bin als vorher“, erzählt die 26-Jährige.

Fehlstellung des Handgelenks bleibt
Ihr half es, dass die Ärzte grünes Licht gaben und nichts mehr mit der Hand passieren könne. Dort, wo zuvor der Knochen quasi aus Puzz­leteilen wieder zusammengesetzt werden musste „Es war für mich nicht schwierig, wieder anzufangen. Aber es hat sich vom Körper her doch so angefühlt, weil er auf 0 heruntergefahren war“, merkt Mann an. Die Studentin der Sportwissenschaft und Biologie wollte, dass sie mindestens wieder den Normalzustand erreicht. Der ist übertroffen. Ihr Handgelenk wird aber nie mehr so in Stellung kommen wie gewohnt. Übt sie viel Druck aus, spürt sie Schmerzen, mit denen sie aber mittlerweile umzugehen weiß.
Mountainbike kann sie nicht fahren, da sie die Position der Hand nicht in den Winkel bekommt, um sich gerade abzustützen. Am Rennradlenker ist dies kein Problem – in einem Trainingslager merkte Mann allerdings, dass es bergab beim Bremsen drücken kann. Beim Laufen stören die verheilten Strukturen nicht. Beim Schwimmen bestehe noch ein Defizit. Anfangs ist sie mit dem betroffenen linken Arm etwas dem Wasserdruck ausgewichen. „Im Becken kann ich mich nicht mit der Hand aus dem Becken drücken, im Freiwasser ist das kein Problem“, sagt sie. Die Ironman-WM wird im Freiwasser stattfinden. Stoppen lässt sich die Triathletin daher keineswegs.

Von Hendrik Steimann