Seit einem Jahr hat der TuS Stockum die Räumlichkeiten der neuapostolischen Kirche bezogen.
Monika Middelmann und Relana Simannek.
Bildquelle: Hendrik Steimann
Es ist sehr ruhig in dem großen Raum, in dem ein heller Parkettboden liegt und vorne ein kleines Podest herausragt – umgeben von einer Spiegelwand. Sie lässt die gesamte Fläche noch größer wirken. In diesem Moment ist niemand zugegen, doch die inspirierende Stille herrscht teilweise auch während der Kurse des TuS Stockum. Der hat seit einem Jahr ein Teil seines Sportangebots in die Räume der ehemaligen neuapostolischen Kirche an der Pferdebachstraße verlegt, in sein „Studio 45“ – und damit an einen besonderen Ort.
Die Kirche in Stockum wurde am 11. Juni 1989 vom Apostel Alfred Kusserow eingeweiht. Der letzte Gottesdienst fand am 6. April 2011 statt. Vier Jahre später erwarben Dirk & Kathrin Arntzen das Gebäude und eröffneten ihren gleichnamigen Blumenladen, den sie im November 2020 aus gesundheitlichen Gründen schlossen. Die Räumlichkeiten wurden an die Tanzschule „DanceTime“ vermietet, bis das Gebäude schließlich verkauft werden sollte. Im Mai 2025 zog die Tanzschule aus – die sich unter „NewDanceTime“ neu gründete und Ende August 2025 am Hauptbahnhof in Witten über der Verbraucherzentrale neue Räumlichkeiten für ihre rund 120 Aktiven (zum Großteil Kinder) eröffnete.
20 Kurse im 130 Quadratmeter großen Raum
In Stockum unterschrieb der TuS den Kaufvertrag mit den Besitzern des rund 1000 Quadratmeter großen Areals, auf dem die Innenräume des Gebäudes innerhalb von drei Monaten renoviert worden sind. Im 130 Quadratmeter großen Kursraum wurde der Boden komplett neu verlegt, die großen Spiegel und Schallschutzwände angebracht – wobei im gesamten Gebäude auf Brandschutz geachtet werden musste. Bei der Montur in der Höhe unter dem Dach half ein fachkundiges Mitglied des TuS. Und seit November 2025 wird der Komplex für Kurse genutzt, rund 20 Kurse finden in einer Woche dort statt. „Wir wussten, dass die Räumlichkeiten sporttauglich für den Breitensport sind“, sagt die Vizepräsidentin des TuS, Monika Middelmann, die gleichzeitig Leiterin der Abteilung Gymnastik und Tanz ist und selbst Kurse im Studio 45 leitet.
Der Zeitpunkt kam für einen der größten Sportvereine Wittens (aktuell 2500 Mitglieder) wie gerufen: Er suchte nach neuen Kursräumen. Vor genau zehn Jahren errichtete der TuS bereits einen 500 Quadratmeter großen Neubau an der Dreifachsporthalle – die direkt gegenüber des Studios auf der anderen Straßenseite liegt. Doch trotz der zwei Gymnastikräume, einem Büro und einem Foyer mit Küche bestand 2025 zusätzlicher Platzbedarf. „Wir hatten überlegt, wo wir Räumlichkeiten kaufen oder mieten können. Wir wollten gerne vor Ort in Stockum bleiben. Somit war es ein Glücksgriff“, erinnert sich Middelmann. Der Verein hat dafür sogar eine Reinigungskraft und einen Hausmeister angestellt. „Ab Januar 2027 bekommen wir zudem eine weitere Bürokraft“, sagt Relana Simannek, die selbst im Büro arbeitet und gleichzeitig die Abteilung Reha- und Gesundheitssport leitet.
Ruhige Atmosphäre in einem Wohlfühlbereich
In diesem Bereich finden beispielsweise die Kurse Yoga, Qi-Gong, Pilates oder Feldenkrais statt. „Es ist eine kleine Sporthalle, das macht bei ruhigen Kursen viel aus. Das soziale Gefüge ist ein ganz anderes“, beschreibt Simannek die Besonderheit des Ortes. „Man kommt in einen geschützten Bereich und kann sich wohlfühlen“, ergänzt Middelmann. Blumen und zwei Bilder über einer modernen, gepolsterten statt kahlen, hölzernen Sitzbank ergänzen die harmonische Atmosphäre. Für Power bei den Tanzkursen steht aber auch eine große Lautsprecher-Box bereit. „Für jeden Kurs gibt es hier einen passenden Rahmen“, merkt Simannek an. Die Gruppen sind in der Regel kleiner, die größeren nutzen weiterhin die Sporthalle. Dort, wo für Gesundheitskurse der Fokus auf sich und den eigenen Körper jedoch nicht so gut gelingt, da eher mal Nebengeräusche zu hören sind.
Die noch vorhandene Empore des Kirchenschiffs wird nicht genutzt, nur als Lager. Sonst stehen die Sportutensilien im Studio geordnet in Behältern und Regalen neben zwei angebrachten Ballettstangen. Für angenehme Temperaturen sorgen eine Klimaanlage und Fußbodenheizung. Vor Ort gibt es auch einen Aufenthaltsraum, der nicht nur von wartenden Eltern während der Kinderkurse genutzt wird: Nach Sporteinheiten können sich dort alle zum Ausklang zusammensetzen. Im Büro kann in kleinem Rahmen getagt werden. Getagt haben im großen Raum schon einmal das Sportforum des Kreissportbundes sowie die Bildungskonferenz des EN-Kreises. Außerdem fand eine Sitzung des Sportausschusses an der Pferdebachstraße statt. „Es toppt alles noch einmal, wir sind nach dem ersten Jahr schon super zufrieden“, freut sich Middelmann.
Es gibt bereits die nächste Planung: Der Keller wird umgebaut, um dort eine neu gebildete Dart-Abteilung unterzubringen. An der Außenanlage sind vorhandene Parkplätze ein Vorteil, außerdem sollen Sportelemente für Outdoor-Kurse folgen. Vor Ort hat der TuS nun freie Hand – und kann die Atmosphäre ganz nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten.
Von Hendrik Steimann