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Gesundheit

Sprich vom Tod, nicht vom Schlaf

Ambulanter Hospizdienst: 1. Hospiztag.

Doppelportrait

Bildquelle: unbekannt

Mit fast 100 Menschen war die Turnhalle von Haus Theresia gut besetzt beim 1. Hospiz- und Palliativtag Hattingen, Sprockhövel und Umgebung, veranstaltet am Welthospiztag von dem Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen, der Lebenshilfe Hattingen, dem Palliativmedizinischen Dienst EN-Kreis, dem Seniorenbüro Hattingen, der Stadt Sprockhövel und der Theresia-Albers-Stiftung. Zum Auftakt machten Andreas Fleer (Ambulanter Hospizdienst) und Britta Eichholz (Theresia-Albers-Stiftung, Foto) deutlich: Sprich es aus. Sprich vom Tod, nicht vom Entschlafen, denn aus dem Schlaf wacht man wieder auf. 
Beide Bürgermeisterinnen – Sabine Noll für Sprockhövel und Melanie Witte-Lonsing für Hattingen – machten in ihren Worten deutlich, dass es den EINEN Weg des Menschen nicht gibt. Worin sich beide einig waren: Dem Sterben muss im Leben wieder einen Platz eingeräumt werden, denn es geht dabei um Würde und Lebensqualität. Das zeigt auch die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen, die Sabine Noll schon unterzeichnet hat. Jetzt unterzeichneten auch Melanie Witte-Lonsing (ihr Vorgänger Dirk Glaser hatte seinerzeit im Amt auch unterschrieben) sowie Thomas Drathen im Beisein von Mario Kleist (Geschäftsführung Augusta/Ev. Verbund Augusta Ruhr), die Theresia-Albers-Stiftung, die Westfalen Apotheke und der Verein traurig.mutig.stark. Über 3000 Organisationen und fast 33.000 Einzelpersonen tragen in Deutschland den Charta-Gedanken weiter. 
Es gab informative Vorträge. Ein Beispiel war der Vortrag von Dominik Neuenhaus, Leiter des Stationären Hospizes St. Elisabeth in Witten. Bundesweit stehen 220 stationäre Hospize mit jeweils maximal 16 Betten zur Verfügung (mehr als 16 Betten gelten per definitionem als Pfegeheim). Das Wittener Hospiz – das einzige stationäre Hospiz im EN-Kreis für Erwachsene – verfügt über zehn Plätze, beschäftigt 24 hauptamtliche Mitarbeiter, unterstützt von dreißig Ehrenamtlichen. Rund 800 Anmeldungen gibt es pro Jahr. Etwa 130 Menschen können aufgenommen werden. Neben dem stationären Hospiz gibt es im EN-Kreis für seine 325.000 Einwohner drei Palliativmedizinische Dienste (Witten, Hagen, EN Süd mit Hattingen) und noch zwei ambulante Hospize. In die gesetzlich geregelte Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) muss der Hausarzt den Betroffenen einschreiben. Seit dem 1.4.2026, so Palliativmediziner Dr. Franz Krizanits, gibt es aber im Entlassmanagement der Krankenhäuser in Westfalen-Lippe die Möglichkeit, direkt in die Palliativmedizinische Versorgung einzuschreiben. Einig sind sich die Experten darin: Palliative Versorgung muss kein unmittelbares Lebensende bedeuten, sollte aber geprägt sein von Lebensqualität und Würde. Und wenn Hospizleiter Dominik Neuenhaus vom Shetland-Pony Pumuckel und dem freifliegenden Kanarienvogel Carlo berichtet, dann weiß man: Neben den Tränen findet das Lachen seinen Platz.

Von Dr. Anja Pielorz