Rolf Schmiel erklärt auf Seminaren, im Radio, TV und hier, worauf es im Gespräch ankommt.
Rolf Schmiel (53), geboren in Hattingen, lebt seit über zwanzig Jahren mit seiner Familie in Sprockhövel. Er studierte an der RUB Psychologie und Arbeitswissenschaft. Seit 1999 ist er selbstständig als Vortragsredner und Unternehmensberater. Er ist oft zu Gast im TV und Radio.
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Rolf Schmiel führt ein Gespräch. Ob es ein gutes Gespräch wird, ist von vielen Faktoren abhängig. Der Hattinger Psychologe weiß aber, wie es geht und spricht darüber im Fernsehen, im Radio, auf Workshops und Lesungen. Im digitalen Zeitalter von Wischen, Klicken und Liken setzt Schmiel auf persönliche Gespräche. Verbundenheit statt Kontakte.
Sein neues Buch habe ich vor dem Gespräch mit einer persönlichen Aufgabe gelesen. Ich wollte fünf Erkenntnisse formulieren, die ich aus dem Werk mitgenommen habe und ihn fragen, was er zu meiner „Ausbeute“ sagt.
„Das ist für mich jetzt spannend. Diese fünf Sätze zeigen, gute Kommunikation beginnt immer bei einem selbst. Diese fünf Sätze zeigen, ich bin da. Ich bin präsent und ich schaue nicht auf die Uhr. Der erste Satz ist übrigens der wichtigste Satz für jede Konfliktsituation. Denn wer in einem schwierigen Moment steckt, wird für das Problem keine Lösung finden.“
Führt Rolf Schmiel denn mit seinem Wissen immer ein gutes Gespräch? „Ich sag es mal so: Ich bin mit den Jahren in der Gesprächsführung deutlich besser geworden“, lacht er. „Vor zwanzig Jahren war ich ein guter Unterhalter, aber ich konnte mich noch nicht so gut auf die Menschen einlassen. Gesprächsführungen verändern sich im Laufe der Jahre und meine ist deutlich besser geworden. Warum? In der Begegnung mit Menschen ist man vor allem dann gut, wenn man gelernt hat, bei sich zu sein und auf sich zu achten. Übersetzt: Weil ich mir wertig bin.“ Dabei ist es völlig in Ordnung, sich und seine Leistungen positiv zu bewerten. „Wir reden immer mit uns selbst – laut oder leise. Doch nur wenn wir uns selbst verstehen, uns mit Respekt und Nachsicht begegnen, uns nicht selbst klein reden, erst dann können wir durch eine positive innere Sprache unsere äußere Wirkung positiv verändern. Und das hat rein gar nichts mit Überheblichkeit oder Prahlerei zu tun, sondern ist ein gesundes Selbstbewusstsein.“
Heute habe er zum Beispiel kein Problem mehr damit, sich zu entschuldigen. „Das fiel mir früher sehr schwer und hat so manche Gesprächssituation belastet. Jetzt sehe ich darin den falschen Stolz.“
Schmiel reist aus dem beschaulichen Sprockhövel oft in viele nationale und internationale Städte. Hier gibt er Seminare für Führungskräfte. „Es geht dabei nicht um ein Referat, sondern um eine Moderation. Nicht das Wissen steht im Vordergrund, sondern der Austausch unter den Teilnehmern. So kommen wir beispielsweise an einen Punkt, an dem wir feststellen, an zwei völlig unterschiedlichen Orten haben zwei Mitarbeiter das gleiche Problem und gemeinsam finden sie eine Lösung. Sie finden diese Lösung selbst, ich könnte sie ihnen gar nicht vorschlagen, weil es natürlich um fachspezifische Themen geht. Aber ich kann sie moderierend auf den Weg führen, zu dieser Lösung selbst zu kommen. Und das wiederum steckt hinter dem Satz: Beteiligung schafft Bindung.“
Schmiel ist Gesprächspartner im Fernsehen und im Radio. Und er ist Buchautor. Zwei Jahre braucht es von den ersten Gedanken bis hin zum fertigen Buch. Die Haptik eines Buches begeistert ihn bis heute. „Ich liebe Bücher. Natürlich ist das Digitale überall Realität, aber nicht jeder Mensch – und auch nicht jeder junge Mensch – ergibt sich dem digitalen Wahnsinn, aus dem man sich bewusst und regelmäßig immer mal wieder zurückziehen sollte. Das Menschliche und Persönliche müssen wir nutzen. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen und kein Social-Media-Wesen. Präsenz schlägt Perfektion. Persönliche Gespräche sind bereichernd und machen uns glücklich. Wir brauchen das.“
Schmiel ist optimistisch, dass das auch so bleiben wird. Und das gilt übrigens auch für nervende Gepräche. Denn, so Schmiel: „Nervensägen sind besser als keine Sägen.“
„Ich glaube, in der digitalen Welt leben wir in einer bestimmten Bubble. Der Algorithmus sucht für uns nur das aus, was sich in unseren Suchanfragen ähnelt. Er wird uns nichts wirklich Neues vorschlagen. In der analogen Welt erleben wir eine bunte Vielfalt. Beispielsweise enthalten Zeitungen viele Berichte, die für den Leser thematisch neu sind und die ihn motivieren, sich auf anderes einzulassen. Wir begegnen in der analogen Welt anderen, unterschiedlichen Menschen. Für mich die größte Glücksquelle des Lebens.“
Von Dr. Anja Pielorz