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Hattingen

Schulleiterin Tabea Goering: „Es ist total schön und lebendig“

Am Gymnasium Waldstraße hat die neue Leiterin ihre ersten Monate hinter sich.

Tabea Goering auf Schulhof

Tabea Goering

Seit März ist Tabea Goering die neue Schulleiterin des Gymnasiums Waldstraße und folgte auf die im November 2025 ausgeschiedene Anette Christiani. Die neue Schulleiterin wohnt selbst in Hattingen, im kleinen Blankenstein. Die 44-Jährige hatte zuvor 20 Jahre lang am Westfalenkolleg in Dortmund gearbeitet, an dem Erwachsene auf zweitem Bildungsweg ihr Abitur machen. Das Image-Magazin hat mit ihr gesprochen.
IMAGE: Warum haben Sie sich für diese Schule beworben?
Ich hatte im Vorfeld bereits dienstlich Kontakt zu Frau Christiani und sie hat mir viel von der Schule erzählt. Sie hat gute Strukturen geschaffen, von denen ich angetan war. Schule bedeutet für mich immer lokaler Kontakt. Da ich nach dem Umzug vor acht Jahren etwas den Bezug zu Dortmund verloren hatte, passte es in Hattingen gut. Es bringt mehr, wenn man dort arbeitet, wo man wohnt. Und man kann sich in der Stadt vernetzen. Ich verfüge bereits über ein Netzwerk.
IMAGE: Was hat Sie besonders angesprochen?
Was mich sehr angesprochen hat, ist, dass das Gymnasium eine Europaschule ist. Kultureller Austausch ist mir generell wichtig. Zuhause sind wir auch international, mein Mann ist Amerikaner und meine Fächer sind Deutsch und Englisch. Es ist wichtig, dass die Schüler erleben, Kontakt zu anderen europäischen Schulen zu haben. 2027 fahren wir über das ROTA-Projekt nach Madrid.
IMAGE: Wie waren die ersten Monate?
Es war eine intensive, aber sehr aufregende Zeit. Direkt in der ersten Woche bin ich mit nach Brügge gefahren. Schüler der elften Klasse waren dort zum Austausch. Donnerstags treffen sich alle Schulleiter und freitags werden Projekte vorgestellt. So habe ich schon die Kollegen aus Spanien getroffen. Die ersten Monate waren gut, ich nehme alles mit. Ich versuche, mit allen zu sprechen. Es ist eine lebendige Schule mit vielen jungen Lehrkräften, die viel Energie haben und unglaublich viel machen. Ich finde, dass es vor allem auch neben dem Unterricht viele Angebote und Projekte gibt.
IMAGE: Sie sind voller Tatendrang. Was haben Sie bereits angestoßen?
Ich habe die meiste Zeit wirklich damit verbracht, mir ganz viel anzuschauen. Mit allen aus dem Lehrerkollegium habe ich ein Vier-Augen-Gespräch geführt, um sie kennenzulernen. Ich konnte zuletzt die Ankunft der Modulen-Klassenräume erleben und hoffe, dass sie gut angenommen werden. Nach der neuen Oberstufenreform müssen wir nun schauen, wie wir das fünfte Abiturfach einführen. In allen Fächern müssen neue Prüfungsformate entwickelt werden. Diese sogenannten gleichwertig komplexen Leistungsnachweise (GKL) können zum Beispiel Präsentationen oder Projektarbeiten sein. Es kommen dadurch moderne Formate und damit große Veränderungen. Außerdem müssen für alle Schülerinnen und Schüler Projektkurse eingerichtet werden. Bei der Fächerkombination Chemie und Biologie könnte ein Projektkurs zum Beispiel Biotope untersuchen und ökologische Fragestellungen mit chemischen Analysen zum Thema Biodiversität und Artenschutz verbinden. Im Fach Kunst kann zum Beispiel eine Ausstellung mit Literaturvortrag entstehen. Es hängt davon ab, welche externen Partner wir dazu finden und welche Ideen die jeweiligen Lehrkräfte haben. Es wird auf jeden Fall alles praktischer. Wir haben Gremien, es ist zeitlich alles sehr sportlich gedacht. Veranstaltungen zur Vorstellung der Richtlinien sind im September, danach soll schon alles zeitnah stehen. Wir denken schon mal vor, wobei wir noch keine genauen Vorgaben haben.
IMAGE: Wie ist es für Sie, mehr mit jungen Schülern zu arbeiten?
Es ist total schön und sehr lebendig. Im Sekretariat ist immer etwas los. Auf dem Schulhof lachen die Kinder. Das tut mir auch total gut. Ich begegne nicht nur Älteren, die schon mal etwas träge durch die Gegend laufen. Die vielen AGs gefallen mir. Es ist toll, den Schülern eine Bühne zu bieten, zum Beispiel beim Sommerkonzert. Die Erfahrung an meiner alten Schule ist: Wie kommt es, dass Leute auf ihrem ersten Bildungsweg gescheitert sind? Es gibt Leute, die später ein Einser-Abitur geschafft haben und in der Vergangenheit gar nicht bis zum Abitur gelangt sind – durch verschiedene Geschichten in der Jugendzeit. Es gibt auch hier am Gymnasium Personen, die Probleme haben. Dabei ist bei ihnen Potenzial vorhanden. Dass möchte ich in Angriff nehmen und fördern. Im besten Falle würde es in Zukunft eine solche Schule, an der ich vorher gearbeitet habe, nicht mehr nötig sein.
IMAGE: Woran mussten Sie sich als Schulleiterin gewöhnen?
Ich musste mich daran gewöhnen, dass wir an der Schule schon um 7.35 Uhr beginnen. An der alten Schule war um 8.10 Uhr Beginn. Und ich habe nun Sekretärinnen, die Dinge für mich erledigen. Sie nehmen mir einiges an Arbeit ab, was doch sehr hilft. Etwa Akten abheften und kopieren. Das hat sich anfangs komisch angefühlt. Ich dachte: Ich kann die Sachen doch auch selbst machen.
IMAGE: Was macht Ihnen am meisten Spaß in Ihrer neuen Funktion?
Der Austausch mit den Menschen. Mit dem Kollegium unterhalte ich mich in den Pausen. Meine Tür ist immer offen, jeder kann reinkommen. Aber auch mit Schülerinnen und Schülern, um mal deren Perspektive zu bekommen. Viele Eltern engagieren sich sehr. Das ist manchmal anspruchsvoll, aber ich schätze ihr Interesse und finde es bereichernd zu sehen, was sie einbringen möchten.
IMAGE: Was steht für Sie in den Sommerferien an?
Ich erledige Sachen, die auf dem Schreibtisch liegen geblieben sind. Dann bereite ich mich auf die Anfangsphase des neuen Schuljahres vor. Ich muss zwei große Lehrerkonferenzen detailliert planen.

Von Hendrik Steimann