Hattinger Dr. Dirk Sondermann hält am 11. Juni einen Vortrag über Sagen aus der Heimat.
Dirk Sondermann
Wer kennt ihn nicht, Dr. Dirk Sondermann – einst betitelt von der lokalen Tageszeitung als „Sagenpapst des Ruhrgebiets“. Er ist am Donnerstag, 11. Juni, 18 Uhr, im Vortragsraum vom Stadtmuseum in Blankenstein, Marktplatz 1, auf Einladung vom Heimatverein Blankenstein zu Gast und gibt einen spannenden Einblick in die Welt der heimischen Sagen.
Einblick in sein Leben gibt Dr. Dirk Sondermann auch. „Ich habe zunächst angefangen mit dem theologischen Studium in Bochum unter dem Arbeitsethiker Günter Brakelmann. Er war bis zu seiner Emeritierung 1996 Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität und beschäftigte sich vor allem mit der sozialen Frage im 19. Jahrhundert. Dann habe ich zwischendurch eine Lehre im Garten- und Landschaftsbau gemacht und erstmal in dieser Richtung weitergearbeitet, bis ich dann meine eigene Firma hatte“, erzählt Dirk Sondermann. Ganz nebenbei schrieb der Unternehmer, Arbeitgeber und Theologe – sein Studium brachte er dann doch zu Ende – viele Bücher über heimische Sagen aus Hattingen, Bochum, Wattenscheid, Regionen von Emscher und Lippe... was einem da so aus der Feder fließt.
Und dann? „Irgendwann fiel mir die Theologie wieder ein. Ich mag das, wenn der ganze Mensch gefordert ist – durch körperliche und geistige Arbeit. Also habe ich beschlossen, zu promovieren. Eine wissenschaftliche Karriere wollte ich natürlich nicht mehr“, lacht Sondermann. Eher wollte er für sich selbst den Anspruch nach geistiger Nahrung realisieren. Dafür heuerte er bei seinem ehemaligen Professor an. Günter Brakelmann, heute stolze 94 Jahre alt, Theologe, Sozialwissenschaftler und Historiker, freute sich. Der Gründungsrektor des Instiuts zur Geschichte der Arbeiterbildung in Recklinghausen hat viele Vorträge im DGB-Tagungszentrum in Hattingen und bei der IG Metall im Sprockhöveler Bildungszentrum gehalten. Sein Thema war die soziale Frage – vereinfacht gesagt, die Verarmung der Arbeiterschaft im 19. Jahrhundert, entstanden als Folge der Industrialisierung.
„Sagenpapst des Ruhrgebiets“ hat auch den Doktorhut
„Angefangen habe ich mit dem Schreiben der Dorktorarbeit 2014. Am Anfang habe ich gedacht, ich mach das nur im Winter – jeden Tag eine Stunde. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht funktioniert. Also entwickelte sich die Promotion zum zweiten Job – neben meinem Unternehmen.“ Im Rückblick sagt er: „Wenn ich gewusst hätte, dass ich mich auch für die mündliche Prüfung umfasssend vorbereiten muss – inklusive der Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch – da weiß ich nicht, ob ich das durchgezogen hätte. Aber ich habe einfach angefangen und es mit Erfolg abgeschlossen.“ Mit 62 Jahren und mit gutem Erfolg, denn „magna cum laude“ steht unter den vielen Seiten wissenschaftlicher Arbeit, die den Titel trägt „Vorrang für die Arbeit. Die Sozial- und Arbeitsethik Günter Brakelmanns“.
Für Sondermann gibt es zwischen den Sagen und der Theologie auch durchaus Berührungspunkte: „Das Alte Testament und die Sagen sind beides Berichte mündlicher Überlieferung. Sie wurden von Generation zu Generation weitererzählt und aufgeschrieben. Wie ich mit Sagen umgehe, das habe ich durch die Theologie gelernt: der historische Hintergrund inclusive GPS-Daten war mir immer wichtig und Bestandteil meiner Bücher.“ Nach dem Erwerb vom Doktorhut der Theologie ging es dann wieder zurück in die Sagenwelt.
13 Sagen im neuen Buch aus Hattingen
Sagenhaftes aus der Heimat gibt es genug zu berichten. Mit seiner neuesten Sammlung „Ruhrsagen – von der Quelle bis zur Mündung“, die er im November 2025 veröffentlichte, knüpft er an seine Publikationen zur Sagenwelt im Ruhrgebiet an. Hier versammelt er erstmals flussabwärts, von der Quelle am Ruhrkopf (Winterberg) bis zur Mündung bei Duisburg‑Ruhrort 190 Sagen entlang der Ruhr – Sagen, Mythen und Überlieferungen, die an einer Flussstrecke von 235 Kilometern irgendwann überliefert wurden.
Geschichten von Hexen, Werwölfen, weißen Frauen, Zwergen, Berggeistern, Räubern und Ritterfrauen geben sich die Klinke in die Hand, eine lebendige Sagen-Landschaft voller Spannung und Heimatkunde.
Aus Hattingen sind 13 Sagen dabei. Jede Sage ist präzise verortet. Adressen und sonstige Daten ermöglichen ein unmittelbares Nachspüren vor Ort – ein besonderes Merkmal, das diesen Band sowohl für Heimatfans als auch für Ausflügler spannend macht. Ein fundierter Anhang liefert außerdem Hintergrundinformationen zur Entstehung der Sagen. Literaturnachweise und ein Ortsregister gibt es auch und Antwort auf Fragen wie diese: Warum entspringt die Ruhr eigentlich am Ruhrkopf? Dr. Dirk Sondermann gründete 2003 das Institut für Erzählforschung im Ruhrgebiet, das die Homepage www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de ins Leben rief.
Info zum Buch: „Ruhrsagen – Von der Quelle bis zur Mündung“ (November 2025) von Dr. Dirk Sondermann, WOLL‑Verlag (Schmallenberg); ISBN: 978-3-948496-96-8.
Von Dr. Anja Pielorz