Ziel ist die Unterstützung von Pflegepersonal und zu pflegenden Menschen durch neue Techniken.
AdaMeKoR: teilautomatisiertes-Bett-Roboterarm-System
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt förderte drei Jahre innovative Forschungen der Mensch-Technik-Interaktion in der Pflege. Dabei reichten die robotischen Systeme von Komponenten wie Roboterarmen bis hin zu humanoiden Robotern. Zusätzlich wurde ein wissenschaftliches Begleitprojekt gefördert. Im Mittelpunkt stand immer die alltagstaugliche Praxis.
Die technischen Möglichkeiten sind schon heute groß. Ein Beispiel ist das Projekt AdaMeKor, ein motorisiertes Pflegebett mit Roboterarm. Pflegekräfte, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen betreuen, bekommen oft Rückenprobleme, da die Belastung auf Muskeln und Skelett enorm ist. In der Folge kommt es – bei ohnehin knappem Pflegepersonal – zu Fehlzeiten oder sogar Berufsunfähigkeit. Durch ein teilautomatisiertes Bett-Roboterarm-System können Autonomie und Lebensqualität der Pflegeempfänger verbessert werden. Für Pflegende stellt die robotische Unterstützung beim Heben und Bewegen eines Patienten eine deutliche Reduzierung der körperlichen Belastung dar. So werden Schädigungen oder Erkrankungen des unteren Rückenbereichs vermieden.
Ein weiteres Beispiel ist HoLLIECares. Dabei handelt es sich um einen multifunktionalen Serviceroboter zur Unterstützung professioneller Pflege in Krankenhäusern.
Getestet werden auch Systeme für die häusliche Pflege. Dazu gehört zum Beispiel „MORPHIA“. Viele unterstützungs- und pflegebedürftige Menschen sind in ihrer Wohnung allein und haben nur selten Sozialkontakte. MORPHIA zielt auf die Entwicklung, Erprobung, Evaluation und Etablierung eines interaktiven, mobilen Assistenzroboters, der Pflegenetzwerke aus Angehörigen und Freunden unterstützen soll. Der Assistenzroboter kann beispielsweise autonom navigieren und ist mit einem Videopräsenzsystem ausgestattet. Er soll selbst keine Pflegeleistungen übernehmen, aber er soll das Pflegenetzwerk der Betroffenen dabei unterstützen, soziale Kontakte auch über Distanzen hinweg zu ermöglichen und die „menschliche“ Betreuung, Begleitung und Versorgung zu koordinieren. Auch für die Systeme in der häuslichen Pflege ist es den Verantwortlichen immer wichtig zu betonen, dass sie den Menschen nicht ersetzen sollen. Hintergrund der Erprobungen ist vielmehr der Personalmangel in der Pflege, der noch deutlich zunimmt. Prognosen zufolge könnten in Deutschland bis 2035 über 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig sein – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2021. Bis 2030 würden demnach 130.000, bis 2040 bis zu 250.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Im Jahr 2049 könnten zwischen 280.000 und 690.000 Pflegefachkräfte in Deutschland fehlen. Das ermittelte das Statistische Bundesamt bereits Anfang 2024 im Rahmen einer Pflegekräftevorausberechnung und stellte in diesem Zusammenhang fest, wie weit der Personalbedarf bis dahin noch steigen wird: Während im Jahr 2019 gemäß Berechnung noch 1,62 Millionen Pflegekräfte benötigt wurden, soll der Bedarf 2049 bei 2,15 Millionen liegen.
Es fehlen immer mehr Pflegekräfte
Die Technische Universität München, die mit „Garmi“ einen Assistenzroboter mit Rollen statt Beinen entwickelt hat, geht sogar davon aus, dass Deutschland bis 2050 bis zu sieben Millionen Pflegekräfte brauchen wird. Garmi versteht Sprache, plant eigenständig, bringt Getränke und soll bei Diagnose und Reha unterstützen. Der an der Entwicklung beteiligte Experte Alexander König rechnet allerdings nicht vor 2036 mit einer großflächigen Verbreitung solcher Systeme.
Erfahrungsschatz geht verloren
Mit dem massenhaften Ausscheiden der Baby-Boomer geht auch ein über Jahrzehnte gewachsener Erfahrungsschatz in Rente. Um das wertvolle Berufswissen für zukünftige Generationen zu erhalten und für deren Ausbildung zu nutzen, haben Forscher die Idee, mit einem körpernahen Sensornetzwerk reale Pflegehandlungen von erfahrenen Pflegefachkräften zu erfassen. Im zweiten Schritt sollen diese Bewegungsdaten analysiert, aufbereitet und anschließend auf einen humanoiden Roboter übertragen werden. Der Deutsche Ethikrat unterscheidet dabei zwischen Assistenz-, Monitoring- und sozialen Robotern und betont ebenfalls, dass Experten in jedem Fall davon ausgehen, dass Roboter Pflegekräfte nicht ersetzen können, sondern allenfalls entlasten.
Technik soll helfen und entlasten
Nicht alle Projekte zielen primär auf Entlastung des Personals. Die Sozialstiftung NRW erprobt in zehn Wohnheimen für Menschen mit Behinderung assistive Technik. Im Josefsheim Sundern nutzen Bewohner Alexa-Sprachassistenten, um sich Rezepte vorlesen zu lassen oder Licht und Rollläden zu steuern. Im Mittelpunkt dieser technischen Nutzung stehen dabei die Teilhabe und Selbstständigkeit der betroffenen Menschen.
Auch die Industrie interessiert sich für humanoide Roboter. So will der Technologie-Konzern Bosch künftig in Bühl, Landkreis Rastatt, humanoide Roboter in Serie bauen, die mit Künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Dafür verbündet sich Bosch mit dem britischen Start-up Humanoid aus London, das die dem menschlichen Körper nachempfundenen Maschinen vom Typ HMND 01 entwickelt hat. Die ersten Roboter sollen demnach ab 2027 vom Band laufen. Ein erstes Ziel ist es, herauszufinden, wie gut sich die Roboter zum Transport von Waren, zum Kommissionieren oder für andere monotone und körperlich anstrengende Tätigkeiten eignen.
Später könnten die humanoiden Roboter aber auch in der Pflege und im Haushalt eingesetzt werden. Bis es soweit sein könnte, dauert es allerdings noch einige Jahre.
Von Dr. Anja Pielorz