Das sind die markantesten Daten und Fakten der Geschichte des Gebäudes.
Der Hauptsitz der Wittener Stadtverwaltung ist seit 100 Jahren am Rathausplatz in der Innenstadt. Dorthin wurde er aufgrund von Raummangel am alten Standort an der Hauptstraße verlegt. In den 100 Jahren gab es einige Veränderungen und Erweiterungen.
Die Bauarbeiten des Gebäudes erfolgten zwischen den Jahren 1921 und 1926. Eigentlich wurde nach einer deutschlandweiten Ausschreibung im Jahr 1912 bereits im Mai 1914 mit ersten Arbeiten begonnen – bis am 1. August der Erste Weltkrieg ausbrach und sie gestoppt wurden. Als es sieben Jahre später nach Beschluss der Stadtverordnetenversammlung weitergehen konnte, wurden die Arbeiten am Rathaus von der Inflation zwischen 1922 und 1923, der französischen Besatzung von 1923 bis 1925 und durch die Irritationen zwischen Stadt und ausführenden Firmen immer wieder belastet: Die Franzosen wollten zwischenzeitlich Rathaus und Schillerlyzeum zu einer Kaserne zusammenfassen. Das örtliche Militärgericht inhaftierte leitende Beamte der städtischen Administration oder wies diese aus.
Dennoch konnten im Sommer 1926 alle Arbeiten abgeschlossen werden. Kostenpunkt: 11 Millionen Mark. Mit einem symbolischen Akt, bei dem die Turmuhr in Gang gesetzt wurde, fand die feierliche Eröffnung statt. Der markante Turm prägt bis heute das Bild der Wittener Innenstadt. Oberbürgermeister, Stadtverordnete und rund 300 Bedienstete zogen in das neuerrichtete Bauwerk ein. Erstmalig waren sie alle unter einem Dach vereint. Es stand ein Bau – wie auch andernorts im Ruhrgebiet – mit funktionaler und repräsentativer Adresse für Rat und Verwaltung in der aufstrebenden Industriestadt Witten.
In dem Komplex sind verschiedene Traditionen des Rathaus- und Schlossbaus miteinander verschmolzen: der Saalgeschossbau des mittelalterlichen Rathauses, die Vierflügelanlage des barocken Schlosses, der Campanile italienischer Tradition und die Arkade als Loggia für Versammlungen. 1938 führte die Stadt erneut einen Architektenwettbewerb für die Erweiterung des Rathauses durch. Die Planungen wurden jedoch nie durchgeführt. 1944 zerstörte ein Bombardement der Alliierten fast die gesamte Innenstadt. Am 12. Dezember auch den Nordflügel des Rathauses.
Kurios: Obwohl Großbritannien im Krieg zu den Feinden von Deutschland zählte, entstand im Verlaufe der Jahre eine Städtepartnerschaft mit Dagenham, dessen Ursprünge bereits auf das Jahr 1946 zurückgehen. Witten erhielt einen roten Briefkasten als Geschenk, der seitdem an der Fassade des Haupteingangs des Rathauses angebracht ist. Bis zum Beginn der 1950er-Jahre erfolgte der Wiederaufbau des Gebäudes und bis 1955 die Osterweiterung des Gesamtkomplexes entlang der Hauptstraße. Von 1955 bis 1968 war auch die Stadtbücherei im Rathaus untergebracht.
Seit dem 4. September 1985 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. In den 1990er-Jahren waren noch einmal (stilistische) Erweiterungsarbeiten geplant, die allerdings ebenfalls nicht umgesetzt wurden. Zuletzt wurde das Rathaus, was seit Beginn des 21. Jahrhunderts sanierungsbedürftig wurde, zwischen 2016 und 2025 in zwei Abschnitten umfassend modernisiert, in dessen Zuge auch historische Details wie Wandmalereien und das Wappen an der Fassade restauriert wurden. Dabei entstanden im Inneren neue Arbeitsplätze und das Bürgerforum. Kosten: 48,2 Millionen Euro.
Von Hendrik Steimann