Modernes Konzept kommt nicht überall gut an. Einschränkungen für Anwohner. Ein Ortsbesuch.
Baustellenchaos...
Seit mehr als einem Jahr ist rund um die Bahnhofstraße in Hattingens Zentrum eine Baustelle eingerichtet. Erst wurden durch den Ruhrverband Kanalarbeiten vorgenommen, gefolgt von dem Start des Großprojektes zur Umgestaltung der gesamten Straße. Der erste Abschnitt – von der August-Bebel-Straße bis zur Kreuzung Wülfingstraße/Kreisstraße – wird derzeit bearbeitet. Eine optische Aufwertung ist bereits erkennbar. Es soll ein Vorzeigeprojekt für Radfahren, Hitze- und Klimaschutz entstehen. Das ruft nun aber schon Anwohner und Geschäftsleute auf den Plan.
Aktuell wird der Gehweg vor Amtsgericht, Schule und Caritas erneuert. Der Bereich wird mit sandsteinfarbigem Pflaster auf bis zu 2,60 Meter verbreitert, die Fahrbahn mit 5,50 Meter etwas schmaler. Sie werden höhengleich, aber optisch voneinander abgetrennt sein. Es wird später Tempo 20 gelten. Zudem werden vier Bäume gepflanzt. Die Polizei steht im Austausch mit der Bauleitung. Es werden Absprachen getroffen, wann keine großen Fahrzeuge fahren dürfen. Nämlich vor allem zu der Zeit, wenn Eltern ihre Kinder zur KiTa St. Christophorus und Weiltor-Grundschule St. Franziskus bringen und abholen. Eltern werden auf die entsprechenden Haltebereiche hingewiesen, damit es nicht zu Staus kommt.
Einschränkungen bis Ende 2028
Der Bauleiter der zuständigen Firma Eurovia Bau GmbH, Ali Ihsan Alpar, sagt: „Bei der Einholung der verkehrsrechtlichen Anordnungen der Stadtverwaltung wir auf die Zuwegung geachtet.“ Das Team um ihn herum achte darauf, Anwohner zu informieren. Die sind teilweise nicht angetan und werden voraussichtlich bis Ende 2028 Einschränkungen vor ihrer Haustür haben. Bis dahin soll für fünf Millionen Euro die gesamte Bahnhofstraße modernisiert werden. Damit einhergehend werden Parkmöglichkeiten wegfallen. Schon zuvor war es in dem Bereich schwierig. Nun sprechen Anwohner von „ewigem Suchen nach einem Stellplatz“, was in der, Wülfingstraße, Poststraße und Alten Bismarckstraße (mit derzeit geöffneter Sackgasse) kaum möglich ist.
Von der Wülfingstraße aus in Richtung Amtsgericht ist aktuell eine Einbahnstraße eingerichtet. Die Parkplatzsituation ist dadurch extrem angespannt – selbst wenn es für einen Häuserblock eine Tiefgarage gibt. Die Möglichkeit, beantragte Parkausweise zu nutzen, ist eingeschränkt. Das ärgert die Anwohner besonders. Denn unabhängig von der Baustelle: Ein Ausweis für Anwohnerparken kostet seit diesem Jahr 100 Euro – statt zuletzt 20 Euro für zwei Jahre. Das hatte der Stadtrat – nicht unisono – bereits 2024 beschlossen, wobei es schon einen Aufschrei gab, da Hattingen nicht mit Großstädten vergleichbar sei.
Die Kirchengemeinde St. Peter und Paul hat während der Zeit der Baustelle bislang keine negativen Erfahrungen gemacht. Gottesdienstbesuchern war es jederzeit möglich, die Kirche zu erreichen. Einen Rückgang der Besucherzahl habe es daher nicht gegeben. Stadtpfarrer Andreas Lamm sagt hinsichtlich der Parksituation: „Sie war auch vorher schon zu Stoßzeiten angespannt.“ Er möchte sie daher nicht übertrieben bewerten. Allerdings sei er auch schon mal zu spät zu Terminen gekommen, wenn er es doch mal eilig hatte.
Verspätungen bei Außenterminen
Diese Erfahrung hat auch Monique Wächter von ansässigen Tanzstudio „Let’s Dance“ gemacht, wenn sie zu außerhalb stattfindenden Kursen gefahren ist. „Wir haben unsere Kunden vorgewarnt. Die Straße war erst nicht gut beschildert, als die Absperrungen kamen. Diejenigen, die sich auskennen, wissen, wo sie reinfahren können. Für Auswärtige ist es schwieriger. Eine Seite zu unserem Parkplatz war aber immer offen“, erzählt sie. Sie hat zudem beobachtet, dass Suchenden geholfen wurde. Für Personen, die zum Amtsgericht mussten, war die Anreise nicht immer einfach. „Unsere Kunden haben sich daher auch 10, 15 Minuten eher auf den Weg gemacht“, so Wächter.
Einen Nachteil von der Baustelle und der eingeschränkten Erreichbarkeit haben die Pizzeria Paradiso und der Kiosk zur Alten Post. Kiosk-Besitzer Hamid Salah rechnet erneut mit hohen Einbußen. Der Umsatz sei seit den Kanalarbeiten 2025 um die Hälfte zurückgegangen. Als die Wülfingstraße wieder frei war, die Kreisstraße aber weiterhin gesperrt, kamen 20 bis 30 Prozent weniger Kunden. „Und die Leute, die Pakete abholen wollten, wussten nicht, wo sie herfahren und parken können und haben angerufen“, erzählt der Betreiber. Mit Blick auf die Parkausweise, aber fehlenden Möglichkeiten, merkt er an: „Man bezahlt für nichts.“
Von Hendrik Steimann