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Witten

Polizei verstärkt Kampf gegen Kinder- und Jugendpornografie

Ein neues Kriminalkommissariat ist gegründet worden. Gute Zusammenarbeit mit Behörden.

Doppelportrait

Andre Kolodziej (l.) leitet das neue Kriminalkommissariat, seine Kollegin Katja Schatta ist Sachbearbeiterin.

Das Polizeipräsidium Bochum, das auch für Witten und Herne zuständig ist, hat zur gezielten Bekämpfung von Kinder- und Jugendpornografie im Sommer ein neues Kriminalkommissariat (KK 16) eingerichtet. Die neue Organisationseinheit bündelt polizeiliche Kräfte und digitale Ermittlungskompetenzen, um Straftaten rund um Missbrauchsdarstellungen in Form von Bildern und Videos noch schneller und effizienter aufzudecken.
Seit vielen Jahren besteht bereits ein Fachkommissariat. Da sich im Verlaufe der vergangenen zehn Jahre die Vorgänge häuften – zum Beispiel im Bereich Cybergrooming durch Fake-Accounts – zog sich die kleinteilige Bearbeitungszeit in die Länge. Daher wurde am Sitz des Polizeipräsidiums in Bochum eine eigene Abteilung gegründet, zusätzlich Personal geschult – und nun besteht ein Team von 20 Ermittelnden. Ein kurzer Blick auf die Statistik für das Jahr 2025 zeigt folgende Fallzahlen in Witten: 180 Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung, 23 von sexuellem Missbrauch von Kindern, 74 von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinder- oder jugendpornographischer Inhalte sowie 3 hinsichtlich der Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen. 80 bis 90 Prozent der Fälle konnten im selben Kalenderjahr aufgeklärt werden.

Hinweise werden direkt nach Bochum weitergeleitet
Leiter des Kriminalkommissariats ist Andre Kolodziej, der seit 1999 bei der Polizei für diesen Bereich tätig ist. „Damals wurde noch analog gearbeitet, in Papierform“, erinnert er sich. Mittlerweile bestehen viele Möglichkeiten, digital zu ermitteln. Es können schneller Hinweise zugespielt werden. Das geschehe regelmäßig. Im Prinzip ist es ganz einfach, wie die Sachbearbeiterin Katja Schatta erklärt: „Bürger können den nächsten Polizisten ansprechen, dem sie begegnen. Es wird daraufhin eine Strafanzeige gestellt. Intern wissen alle direkt, dass wir als Fachkommissariat zuständig sind und binden uns ein.“ Vor Ort in Witten gibt es keine feste Ansprechperson, aber auf der Wache kann jederzeit ein Hinweis gegeben werden. „Wenn es um sexuellen Missbrauch geht, fahren wir sofort am laufenden Tag raus, um die Gefahr für Kinder und Jugendliche zu verhindern. Natürlich klären wir die Glaubwürdigkeit ab“, erzählt Schatta.
Die Polizei arbeitet mit Teams, die aus mehreren Personen bestehen. Oftmals fahren zwei gleichzeitig zu den entsprechenden Adressen. Denn: Wenn ein möglicher Täter tagsüber nicht zuhause angetroffen wird, kann er womöglich an seiner Arbeitsstelle angetroffen werden. Geachtet werden müsse dabei auch auf mögliche Rufschädigung, falls sich im Nachhinein keine Straftat herausstellt. Für die Einsätze ist die Polizeiwache in Witten in der Regel nicht mit zusätzlichem Personal eingebunden – damit parallel an keiner anderen Stelle Kräfte fehlen. Es wird im Vorfeld abgewogen, ob Widerstand seitens der Täter geleistet werden könnte – denn manche sind der Polizei bereits bekannt. In der Regel laufen die Einsätze in diesem Punkt allerdings problemlos.

Durchsuchungsbeschluss vom Amtsgericht
Oft seien es männliche Täter, die direkt aus der Familie stammen. Verdachtsfälle werden aufgenommen, Durchsuchungen der Wohnung samt Konfiszierungen vorgenommen. Die Polizei benötigt dafür einen Durchsuchungsbeschluss, der über das Amtsgericht Witten ausgestellt werden muss, was sehr zügig passiert – selbst außerhalb der Dienstzeiten, da es sowohl bei der Polizei als auch beim Gericht einen Bereitschaftsdienst gibt. Genauso beim Wittener Jugendamt, was mit einbezogen wird, die Familien teilweise kennt, familientherapeutische Erkenntnisse mitteilen kann und im Nachgang betroffene Kinder betreut. In Akutfällen wird zudem ein Eilantrag direkt bei der Staatsanwaltschaft gestellt.
Die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort funktioniere gut. „Manche Täter sind völlig überrascht, weil sie sich sicher gefühlt haben“, sagt Schatta. Verwandte spielen daher eine wichtige Rolle, wenn sie etwas beobachten. Es gibt auch jugendliche Täter, gerade durch die tägliche Nutzung von Smartphones und sozialen Medien. Schulen in Witten stehen im Austausch mit der Polizei, die in Klassen geht und für das Thema sensibilisiert. In einem Fall hat sich ein Mädchen ihrem Lehrer anvertraut und von Material auf dem Laptop ihres Vaters erzählt.

Ermittlungen sind mental belastend
Für die Teams der Polizei ist die Arbeit mental belastend, vor allem das Durchsichten des Materials. Es gibt daher intern Gesprächsangebote. „Man kann jederzeit kurzfristig einen Termin machen, wir haben ausgebildete Therapeuten. Man muss überprüfen, wie es einem selbst geht und wie man mit der Arbeit klar kommt. Nicht jeder ist in der Lage, den Bereich zu bearbeiten“, betont Kolodziej. Das Team spricht auch untereinander. „Wir hören uns gegenseitig zu, damit niemand das Thema alleine in seinem Kopf hat. Man kann es nicht mit nach Hause nehmen“, sagt Schatta. Es sei zudem ein mulmiges Gefühl, wenn sie Material durchsichtet und danach persönlich in genau dem auf dem Material zu sehendem Zimmer ist und auf betroffene Kinder trifft: „Es gilt in dem Moment, professionell zu bleiben. Aber man muss danach zeitnah drüber reden.“
Das Kommissariat hat etliche Datenbestände, mehrere hundert Terrabyte auf PCs, Laptops, USB-Sticks oder Handys. Die Auswertung wird teilweise KI-unterstützt. Täglich kommen Daten hinzu. Darunter auch Chatverläufe mit Cybergrooming, wenn Erwachsene sich als Jugendliche ausgeben und auf Minderjährige einwirken, damit diese Nacktbilder schicken. Auch weil es viele alte Datenbestände gab, wurde das Kriminalkommissariat nun eingerichtet.
Von Hendrik Steimann