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Witten

Parkinson an der Tischtennisplatte entgegenwirken

Bei der DJK BW Annen gibt es eine Gruppe speziell für Erkrankte, die dabei aufblühen.

Gruppenbild

Die PPP-Gruppe der DJK BW Annen.

Knapp 20 Leute sind es, die in der Sporthalle der Holzkamp-Gesamtschule in Annen um die Tischtennisplatten verteilt stehen. Sie schlagen sich munter die kleinen weißen Spielbälle zu. Und sie haben alle eines gemeinsam: Parkinson. Sie gehören als eigene Sportgruppe der DJK Blau-Weiß Annen an, die im Januar 2025 ins Leben gerufen worden ist und seitdem wächst.

Der Verein ist einer der über 300 bestehenden Stützpunkte des bundesweit agierenden Vereins PingPongParkinson Deutschland. In den „PPP“-Gruppen an den Stützpunkten – das sind Sportvereine – soll im Trainingsteil darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer, unabhängig von ihrem Leistungsvermögen, gemeinsam üben und spielen können. Symptome von Parkinson äußern sich in Form von Bewegungsstörungen wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit und Störungen des Gleichgewichts. Die Krankheit ist neurologisch bedingt und nicht heilbar.

Stützpunkt in Witten besteht seit 2025
Seit einem Jahr besteht der Stützpunkt in Witten. „Wir hatten in unserem Bereich des Gesundheitssports noch nichts in dieser Richtung, es gab aber mal die Nachfrage“, erzählt Paulo Rabaça, Sportwart der Tischtennis-Abteilung, die zum Großteil in Richtung Leistungssport orientiert ist. Die erste Herrenmannschaft spielte bis zuletzt noch in der Verbandsliga und die erste Damenmannschaft schlägt sogar in der 3. Bundesliga auf.
Rabaça spricht von einem Jahr Vorlauf, ehe die PPP-Gruppe existierte. Denn es mussten Hallenkapazitäten gesucht werden, was nur in Absprache mit der Stadtverwaltung sowie dem Stadtsportverband funktionierte. Auch die Gesamtschule musste mitspielen. Die Sporthalle kann dort für die Gruppe nun montags in der Zeit von 16 bis 17 Uhr genutzt werden. Seit kurzem gibt es mittwochs (17 bis 18:30 Uhr) noch einen zweiten Trainingstag – allerdings nur zwischen den Oster- und Herbstferien, wenn die Leichtathleten der DJK draußen trainieren. Demnächst soll es weitere Möglichkeiten im vor kurzem eröffneten Bildungsquartier Annen geben.

Arnold Weis ist sehr engagiert
Durch die Möglichkeit der Bewegung und Gemeinschaft für die Erkrankten werden gleichzeitig Mitglieder gewonnen. Vor Ort in Witten gibt es keine andere Gruppe allein mit Parkinson-Betroffenen. Die nächste ist in Dortmund zu finden, sonst kommen häufig gemischte Gruppen vor. Das hat Arnold Weis festgestellt, der lange nach einer Gruppe suchte. Der 77-Jährige ist seit Sommer 2025 festes Mitglied der Annener PPP-Gruppe, auf die er durch einen Zeitungsbericht aufmerksam wurde. Die DJK wurde vor einem Jahr aufgrund ihres Engagements nämlich Zweiter beim Nachhaltigkeitspreis der Stadtwerke Witten.
Nun engagiert sich Weis sehr, möchte die Gruppe und allgemein die PPP-Initiative mit vorantreiben. Er selbst erhielt die Erstdiagnose erst vor vier Jahren, die sich vor zwei Jahren endgültig bestätigte. Er hat im Alltag Probleme mit seiner Kraft und Koordination. Das kann problematisch werden, wenn der ehemalige Chirurg beispielsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Er hat beim Laufen Schwierigkeiten, nutzt Stöcke. „Man kann bei der Krankheit nicht erwarten, dass es durch Tischtennis besser wird, da es ein fortlaufender Prozess ist“, betont Weis. Für ihn sei beim Sport das aktive Hinbewegen zum Ball schwieriger. „Ich bin daher eher ausspielbar“, gesteht er.

Teilnahme an Turnieren
Ehrgeiz ist dennoch vorhanden. Er hat auch schon an zwei Turnieren teilgenommen, gemeinsam mit einer Kollegin, die ihr gesamtes Leben lang Sport machte und auch genetisch keine Veranlagung zu Parkinson hatte und dieses Jahr sogar an der Weltmeisterschaft in Hannover teilnehmen möchte. Die Weltmeisterschaft und andere Turniere werden für alle Betroffenen bewusst offen gehalten. „Die Teilnehmer haben dabei sehr unterschiedliche Ambitionen. Manche wollen sich einfach bewegen, andere stetig im Tischtennis entwickeln“, erzählt Weis. Seine Kollegin beschreibt allgemein: „Das Ziel von Parkinson-Erkrankten ist es, körperlich insgesamt langsamer schlechter zu werden. Und es ist Abwechslung zur Krankengymnastik“
Warum eigentlich Tischtennis? „Das ist meiner Meinung nach die beste Sportart für Erkrankte. Alle Bereiche, die im Körper betroffen sind, kann man angehen“, sagt Weis, der auch von einer Verbesserung der Hand-Augen-Koordination und Reaktion spricht. Er und andere Teilnehmer sind anfangs überrascht, wie gut die an der Platte zurechtkommen, an der sie von fachkundigen Übungsleitern betreut werden. Die Teilnehmer geben sich nebenbei Tipps für Alltagssituationen. „Keiner muss alleine durch den Tag. Alle gehen gemeinsam mit einem Lachen nach Hause, sodass einem das Herz aufgeht“, sagt Rabaça.
Interessierte können sich bei der Gruppe melden, auch Ärzte und Physiotherapeuten sind aufgerufen, Betroffene darauf aufmerksam zu machen. Kontakt: Arnold Weis (0176/43437599) oder Paulo Rabaça (0172/2445296).

Von Hendrik Steimann