Zum 2. Mal in seiner Amtszeit besucht er im Rahmen dieser Terminreihe NRW. Diesmal Hattingen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Ankunft mit Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing.
Drei Tage war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch in Hattingen und hat seinen offiziellen Amtssitz in die Ruhrstadt verlegt. Er tat dies in der Reihe „Ortszeit Deutschland“, die ihn seit 2022 in verschiedene kleinere und vom Strukturwandel betroffene Städte führt, um – wie der Name es sagt – den Menschen vor Ort zu begegnen. In NRW war er bisher nur einmal und zwar im März 2024 in Espelkamp. Zum zweiten Mal war es nun Hattingen – der zwanzigste und letzte Ortszeit-Termin in seiner Amtszeit, die am 18. März 2027 endet.
Der Bundespräsident suchte das Gespräch mit den Menschen. Er begrüßte Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing auf dem Hattinger Wochenmarkt, wünschte den Händlern gute Geschäfte, stand für Selfies bereit. Die Security musste ihre Augen überall haben. Vierzig Journalisten sorgten zusätzlich für viel Bewegung. Steinmeier geht in Geschäfte. Unter anderem in die inhabergeführte Buchhandlung „Lebenswert“ von Robin Müller. Der ist aufgeregt. „Eine Buchhandlung ist die Seele einer Stadt“, sagt Frank-Walter Steinmeier und kauft gleich zwei Bücher per Barzahlung. Im Krämersdorf ertönt ein Glockenspiel zu Ehren des Besuchs.
Später gibt es einen O-Ton vor dem Hattinger Rathaus. „Diese Gesprächstage sind ein Ergebnis der Coronazeit. Wir haben die Gabe, miteinander zu reden, verloren und beschimpfen uns stattdessen in den sozialen Medien. Mit solchen Terminen vor Ort möchte ich zeigen, wir müssen wieder mehr persönlich miteinander reden. Wir gehen mit der Ortszeit in Städte, die abseits der Metropolen liegen und deren Strukturwandel noch nicht fertig ist. Wo noch nicht alles geputzt ist“, so Steinmeier.
Freude und freundliche Gesichter erlebt der Bundespräsident auch bei den weiteren Hattinger Terminen: Ein Kneipenquiz, Besuch von dem Wohnprojekt WIWOZU, ein Besuch des familiengeführten Unternehmens Resol, eine Kaffeetafel mit Diskussionen zum Klimaschutz und – einmal im Leben – einer verpflichtenden Gemeinwohlzeit für alle Bürger, eine Kanutour auf der Ruhr, ein Gespräch mit Touristikern, ein Gang durch die Altstadt und schließlich der Verleihung vom Bundesverdienstkreuz an elf Menschen, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren. Aus Sprockhövel ist Stadtälteste Britta Altenhein dabei, aus Hattingen sind es Beatrix und Johannes Küpperfahrenberg für ihr Afrika-Engagement, Robert Laube, langjähriger Museumsleiter vom LWL-Museum Henrichshütte für Industriekultur, Johannes Tüller, seit mehr als 60 Jahren engagiert für die Feuerwehr in Hattingen.
Beim Termin des Mehrgenerationenwohnen am Südring sitzen neben den Bewohnern Helga Glas und Rolf Novy-Huy unter anderem auch die Studentin Emily Kaminski sowie Birte Grundmann mit ihren Kindern Mathis und Ida am Tisch. Die beiden sind Schüler und fragen den Bundespräsidenten, ob er ihnen denn nicht die Entschuldigung für die Schule unterschreibt. Und das macht er auch.
Der Bundespräsident ist nahbar – trotz einer sehr umfassenden Security. Ein Bundespräsident zum Anfassen, der bei den Hattingern richtig gut ankam.
Von Dr. Anja Pielorz