Logo
Witten

Omega-Brücke: Kein Plan B für den Ernstfall

Die Omega-Brücke an der L924 zwischen Herbede und Heven ist in einem sehr schlechten Zustand...

Brücke

Bildquelle: Menger

Trotzdem wird ein Neubau erst ab 2029 geplant. Bei einer Informationsveranstaltung machten sich Sorgen und Unmut breit. Denn eine vorzeitige Sperrung oder ein weiterer Verlust der Tragfähigkeit können nicht ausgeschlossen werden. Einen Plan B gibt es bislang nicht.
Die Stimmung bei der Veranstaltung war entsprechend aufgeheizt. Eigentlich sollte Straßen.NRW über den aktuellen Stand der Planungen informieren. Doch statt konkreter Lösungen gab es vor allem Zeitpläne, rechtliche Vorgaben und viele offene Fragen. Für die Omega-Brücke steht eine grundlegende Erneuerung an. Bis es so weit ist, müssen die Verkehrsteilnehmer allerdings noch mehrere Jahre Geduld haben. Nach aktuellem Planungsstand ist ein Baubeginn erst frühestens ab 2029 vorgesehen. Im Zuge der ca. 5-jährigen Bauarbeiten wird es voraussichtlich zu einer zwölfmonatigen Vollsperrung der Omega-Brücke kommen.

Brückenzustand gibt Anlass zur Sorge
Wie ernst die Lage ist, zeigt die Zustandsbewertung der Brücke. Sie wurde zuletzt mit der Note 3 bis 4 eingestuft, wobei 4 die schlechteste Bewertung darstellt. Die aktuellen Untersuchungen zum Zustand sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Weitere Prüfungen laufen, auch mögliche Stützungsmaßnahmen werden noch untersucht. Die nächste Hauptuntersuchung ist für 2027 vorgesehen.

Neubau braucht mehrere Jahre Vorlauf
Straßen.NRW plant einen Ersatzneubau für drei Brückenbauwerke entlang der L924 zwischen Herbede und Heven. Der erste Teil der neue Brücke soll in Bogenform neben den bestehenden Bauwerken entstehen. Erst wenn der Neubau fertiggestellt ist, soll die alte Brücke abgerissen werden. Der Zeitplan sieht zunächst umfangreiche Vorarbeiten vor:
Noch 2026 sollen die freihändigen Grunderwerbsverfahren abgeschlossen werden. Dafür sind Gespräche mit den betroffenen Eigentümern notwendig, damit die Grundstücke erworben werden können.
2027 sollen die Grundstücksverhandlungen mit Notarverträgen und Entschädigungsregelungen abgeschlossen, die Brückenentwürfe fertiggestellt und die erforderlichen Genehmigungen eingeholt werden. Auch die Vorbereitung der Ausschreibung steht dann bevor.
2028 sollen die Bauleistungen ausgeschrieben und vergeben werden. Wegen der hohen Projektsumme ist eine europaweite Ausschreibung vorgeschrieben. Allein dieser Angebotsprozess könne gut ein halbes Jahr dauern. Der eigentliche Baubeginn ist für 2029 vorgesehen.
Straßen.NRW verweist auf die baurechtlichen Vorschriften, die bei einem solchen Vorhaben eingehalten werden müssen. Das Projekt werde bereits als „Fall unwesentlicher Bedeutung“ behandelt. Dadurch sei ein schnelleres Verfahren möglich als bei einem Planfeststellungsverfahren – auch wenn die Bezeichnung erstmal verwirren mag. An den gesetzlichen Vorgaben ändere das jedoch nichts.

Mehrere Jahre Bauzeit und eine Vollsperrung
Die Arbeiten sollen in zwei Bauabschnitten erfolgen. Zunächst ist die Brücke über die Ruhr und den Mühlengraben an der Reihe (BA1). Sie wird bogenförmig neben der bestehenden Brücke gebaut. Für diesen Abschnitt ist eine Bauzeit von drei Jahren vorgesehen.
Anschließend soll die Omega-Brücke an der bestehenden Stelle erneuert werden (BA2). Für diesen zweiten Bauabschnitt werden zwei Jahre Bauzeit veranschlagt. Innerhalb dieses Zeitraums ist eine zwölfmonatige Vollsperrung der Omega Brücke eingeplant. Wie der Verkehr währenddessen konkret geführt werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Umleitung über den geplanten Gewerbeabzweig und die untere Meesmannstraße wird derzeit geprüft. Entsprechende Konzepte befinden sich noch in der Untersuchung, da hierfür auch einige vorbereitende Umbaumaßnahmen in den betroffenen Straßen notwendig würden.

Bürger kritisieren fehlende Verlässlichkeit
Bei der Veranstaltung wurde auch Kritik an der bisherigen Entwicklung laut. Bürger bemängelten insbesondere, dass sich die Sperrung der Autobahnabfahrt so lange hinziehe, obwohl die Probleme an den Brücken bereits bekannt seien. Durch die gesperrte Autobahnabfahrt werde die Omega-Brücke stärker belastet. Allerdings liegen die Zuständigkeiten bei unterschiedlichen Stellen: Für die Autobahnabfahrt ist die Autobahn GmbH verantwortlich, für die Brücke Straßen.NRW. Diese Aufteilung erschwert aus Sicht der Beteiligten eine abgestimmte Vorgehensweise. Bürgermeister Dirk Leistner fordert deshalb eine transparentere und verlässlichere Zusammenarbeit mit Straßen.NRW. Er drängt auf verbindliche Aussagen, konkrete Lösungen und die Nutzung vorhandener Ermessensspielräume. Zudem wünscht er sich mehr Informationen und Planungssicherheit für die Stadt und die Bürger. Gemeinsam mit Straßen.NRW will er auch den möglichen Ernstfall besprechen. Stadtbaurat Stefan Rommelfanger verwies auf die Unsicherheiten der Verfahren. Diese hätten theoretisch kein festes Zeitlimit. 
Gewerbeabfahrt frühestens ab 2030
Auch die geplante Gewerbeabfahrt war Thema. Sie soll künftig hauptsächlich für eine Entlastung der Meesmannstraße sorgen. Aber auch bei der geplanten Vollsperrung der Omegabrücke könnte sie, bei rechtzeitiger Fertigstellung, als Umleitung genutzt werden. Die Machbarkeitsstudien schreiten voran, zudem laufen Gespräche über die benötigten Grundstücke mit den Eigentümern. Die Stadt ist nicht Eigentümerin aller erforderlichen Flächen. Bevor der Gewerbeabzweig gebaut werden kann, müssen weitere Teilmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu zählt beispielsweise der Ausbau der Von-Elverfeldt-Allee. Nach derzeitiger Einschätzung könnte der Bau ab 2030 beginnen und etwa eineinhalb Jahre dauern. Dafür müssten unter anderem Garagen abgerissen werden. Wo die Baustellenflächen eingerichtet werden können, ist noch nicht geplant.
Auch die Finanzierung ist bislang offen. Die Gesamtkosten des Projekts stehen noch nicht fest. Eine Aufnahme in den städtischen Haushalt ist nach aktuellem Stand erst 2029 vorgesehen. Damit sind auch hier wesentliche Fragen noch ungeklärt.

Viele Planungen, wenig Sicherheit
Die Infoveranstaltung machte deutlich, wie groß die Lücke zwischen dem heutigen Zustand der Omega-Brücke und einer fertigen Lösung ist. Der Zustand ist schlecht, eine vorzeitige Sperrung kann nicht ausgeschlossen werden und ein Plan B fehlt. Gleichzeitig ist der reguläre Neubau erst ab 2029 vorgesehen. Selbst danach stehen mehrere Jahre Bauzeit und eine zwölfmonatige Vollsperrung im Raum. Straßen.NRW verweist auf rechtliche Vorgaben und langwierige Verfahren. Die Stadt fordert dagegen mehr Verbindlichkeit, Transparenz und konkrete Antworten für den Fall, dass sich die Situation vor Baubeginn verschärft. Bislang bleibt vieles in der Planung. Eine abschließende Lösung für die Risiken und die Folgen für den Verkehr liegt noch nicht vor.

Von Jessica Niemerg