Innenstadtnahe Wohnbebauung entsteht. Parkflächen entfallen. Aufenthaltsqualität steigt.
Modellansicht des zukünftigen Platzes
Auf dem Kornmarkt gibt es bald eine sichtbare Veränderung. Der Platz, für den es bereits mehrere Interessenten für Bauprojekte gab, wird umgestaltet. Es entstehen zwei Gebäude mit vorgelagerter Parkanlage. So soll Wohnraum in der Innenstadt geschaffen werden.
Den ersten interessierten Investor gab es vor 15 Jahren – doch es scheiterte immer. Die Konzepte des Gebäudeinneren (neben Wohnen noch Einzelhandel) passten Stadt und Politik nicht. Ein Investor zog sein Vorhaben zudem aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Es gab nach dem dritten Absprung 2023 eine neue Ausschreibung. „In der Zeit haben wir gezielt nur noch Wohnungsbau ausgeschrieben. Viele wollen in der Innenstadt in Witten wohnen“, sagt Anja Reinken, Leiterin des Amtes für Bodenmanagement und Wirtschaftsförderung.
Hohe Nachfrage und Stärkung des Handels
In der Innenstadt gibt es viel Wohnraum in Obergeschossen. Im Gegensatz zum neuen Projekt selten barrierefrei. Die Stadt freut sich daher, dass sie nun mit der Wohnungsgenossenschaft (WG) Witten-Mitte einen lokalen Partner gefunden hat. „Bei unserem letzten Bauvorhaben gegenüber dem Hauptbahnhof war es kein Problem, 44 Wohnungen zu vermieten“, erzählt Frank Nolte, Vorstandsvorsitzender der WG. Die fußläufig erreichbare Innenstadt sei entscheidend. Stadtbaurat Stefan Rommelfanger findet Wohnraum in der Innenstadt zudem zur Stärkung des zurückgegangenen Handels wichtig.
Am Kornmarkt werden voraussichtlich zwischen 25 und 30 Wohneinheiten entstehen. Was entfällt, sind einige öffentliche Parkplätze. „Wir haben quantitativ aber kein Stellplatzproblem, da wir einige öffentlich zugängliche Tiefgaragen haben“, merkt Rommelfanger an. Für die neuen Mieter am Kornmarkt gibt es ebenfalls eine. Mieter, die sich für eine Wohnung mitten in der Innenstadt entscheiden, haben nach Erfahrung der WG häufig kein Auto. Bürgermeister Dirk Leistner bezeichnet den Standort Kornmarkt hinsichtlich der Nahversorgung als „Filetstück“ und freut sich über bezahlbaren Wohnraum.
Es könne für umliegende Eigentümer einen Anstoß zur Modernisierung ihrer Gebäude geben. Ein Teil der angrenzenden Johannisstraße wird durch die Stadt aufgewertet. So soll Quartiersentwicklung geschehen. „Das würde ohne ein Wohnbauprojekt an diesem Standort nicht funktionieren“, schätzt Nolte. Laut Leistner ist dies dafür die beste Lösung. Im Erdgeschoss ist die Nutzung noch nicht ganz klar. Eventuell werden Dienstleister dort einziehen. Dort werden sich keine Wohnungen befinden. Von den zwei geplanten Gebäuden wird sich eines dort befinden, wo aktuell der alte Baukörper steht.
Neben Begrünung samt Bäumen soll auf dem Kornmarkt am Ende außerdem der Sackträgerbrunnen wieder dort stehen, wo er sich ursprünglich einmal befand. Bis Sommer 2027 sollen die Planungen abgeschlossen und der Bauantrag eingereicht worden sein, damit die Bauarbeiten nach Genehmigung ab 2028 beginnen können. Ende 2029/Anfang 2030 ist die Fertigstellung anvisiert.
Von Hendrik Steimann