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Hattingen

Nach 36 Jahren Industriemuseum: Laube sagt tschüss!

Der langjährige Leiter des LWL-Standortes in Hattingen hat viel bewegt, gestaltet und erlebt.

Portraitbild vor Kulisse

Robert Laube vor dem Hochofen auf dem Museumsgelände.

Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte ist ohne Robert Laube kaum vorstellbar. Doch das ist nun Tatsache, da der langjährige Leiter sich seit Oktober im Ruhestand befindet. Damit endet eine Ära, die er kurz nach Beginn des Standortes in Hattingen entscheidend mitgeprägt und immer weiter entwickelt hat. 36 Jahre lang war Laube Teil des Teams, die vergangenen 28 Jahre als Leiter.
Eigentlich wollte der gebürtige Dortmunder – der nun schon lange mit seiner Familie in Hattingen lebt – Lehrer werden. Er studierte Geschichte, Biologie und Erziehungswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Er erinnert sich an Worte seines damaligen Dozenten Bernd Zymek in einer Vorlesung zur historischen Erziehungswissenschaft: „Um Geschichte zu vermitteln, müssen Sie selbst Geschichte erleben. Fahren Sie mal nach Hattingen, da passiert gerade Geschichte.“ Gemeint war der Hüttenkampf im Jahr 1987 zum Erhalt der bedeutsamen Henrichshütte in der Ruhrstadt.
Laube wollte sich das Hüttengelände anschauen, Hattingen kannte er bis dato überhaupt nicht. Er weiß noch genau: „Ich stieg aus einem Bus aus und als meine Schuhe im Staub standen, habe ich mich auf der Stelle in das Objekt verliebt. Ich dachte mir: Das ist etwas, was meinem Leben eine Aufgabe gibt.“ Als er 1989 seine Examensarbeit abgeschlossen hatte, war eine Bewerbung für ein Referendariat zu spät. Er kontaktierte das Industriemuseum, absolvierte ein Praktikum. 1990 folgte ein Volontariat zum Museologen. 1993 wurde er wissenschaftlicher Referent beim Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) am Standort in Hattingen, wo er Aufbau-Arbeit leistete –auch mit Gegenwind seitens ehemaliger Hüttenarbeiter. Es gab natürlich auf der anderen Seite viel Zuspruch, im Rahmen des Stadtjubiläums 1996 war das „Museum im Aufbau“ an Projekten beteiligt.

Langsam eine Struktur erarbeitet
1998 wurde Laube schließlich Museumsleiter, die offizielle Eröffnung des Industriemuseums erfolgte im Jahr 2000. Neben einem Eintrittshäuschen gab es natürlich die stillgelegten Gebäude aus dem Gelände an der Werksstraße (die Schmiede wurde erst 2003 stillgelegt). Magnet war damals schon der Hochofen – noch ohne Aufzug. Zum Start waren es 14 Mitarbeitende, mittlerweile sind es rund 40 und das Museum ist Ausbildungsbetrieb. „Aus dem, was erarbeitet wurde, ergab sich eine Struktur“, so Laube. Von Anfang an war die Ökologie das Thema, als Schwerpunkte daneben der Mensch und die Technik. Und natürlich ein Erinnerungsarchiv. „Das war richtungsweisend und hat super funktioniert“, so Laube.
Bis 2004 wurde die Gebläsehalle umgebaut. Laube dachte: „Dieser Ort braucht Relevanz bei den Menschen. Ich wollte Geselligkeit und Gesellschaftlichkeit holen, damit es zu einem Fokus wird.“ Das klappte, unzählige Veranstaltungen fanden statt. Aktuell bekannteste Beispiele sind die Ausstellung „Schöne Sterne“, „Volksbank klassisch“, das Hüttenkino sowie der Hüttenlauf (immer bewusst am Tag des offenen Denkmals). „Manchmal waren wir eher ein Veranstaltungsort statt ein Museum, aber damit konnte ich leben“, betont Laube. Was nach vielen Jahren wegfiel, war aus Budgetgründen das Oktoberfest. Auch nicht alle Ausstellungen liefen gleich gut, etwa eine von einem deutsch-rumänischen Kulturverein mit obszönen Darstellungen. Laube: „Da kam sogar der Gedanke auf: Darf ein Museum zensieren? Da habe ich gelernt, Projekte im Vorfeld noch genauer anzuschauen.“
Vieles wird über den Förderverein getragen, der 1996 gegründet wurde. „Der Jahresetat liegt bei 100.000 Euro, wovon schon Abgaben an die ehrenamtlich gestemmte Schaugießerei abfließen. In meiner Zeit ist es nicht gelungen, genügend Gelder zu generieren, um die Altbauten im Außenbereich fit zu kriegen. An der Reihe gewesen wäre längst das Bessemer Stahlwerk. Ich kann daneben keine 100 eigenen Veranstaltungen machen“, verrät der ehemalige Museumschef.
Es herrschen zudem mittlerweile neue zentrale Stichworte: Strukturwandel, Globalisierung, Innovation, Nachhaltigkeit. „Daran müssen sich Dauerausstellungen messen lassen. Wir erzählen nicht mehr nur, was früher war. Wir versuchen auch, eine Antwort zu geben, warum mich das interessieren würde“, sagt Laube. Er hat auch Formate abgelehnt, darunter eine Tattoo-Messe und eine Erotik-Messe: „Wir haben gesagt: Ort ist verbunden mit dem Leben der gesamten Stadt. Es sollte schon einen Großteil der Leute ansprechen und einholen.“
Seine schönste Zeit? „1990 bis 2026. Ich wäre nie geblieben, wenn es keine Karotte in meinem Leben gegeben hätte in die ich hineinbeißen wollte. Es gab immer ein Projekt, was richtig sexy war.“ Demnächst wird er Besucher im Museum sein – aber die anderen machen lassen. Er kann bei der Extraschicht demnächst mal einen anderen Standort kennenlernen. Ganz zurücklehnen wird er sich nicht. Dafür verspürt er noch zu viel Energie. Er möchte weiter in der Branche tätig sein: „Es wird sich zeigen, ob es einen Markt dafür gibt.“

Von Hendrik Steimann