Logo
Sport

Mit 14 Jahren schon den Adler auf der Brust

Die junge, talentierte Fußballerin Leni Schaefers von der TSG Sprockhövel vertritt Deutschland.

Leni Schaefers

Leni Schaefers

Wenn sich die U15 der TSG Sprockhövel in der Bezirksliga mit ihren Gegnern misst, fällt eine Spielerin inmitten von Jungs auf, die zu den Leistungsträgern gehört: Leni Schaefers. Die 14-Jährige hat nicht nur in der „wattgeht Arena“ auf sich aufmerksam gemacht, sondern längst auf höchster Ebene. Sie ist U15-Nationalspielerin von Deutschland.
Leni hat mit neun Jahren begonnen, Fußball zu spielen. Sie stammt aus Bochum und kickte ab 2021 zunächst für Blau-Weiß Weitmar, ehe es zur Saison 2024/25 weiter zur TSG ging. Dort spielt sie zumeist im Zentrum vor der Abwehr, als Sechserin. Sie ist zweikampfstark und hat ein gutes Spielverständnis, weshalb sie bei der TSG eine zentrale Rolle einnimmt. Dort benötigt sie übrigens eine Sondergenehmigung, weil Mädchen und Jungs ab der C-Jugend in getrennten Teams spielen.

Direkt in der Westfalenauswahl
Dadurch, dass Leni in Sprockhövel auf überkreislicher Ebene spielen kann, werden Scouts schneller auf sie aufmerksam. Das geschieht aber auch dadurch, dass die Schülerin des Bochumer Schiller-Gymnasiums in der Westfalenauswahl kickt. Und das schon seit Beginn ihrer Fußballkarriere. Mit zehn Jahren übersprang sie die Kreisauswahl Bochum, die als erste Fördermöglichkeit neben dem Vereinsfußball gegeben wird. Leni wurde bei der ersten Sichtungseinheit direkt weiter auf Verbandsebene vermittelt und spielte in der U12-Westfalenauswahl. Verbandstrainerin Wera Grumpe ist ihre Bezugsperson, ihr hat sie viele Einsätze zu verdanken.
Als im Sommer 2025 der Länderpokal der Verbandsauswahlen des Deutschen-Fußballbundes (DFB) anstand, waren Scouts vor Ort und sichteten für die Nationalmannschaft. „Nach dem Turnier konnte jede Spielerin, die wollte, direkt ein Feedback bekommen. Mir wurde gesagt, dass ich es zum Sichtungslehrgang für die Nationalmannschaft geschafft habe“, freut sich Leni, die bei der Sichtung überzeugte und folglich im Kader stand. Vier Spiele hat sie seitdem für Deutschland gemacht. Ihr Debüt gab sie am 17. Oktober 2025 auswärts gegen Belgien, bei dem sie in der Startelf stand.

Am Geburtstag Kapitänin gegen England
Es folgten drei weitere Spiele während einer England-Reise: Gegen die Türkei, Island und Gastgeber England. „Gegen Island habe ich mein bestes Spiel gemacht, finde ich. Mit guten Bällen in die Tiefe“, erinnert sich Leni, die dann gegen England sogar an ihrem Geburtstag (26. November) spielte und in der zweiten Halbzeit die Kapitänsbinde trug. Ärgerlich: Anfang 2026 brach sich das Talent die Hand und verpasste so eine Portugal-Reise mit dem Nationalteam. Anfang Mai verletzte sie sich an der Schulter und konnte zuletzt auch nicht gegen die USA und Niederlande auflaufen.
Im Sommer rückt sie altersmäßig in die U16 auf. Dort gibt es ein neues Trainerteam beim DFB. Im Sommer steht ein Sichtungslehrgang an, bei dem sich entscheidet, ob Leni auch kommende Saison für Deutschland spielen wird. Sie hofft natürlich. Schließlich betreibt sie viel Aufwand. Zweimal in der Woche trainiert sie bei der TSG, einmal über die Westfalenauswahl am Stützpunk in Bochum. Am Wochenende stehen Spiele an – entweder mit Sprockhövel oder einmal monatlich mit der Westfalenauswahl. Zudem geht Leni privat joggen, absolviert Kraft- und Stabi-Einheiten und arbeitet selbst mit dem Ball.
Ihr Vorbild ist Nationalspielerin Lena Oberdorf, die früher ebenfalls bei der TSG spielte. Wie sie möchte Leni es später in die Frauen-Nationalmannschaft schaffen und Profifußballerin werden. In der kommenden Saison wird die Schülerin für die U15 der TSG in der Landesliga spielen. Dazu mit Gastspielrecht für eine U17-Mannschaft eines Profiklubs. Bei welchem entscheidet sich zeitnah. Wichtig ist, dass neben dem zeitintensiven Hobby die schulischen Leistungen stimmen. Darauf legen neben ihren Eltern auch die Vereine und der DFB wert, dem sogar Zeugnisse vorgelegt werden müssen. Leni kann für Lehrgänge und Einsätze für Deutschland freigestellt werden. „Das ist kein Problem, weil sie in der Schule wirklich gut mitkommt. Das ist das wichtigste, sonst würde es mit dem Fußball nicht funktionieren“, sagt Vater Sven, der stolz ist und sich freuen würde, seine Tochter auch künftig mit dem Adler auf der Brust spielen zu sehen.
Von Hendrik Steimann

Zurück