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Auto & Mobilität

Millionenprojekt: Umbau Autobahnkreuz Wuppertal-Nord

Viele Sprockhöveler Bürger und Politiker reagieren skeptisch auf die Ankündigungen.

Luftbild

In unmittelbarer Nähe von Sprockhövel und verkehrstechnisch für die Stadt und ihre Bewohner ziemlich wichtig ist das in den sechziger Jahren gebaute Autobahnkreuz Wuppertal-Nord. Im Kreuz werden täglich 175.589 Fahrzeuge gezählt, davon 20.870 Lkw (durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge (DTV) 2025). Das Autobahnkreuz verbindet die drei Autobahnen A1, A43 und A46 sowie die B326. 
Ein Kuriosum: Die A46 endet kurz hinter der Ausfahrt auf die A43 und A1 Richtung Sprockhövel und Schwelm an einer Ampel. Es ist die deutschlandweit einzige Ampelanlage in einem Autobahnkreuz. Bereits 2007 existierten in der Verantwortung des Landesbetriebes Straßen.NRW erste Pläne zum Umbau des Kreuzes und Abschaffung der Signalanlage. Ein erster Vorentwurf wurde im Dezember 2017 genehmigt. Danach passierte lange Zeit nichts. 
2018 gründete der Bund die Autobahn GmbH. Sie verantwortet seit dem 1. Januar 2021 Planung, Bau, Betrieb, Verkehrsmanagement, Erhaltung, Finanzierung und vermögensmäßige Verwaltung der Autobahnen und Fernstraßen in Deutschland. Mit 13.200 Kilometern Autobahn ist die Gesellschaft einer der größten Infrastrukturbetreiber. In ihrem Verantwortungsbereich liegt auch der Umbau vom Autobahnkreuz Wuppertal-Nord.

Bundesverkehrswegeplan sieht vordringlichen Bedarf
Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Um- und Ausbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord als Vorhaben mit vordringlichem Bedarf und Engpassbeseitigung (VB-E) ausgewiesen. In der Prognose für das Jahr 2040 werden täglich 181.090 Fahrzeuge, davon 25.795 Lkw, erwartet. Daher sei das Autobahnkreuz in seiner bisherigen Form nicht mehr leistungsfähig. Außerdem soll die Signalführung durch eine Verkehrsführung ohne Signalanlage ersetzt werden. Die Anzahl der Fahrstreifen der A1, A43 und A46 bleibt mit dem Umbau auf 3,3 Kilometern Länge erhalten.
Die Autobahn GmbH Außenstelle Hagen informierte über das Projekt sowohl die Sprockhöveler Politiker als auch die Bürger. Deutlich wurde die Sorge vor jahrelangen Belastungen durch Baustellenverkehr, Umleitungen und zusätzliche Staus. Hier ist vor allem der Ortsteil Haßlinghausen betroffen. Auch stellte sich die Frage, ob der finanzielle Aufwand im Verhältnis zum Nutzen stehe. Die Grünen, der NABU und der BUND sind gegen die Maßnahme und sehen in Zeiten von Klimawandel in dem Projekt eine nicht mehr zeitgemäße Verkehrspolitik. Im Februar 2023 starteten sie eine Petition mit dem Ziel, das Projekt zu stoppen.
Beim Blick in die Planungsgeschichte wird deutlich, wie sich die Einschätzungen zur Bauzeit und vor allem zu den Kosten verändert haben. Die Westdeutsche Zeitung berichtete im Februar 2010 über Vorplanungen seit 2002, ad acta gelegten 18 geprüften Alternativen (heute spricht man von 48 geprüften Alternativen), einem Kostenvoranschlag von zunächst 16 auf 21,6 Millionen Euro und einem Baubeginn im Jahr 2012/2013. Die Bauzeit sollte 2,5 Jahre betragen. Die Rheinische Post berichtete im Januar 2017 über Kosten von 40 Millionen Euro, die Bergische Industrie- und Handelskammer berichtet 2019 über Kosten von 74,619 Millionen Euro. Die Westdeutsche Zeitung berichtete im Juli 2019 ebenfalls über Kosten von 75 Millionen Euro und einer mindestens achtjährigen Bauzeit. Schon damals erklärte der Pressesprecher von Straßen.NRW, man rechne aufgrund der langen Bauzeit mit deutlich höheren Kosten. Der Baubeginn sollte 2025/26 erfolgen. Die Autobahn GmbH plante in ihrem „Finanzierungs- und Realisierungsprogramm 2021 bis 2025 für die Bundesautobahnen und Bundesstraßen in Bundesverwaltung“ (Stand: 23. November 2020) den Ausbaubeginn bis 2025, mit einem Gesamtmittelbedarf von 110 Millionen Euro.
2023 berichtet RTL von 144 Projekten aus dem Bundesverkehrswegeplan, die eine besondere Priorität bekommen und schneller realisiert werden sollen. Dazu gehört auch das Autobahnkreuz Wuppertal-Nord.

Kommunalpolitik in Ausschussitzung zeigt sich skeptisch
In einer gemeinsamen Sitzung der Sprockhöveler Ausschüsse für Stadtentwicklung und Denkmalschutz sowie für Umwelt, Klimaschutz, Verkehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung vor der Sommerpause nahmen Vertreter der Autobahn GmbH nochmals Stellung zu den Planungen. Sie machten deutlich, dass sie nur Ausführende für Beschlüsse des Bundesverkehrsministeriums sind. Die detaillierte Vorstellung der Planungen zeigt, wie umfangreich das Mammutprojekt ist. So gehören zum Projekt diese Brücken:
Brücke, die den Eichenhofer Weg über die A46 führt: hier wird für die Zeit des Ersatzneubaus eine Behelfsbrücke eingerichtet;
Brücke, die die A46 über die A43 führt: Ersatzneubau;
Brücke, die die A46 über den Eichenhofer Weg führt: Ersatzneubau;
Brücke, die die A46 über die A1 führt: wird angepasst;
Brücke, die die A1 über die L551/Schwelmer Straße führt: Diese Brücke wird vorab erneuert. Für den Ausbau des Autobahnkreuzes in Fahrtrichtung Köln wird sie um ein zusätzliches Teilbauwerk erweitert. In Fahrtrichtung Bremen wird die Brücke verbreitert;
Brücke, die die A1 über die L666/Gevelsberger Straße führt: Diese Brücke wird vorab erneuert und für den Ausbau des Autobahnkreuzes in Fahrtrichtung Köln verbreitert.
Neu gebaut wird eine Brücke im Zuge einer neuen Rampe, die den Verkehr von der A1, Fahrtrichtung Bremen, direkt auf die A46 in Richtung Düsseldorf führt. Außerhalb des Aus- und Umbauprojektes wird eine Brücke, die den Verkehr von der A1, Fahrtrichtung Bremen, auf die A43 in Richtung Münster führt, vorab erneuert. Für die Zeit des Ersatzneubaus wird eine Behelfsbrücke eingerichtet. 
Neben den Brücken werden in einzelnen Ausbau-Modulen beim „Bauen unter Verkehr“ über dreißig Auf- und Abfahrten verändert. Viele von ihnen werden länger oder bekommen eine zweite Fahrspur. Neben den Anpassungen in der Verkehrsführung wird auch die Straßenentwässerung nach den geltenden Standards umgebaut. Dazu ist der Neubau von zwei sogenannten Regenwasserbehandlungsanlagen (RWBA) geplant, in denen das Oberflächenwasser gesammelt und gereinigt wird. Der Lärmschutz wird angepasst. 
Die Vertreter der Autobahn GmbH wollten sich trotz mehrfacher Nachfragen nicht auf eine Kostenschätzung einlassen. Sie halten dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unseriös. Der Baubeginn ist frühestens für die Jahre 2034/35 angedacht. Man geht aber davon aus, in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren einreichen zu können. Dabei handelt es sich um ein gesetzlich vorgeschriebenes Verwaltungsverfahren für große Infrastrukturprojekte. Nach dem Einreichen wird die Öffentlichkeit beteiligt und Betroffene können innerhalb einer Frist Einwendungen gegen das Projekt erheben. Diese müssen abgearbeitet werden, bevor es zu einem Planfeststellungsbeschluss kommt. Dieser ist quasi die Baugenehmigung. Danach kann die bei dieser Größenordnung gesetzlich vorgeschriebene europaweite Ausschreibung erfolgen. Die Kosten dürften bis zu einem Baggerstart um ein Vielfaches gestiegen sein.

Von Dr. Anja Pielorz/Foto: Autobahn GmbH