Stadt zieht sich zum neuen Schuljahr raus – Gymnasium Waldstraße und Gesamtschule Welper haben aber einen neuen Caterer gefunden. In Sprockhövel sind Nutzerzahlen zufriedenstellend.
Tabea Goering, Schulleiterin des Gymnasiums Waldstraße, kümmerte sich um einen neuen Caterer.
Es war ein großes Thema in den Wochen vor den Sommerferien: Die Stadt Hattingen hat sich aufgrund zu geringer Nachfrage für das kommende Schuljahr aus der Finanzierung des Mensa-Essens an den weiterführenden Schulen komplett herausgezogen, um rund 40.000 Euro einzusparen. Die Schulen standen nun selbst in der Pflicht, einen neuen Caterer zu finden, da der Vertrag mit dem bisherigen (Rebional aus Herdecke) auslief. Es blieb nicht viel Zeit – doch noch vor den Sommerferien wurde über die Initiative von Tabea Goering, Schulleiterin des Gymnasiums Waldstraße, eine Lösung ab September gefunden, von der auch die Gesamtschule – die in engem Austausch stand – profitiert.
„Für einen neuen Caterer sind wir weder Auftraggeber noch suchen wir einen Caterer, aber wir sind mit den Schulen im Austausch da wir Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und aufgrund unserer Erfahrungen Hinweise geben können“, hieß es zuletzt seitens der Stadtverwaltung. „Die Schulen wurden stattdessen gebeten, eigene Lösungen zu entwickeln“, erzählt Tabea Goering, die seit März neue Schulleiterin an der Waldstraße ist. Sie nutzte Kontakte, die sie aus ihrer Zeit an einer Schule in Dortmund geknüpft hatte. „Ich freue mich deshalb sehr, dass wir gemeinsam mit der Gesamtschule Welper kurzfristig eine neue Lösung gefunden haben. Für den Mensabetrieb konnten wir den Koch Herrn Matschalow gewinnen“, so Goering.
Alte Kontakte helfen für neuen Caterer
Seit über 30 Jahren leitet er die Schulmensa am Westfalenkolleg in Dortmund und beliefert von dort aus weitere Dortmunder Schulen. „Von seinem leckeren Essen war ich immer sehr begeistert“, sagt Goering. Ab dem neuen Schuljahr wird täglich frisch in der Gesamtschule Welper gekocht und das Essen anschließend warm zum Gymnasium in der Hattinger Innenstadt geliefert. Angeboten werden zwei Gerichte: eines mit Fleisch und eines vegetarisch. „Auf Schweinefleisch wird verzichtet. Sämtliche Fleischprodukte stammen aus halal-zertifizierten Fachgeschäften“, klärt die Lehrerin auf.
Das neue Konzept sei zudem flexibler als das Angebot des vorherigen Caterers: „Das Mittagessen muss nicht mehr eine Woche im Voraus bestellt werden, sondern kann täglich spontan von allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften genutzt werden.“ Ergänzt wird das gastronomische Mensa-Angebot durch belegte Brötchen und weitere Snacks am Vormittag. „Ich bin sehr froh, dass wir trotz der kurzfristigen Veränderungen eine nahtlose Lösung gefunden haben. Es ist uns wichtig, täglich ein warmes Essen anzubieten“, betont Goering, die hofft, dass sich die Mensa trotz der nun ausbleibenden Zuschüsse der Stadtverwaltung dauerhaft halten kann.
Nutzerzahlen waren um die Hälfte gesunken
Extra neu gebaut wurden die Mensen an der Waldstraße und an der Marxstraße in den Jahren 2010 und 2011 und über den Caterer Akafö beliefert. Seit 2017 gab es innerhalb weniger Jahre mehrere Caterer: Schul-Koch, Daily Gourmet, Dussmann und zuletzt eben Rebional. Pro Tag wurden bis zu den Sommerferien im Durchschnitt nur noch 24 Essen ausgegeben – teilweise waren es sogar weniger als zehn. 2025 war die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die warmes Essen bestellten, noch doppelt so hoch.
In Sprockhövel wird Essen gut angenommen
In der Nachbarstadt Sprockhövel wird ebenfalls an zwei weiterführenden Schulen Mittagessen ausgegeben. Überlegungen, das Angebot einzustellen, gibt es weder im Falle der Mathilde-Anneke-Schule (MAS) in Niedersprockhövel noch im Falle der über den Kreis getragenen Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Haßlinghausen. Vor allem an der Gesamtschule wird das Essen gut angenommen. Nach Erfahrungen des Kreises ist die Inanspruchnahme in jüngerer Vergangenheit sogar eher gestiegen. Zur stabilen Situation trage zudem die Organisationsform bei. „Der Kreis schreibt die Mensaverpflegung für die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule gemeinsam mit den beiden Förderschulen in Kreisträgerschaft, der Kämpenschule sowie der Schule Hiddinghausen, aus. Dieser Verbund erhöht die wirtschaftliche Attraktivität für Anbieter erheblich“, sagt Kreissprecher Ingo Niemann.
Die Kosten an der MAS werden von der Stadt teilfinanziert. „Für jedes ausgegebene Mittagessen ist von den Eltern ein Kostenbeitrag in Höhe von vier Euro zu entrichten. Für Kinder, die Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) erhalten, wird dieser Kostenbeitrag vom Jobcenter beziehungsweise vom Sozialamt übernommen“, erklärt Stadtsprecherin Mandana Rasooli Zadehei. Da der Kostenbeitrag die tatsächlichen Aufwendungen für die Bereitstellung des Mittagessens nicht vollständig deckt, übernimmt die Stadt Sprockhövel den verbleibenden Finanzierungsanteil. „Dieser umfasst insbesondere die Personalkosten für das Küchenpersonal sowie die Kosten für die erforderliche Infrastruktur, beispielsweise für das Ausgabeterminal und die Anlieferung der Speisen“, sagt Rasooli Zadehei.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 4457 Essen ausgegeben. In diesem Jahr wurden bis zu den Sommerferien mehr als 2600 Essen ausgegeben. Die jährlichen Kosten beliefen sich 2025 auf rund 47.000 Euro. Die Inanspruchnahme des Mittagessens variiert: In einigen Monaten werden 390, in anderen Monaten 505 Essen ausgegeben. Daher könne nicht pauschal festgestellt werden, dass das Mittagessen insgesamt weniger nachgefragt wird.
Von Hendrik Steimann