Zum Speiseröhrenkrebs gab es ein OP-Video, zum Thema Ernährung Lebensmittel zum Gucken...
Die Vorträge der „Krebsgeschichten“ von der „Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen bieten Einblicke rund um das Thema Krebs.
Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein vierzig Zentimeter langer Muskelschlauch, der Mund- und Rachenraum mit dem Magen verbindet. Die Innenwand des Schlauches ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, deren oberste Schicht aus flachen Epithelzellen besteht. Bei Speiseröhrenkrebs verändern sich diese Zellen und genau das war das Thema von Prof. Dr. Andreas Tromm und Oberarzt Sebastian Kukies, Augusta-Kliniken. Fachleute unterscheiden zwei Arten der Tumore. Das Plattenepithelkarzinom entsteht aus den flachen Epithelzellen, die in der ganzen Schleimhaut vorkommen. Das Adenokarzinom bildet sich aus Drüsenzellen der Schleimhaut, die sich am Übergang zum Magen befinden. Speiseröhrenkrebs verursacht bei vielen Betroffenen erst Beschwerden, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist. Daher werden die meisten Tumore sehr spät diagnostiziert.
Die Diagnostik ist umfangreich: zur Verfügung stehen CT, ein endoskopischer Ultraschall, eine Bauchspiegelung sowie eine Bronchoskopie. Dabei geht es vor allem um die Frage, wo genau der Tumor sitzt und ob es bereits Metastasen beispielsweise im Bauchraum gibt. In den meisten Fällen findet zunächst eine Vorbehandlung mittels Chemo- und/oder Strahlentherapie statt, um den Tumor zu verkleinern, bevor es zu der notwendigen Operation kommt.
Speiseröhrenkrebs: Wenn die Speiseröhre entfernt wird
Dabei muss die Speiseröhre entfernt werden. Während dies früher mit dem „Zwei-Höhlen-Eingriff“ stattfand – es wurden Schnitte in die Bauchhöhle und die Brusthöhle gesetzt, weil die Speiseröhre verdeckt im Körper liegt –, wird heute minimal invasiv mit mehreren kleineren Schnitten operiert. In manchen Kliniken – so auch im Augusta Bochum, einem zertifizierten Zentrum für Speiseröhrenkrebs – kommt ein Operationsroboter zum Einsatz. Dabei sitzt der Operateur an einer Konsole, seine Hände stecken in Schlaufen, und er bewegt auf diese Weise mehrere präzise Roboterarme mit Instrumenten. Am OP-Tisch selbst wacht ein weiterer Mediziner über das Wohl des Patienten. Diese Operationsmethode dauert länger als der frühere klassische „Zwei-Höhlen-Eingriff“, ist aber deutlich schonender für den Patienten. Um an die Speiseröhre zu kommen, musste man früher den linken Lungenflügel in sich zusammenfallen lassen, sodass der Patient nur mit dem rechten Flügel atmete. Bei der neuen Methode bleiben beide Lungenflügel beatmet. Der Klinikaufenthalt ist deutlich kürzer mit im Durchschnitt 19 Tagen. Während der OP wird vom Magen ein Stück abgeklammert, zum Schlauch geformt, durch das Zwerchfell nach oben gezogen und zur neuen Speiseröhre geformt. Nach der OP wird überprüft, ob der neue Schlauch vollständig dicht ist, damit Flüssigkeit und Nahrung nicht in den Brustkorb gelangen kann. Der Patient muss danach dauerhaft seine Mahlzeiten auf kleine Einheiten umstellen, kann aber nach einer gewissen Zeit wieder jede Form der Nahrung aufnehmen. Auf der jährlichen großen Gesundheitsmesse im Bochumer RuhrCongress, in diesem Jahr am 13. September, 11 bis 17 Uhr, können Interessierte einen solchen Operationsroboter ansehen.
Unsere Ernährung hat Einfluss auf unsere Gesundheit
Wie wichtig das Thema „Gesunde Ernährung“ ist und welche Auswirkungen Speisen auf Krebs haben können, macht Diplom-Oecotrophologin Ingeborg Twarkowski in ihrem Vortrag – sie hat auch einige Lebensmittel mitgebracht – deutlich. Die Fachfrau, die unter anderem vier Jahre in der Naturheilklinik in Blankenstein arbeitete, bevor sie heute Ernährungsberatung und Therapie in ihrer Praxis in Bochum anbietet, weiß: „Bestimmte Ernährungsformen begünstigen Krankheiten, auch Krebs. Deshalb sollten wir verstehen, dass Nahrung als Heilmittel betrachtet werden muss und nicht einfach nur etwas zum Sattessen ist. Sie ist die Basis für unsere Gesundheit und bei etwa 40 Prozent der Krebserkrankungen spielt der Lebensstil und damit auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Die chinesische Lehre kennt das Sprichwort ‚Mit Kochen kommt Geist in die Nahrung‘ und das bedeutet für uns: Gehen Sie bewusst einkaufen. Achten Sie auf die Zutatenliste in den Lebensmitteln, die Sie einkaufen und kochen Sie gerne selbst. Wir unternehmen große Anstrengungen für unsere sichtbare Haut, aber der für uns unsichtbare Darm wird oft vernachlässigt. Dabei ist er so wichtig für unser Immunsystem.“
Achten Sie auf die Zutatenliste beim Produkt
Der Blick auf das Kleingedruckte beim Einkauf sei ein Muss - genauso wie eine saisonale und regionale Küche. Dann gibt sie praktische Tipps. „Vermeiden Sie Produkte mit Carrageen (E407). Das ist ein pflanzliches Gelier- und Verdickungsmittel. Es wird häufig in Lebensmitteln wie Pudding, Sahne, Eis, Frischkäse, und Feinkostsalaten als Stabilisator eingesetzt. Es steht im Verdacht, Darmentzündungen zu fördern. Achten Sie auf versteckten Zucker. In der Zutatenliste werden die Zuckerarten mit ihrem chemischen Namen angegeben, also z. B. Fruktose oder Glukosesirup. Auch Honig oder Agavendicksaft bestehen zu einem großen Teil aus Zucker. Kohlenhydrate wie Zucker sind wichtige Energielieferanten und lebensnotwendig. Es kommt aber darauf an, was wir an Kohlenhydraten essen. Einfache Kohlenhydrate gibt es in Säften, Fertigprodukten wie Müsli und Cornflakes, süße Brotaufstriche, helles Brot, Süßigkeiten und vielen Knabbereien. Lebensmittel dieser Art lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und wieder abfallen. Bessere Energielieferanten sind komplexe Kohlenhydrate, also Polysaccharide, wie sie zum Beispiel in Vollkornprodukten, Brot, Kartoffeln oder Nudeln enthalten sind. Es ist die Mischung, die es ausmacht. Essen Sie lieber mal ein Stück Obst, anstatt dass Sie es als Saft zu sich nehmen. Aber auch hier ist Maß halten angesagt, denn Obst enthält Fruchtzucker und zuviel davon begünstigt eine Fettleber. Wussten Sie übrigens, dass es Äpfel gibt, die so gezüchtet wurden, dass sie beim Aufschneiden nicht braun werden? Dafür lösen sie bei Menschen allerdings häufiger Allergien aus. Essen Sie über den Tag verteilt mehr Gemüse. Beim Brot schauen Sie ebenfalls auf die Zutatenliste. Emulgatoren im Brot verbessern die Haltbarkeit, stehen aber im Verdacht, die Darmflora nachhaltig zu verändern und Entzündungen zu fördern. Häufige Emulgatoren sind Lecithin (E322, oft Soja) oder Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471). Flohsamenschalen, Akazienfasern, Chia-Samen, Erdmandelflocken - das alles kann man für die Darmgesundheit gut in Müsli oder Joghurt einrühren. Allerdings nicht mehr als 15 Gramm. Viel trinken ist dabei wichtig. Leinsamen ist auch gut. Oliven-, Raps- oder Leinöl ist deutlich besser als Sonnenblumenöl. Das enthält zuviel Omega 6-Fettsäuren. Omega 3 (auch im Fisch) ist besser. Und für alle Nahrungsergänzungsmittel gilt: Messen, machen, messen! Erst den Ausgangsstatus ermitteln, dann den Mangel beheben und dann wieder nachmessen. Denken Sie daran: „Der Mensch ist, was er isst!“
Von Dr. Anja Pielorz