Nach der Visualisierung des Bauplans wird ein wissenschaftliches Gutachten gefordert.
So soll der Kornmarkt nach Vorstellung der Bürgerinitiative aussehen.
Bildquelle: Bürgerinitiative
Es sind gleich drei Gutachten, die seitens der Bürgerinitiative (BI) „Grüner Kornmarkt“ gefordert werden. Sie reagiert auf den Plan mit zwei Gebäuden und einer kleinen Parkanlage, die die Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte (WG) auf dem Kornmarkt umsetzen will.
Die BI hat die Forderung einer 3D-Mikroklimaanalyse (Hitzesimulation), eines funktionalen Vegetationsgutachtens und einer bodenhydrologischen Untersuchung gestellt. Die BI hat einen rechtlich basierten Bürgerantrag direkt an den Rat der Stadt gerichtet. Das Ziel: Die Verwaltung per Ratsbeschluss dazu zu verpflichten, vor einer finalen Genehmigung des geplanten Großbauprojekts auf dem Kornmarkt unabhängige, wissenschaftliche Klimagutachten einzufordern.
Bereits im September 2021 hatte der Rat ein Bürgerbegehren abgelehnt, für das im zweiten Versucht mehr als die geforderten 4687 Unterschriften zusammenkamen. Der Kornmarkt sollte nach Ansicht der Beteiligten als begrünte Kultur- und Begegnungsstätte auf einer entsiegelten Fläche gestaltet und nicht bebaut werden (siehe Visualisierung). Gegen den Ablehnungsbescheid wurden keine weiteren rechtlichen Schritte eingeleitet – das Vorgehen mit anwaltlicher Unterstützung kostete bereits 4000 Euro.
Dem Rat wurde Missachtung des Bürgerwillens vorgeworfen. Die BI schlug damals eine Zusammenarbeit etwa in Form eines Arbeitskreises vor, was seitens der Stadtverwaltung abgelehnt worden ist. 2023 segnete der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klima dann die aktuellen Pläne zur Platzgestaltung mit Bebauung mit großer Mehrheit ab. Die BI befürchtet eine weiter steigende Erwärmung der Innenstadt. „Bereits das städtische Klimagutachten aus dem Jahr 2007 warnte eindringlich vor einer weiteren baulichen Verdichtung der ohnehin überhitzten Innenstadt“, äußert sie sich. Sie verweist erneut auf die Unterschriften: „Diese Stimmen lassen sich nicht einfach wegwischen. Die Menschen wollen eine wirksame, grüne Klimaanlage im Herzen unserer Stadt.“
„Wir brauchen jetzt harte, wissenschaftliche Daten statt heißer Luft und leerer Versprechungen aus dem Rathaus“, so die Antragsteller abschließend und führt den Handlungsspielraum des Rates an, ob er den Gesundheitsschutz der Bevölkerung „rechtssicher einfordert oder ein folgenschweres Abwägungsdefizit zulässt.“ Der Kornmarkt steht im November wieder als Thema im Rat zur Debatte. Die BI möchte das Thema nun bei einzelnen Fraktionen ansprechen. Eine Redeerlaubnis soll es in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Klima geben.
Von Hendrik Steimann