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Ironman auf Hawaii! Jan Stratmann erfüllt sich großen Traum

Hattinger Profi-Triathlet startet bei der Weltmeisterschaft. Sein Weg dorthin war lang und hart.

Jan Stratmann bei einem Trainingslager auf Lanzarote.

Jan Stratmann bei einem Trainingslager auf Lanzarote. Foto: Tom Schlegel

Er hat sich einen großen Traum erfüllt: Den Start bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii, dem mystischen Ort in der Sportart. Dort startet der aus Hattingen stammende Triathlet Jan Stratmann am 10. Oktober im bekannten Kailua-Kona in der absoluten Weltspitze – im Profifeld.
„Im Hinterkopf hatte ich immer das Ziel, nach Hawaii zu kommen“, sagt Stratmann, der in Niederwenigern aufgewachsen ist. Dort spielte er früher Fußball und probierte sich später beim Handball. Als er sich in einem Skiurlaub ein Schienbein brach, gelangte er über Reha-Einheiten im Wasser und über Kontakte seines Vaters im Alter von 16 Jahren zum Triathlon. Seine erste Trainerin war damals Grit Weinert vom PV Triathlon Witten, für den er später in der Bundesliga startete. In den ersten Jahren, ehe er international in der U23-Altersklasse startete, musste er vor allem am Schwimmen arbeiten – bei den ersten Wettkämpfen war er einer der Letzten und musste das Feld von hinten aufrollen.

Durch enormen Ehrgeiz zum Profi geworden
Doch was ihn seit jeher auszeichnete, ist sein enormer Ehrgeiz, der ihn letztlich auf die höchste sportliche Ebene im Triathlon führte. Mit zunehmendem Alter professionalisierte sich Stratmann, bekam durch seine starken Leistungen Sponsoren und fokussierte sich ganz auf den Profisport. Nebenbei absolvierte er seinen Bachelor in der Sportwissenschaft und per Fernstudium seinen Master im General Management. Das forderte ihn, körperlich und mental kam er dabei auch mal an seine Grenzen. Doch vom geliebten Triathlon hielt ihn das nie ab – selbst, wenn die Leistungen zwischenzeitlich nicht seinen Vorstellungen entsprachen.
Auch ein Ermüdungsbruch stoppte ihn 2019 nicht – in dem Jahr, in dem er Profi wurde und fortan 30 Stunden pro Woche trainierte. Es war seine schlimmste Verletzung, sonst zog er sich nur mal Muskelverletzungen zu, die aber in der Saisonvorbereitung störten. Erfolge verzeichnete der heute 31-Jährige dann auf der Mitteldistanz (Ironman 70.3). Er wurde 2023 bei der WM im finnischen Lahti Dritter, international sein bisher größter Erfolg. Er war natürlich glücklich. „Ich hatte aber direkt den nächsten Schritt im Kopf: die Langdistanz“, schildert Stratmann. Das sind 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und abschließend noch ein Marathon (42,195 Kilometer) im Laufen.

Erster Traum ist erfüllt
Bei einem der größten Triathlon-Rennen der Welt, der Challenge im deutschen Roth, belegte er mal den zweiten Platz. „Es ist der Wettkampf mit den meisten Zuschauern auf der Strecke, mit rund 3000 Personen“, erklärt Stratmann, der viel erreicht hat. Worauf er besonders stolz ist, macht er gar nicht an einer sportlichen Leistung fest: „Die Antwort darauf fällt mir sehr schwer, weil ich immer weiter nach vorne schaue. Ich bin einfach stolz, dass ich dran geblieben bin und tief im Inneren immer an mich geglaubt habe. Ich habe Widrigkeiten getrotzt und es zeichnete sich anfangs nicht ab, dass ich meinen Weg so gehe.“ Und selbst nun mit Anfang 30 steht er noch nicht am Ende. Er möchte als Profisportler seine bald eigene kleine Familie ernähren können, es stehen noch weitere Ziele offen. „Mein erster Traum ist der Start auf Hawaii, mein zweiter ist es, vorne mit dabei zu sein“, so Startmann.

Mit dem Start sind hohe Kosten verbunden
Auf der hat er nun Top-Niveau erreicht. 2024 startete er bereits bei der WM in Nizza, erreichte dabei Platz 24. Im Juni 2026 sicherte sich der Hattinger mit dem zehnten Platz beim Ironman in Frankfurt schließlich das Ticket für Hawaii. Seine Saison bis Hawaii hätte insgesamt besser laufen können, merkt er selbstkritisch an. Doch nun ist die Vorfreude riesig. Seit dem 26. September befindet sich Stratmann schon auf der Insel im Pazifik, um sich zu akklimatisieren. Die Kosten für das Erlebnis belaufen sich übrigens auf rund 15.000 Euro und sind nur durch Sponsoren zu stemmen, die sich der Hattinger mit seinen Platzierungen im Verlaufe der Jahre hart erarbeitet hat.
„Die Podestplätze haben mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben“, erzählt der Profi und fügt an: „Es ist im Sport so: Du kannst Fünfter, Sechster, Siebter werden. Es juckt niemanden. Am Ende ist es Leistungssport, nur Leistung wird belohnt. Es ist knallhart.“ Die Höhe der Sponsorengelder hängen von den Platzierungen ab. Nur, wer vorne mit dabei ist, wird gesehen und erhält Verträge, ohne die eine Sportkarriere nicht finanziert werden könnte.

Zuhause wartet schwangere Frau auf den Triathlet
Zu den Kosten zählen die teuren Flüge, die Unterkunft im Hotel und daneben etwa die Selbstverpflegung mit gezieltem Essen oder ein Mietwagen. Er managt sich vor Ort zudem selbst und muss daher auf viel mehr achten als nur auf seinen Trainings- und Wettkampfplan. Bei Terminen drumherum – darunter auch Pressetermine, wird er von einem Team unterstützt. Mit auf Hawaii hat er einen Kameramann und einen privaten Freund, die ihn entlasten. Nicht mit vor Ort ist sein Trainer Björn Geesman, der das Rennen aus der Ferne vom Bildschirm aus verfolgen wird.
Ebenfalls nicht mit dabei sein kann seine Frau Lena, da sie als Lehrerin arbeitet und schwanger ist. Im Februar wird der Nachwuchs erwartet. Einerseits sei es schade, dass ihn seine Frau nicht zu dem Höhepunkt seiner Sportkarriere begleiten kann. Andererseits sagt Stratmann: „Ich hätte aber ein schlechtes Gefühl dabei, wenn sie schwanger zweimal einen langen Flug machen müsste.“ Er bleibt daher nur noch einen Tag nach dem Rennen vor Ort, um schnell wieder bei ihr zu sein.
„International ist die WM auf Hawaii der bedeutendste Wettkampf“, so der Triathlet. 56 Männer starten im Profifeld, darunter acht Deutsche. Start ist um 6:20 Uhr Ortszeit in der Frühe (18:20 Uhr deutsche Zeit). „Diesmal will ich besser abschneiden als in Nizza. Mein Ziel ist es, unter die Top 10 zu kommen“, sagt Stratmann.

Von Hendrik Steimann