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Gesundheit

IMAGE-Serie Wie tickt der Mensch

Verlieren wir den Respekt vor anderen Menschen?

Nichts ist so spannend und bewegt den Menschen so sehr wie sein eigenes Verhalten und das seiner Mitmenschen. IMAGE greift gemeinsam mit Experten wie Dr. med. Willi Martmöller, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie (Tiefenpsychologie) in unserer Serie „Wie tickt der Mensch“ spannende Fragen auf und stellt verblüffende Antworten aus der Psychologie vor.

Nichts ist so spannend und bewegt den Menschen so sehr wie sein eigenes Verhalten und das seiner Mitmenschen. IMAGE greift gemeinsam mit Experten wie Dr. med. Willi Martmöller, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie (Tiefenpsychologie) in unserer Serie „Wie tickt der Mensch“ spannende Fragen auf und stellt verblüffende Antworten aus der Psychologie vor.

Immer mehr Menschen gewinnen den Eindruck, dass menschliches Verhalten respektloser wird. „Wir definieren Respekt hier als Wertschätzung und Achtung gegenüber sich selbst und anderen Personen. Respekt beruht auf Rücksichtnahme, Empathie, Selbstachtung, Ethik und Toleranz. Dem ist allerdings ein unterschiedliches Werteverständnis je nach Land, Region, Kultur, Religion, Generation, Lebensalter, sozialer Zugehörigkeit, ja sogar je nach Situation zugrundegelegt. Was für den einen respektlos ist, ist für den anderen noch akzeptabel. Respekt muss erlernt werden und was erlernt wird, kann wieder abhanden kommen“, erklärt Dr. med. Willi Martmöller. 
„Durch Überforderung, Unsicherheit oder Überlegenheitsphantasien verhalten sich Menschen respektlos. Bringen wir jemandem bewusst keinen Respekt entgegen, stellen wir uns innerlich über ihn. Stellen wir uns über jemandem, fühlen wir uns diesem in Wahrheit unterlegen und haben Angst. Was uns Angst macht, müssen wir abwehren. Und Abwertung durch mangelnden Respekt ist eine Form der Abwehr. Doch selbst unter dem Deckmantel der Toleranz können wir respektlos handeln. Denn jemanden zu tolerieren, bedeutet nicht, ihn zu respektieren. Wir tolerieren das, wogegen wir eigentlich Einwände haben. Das verstärkt die Gefühle von Angst und Unsicherheit. Wer andere klein macht, versucht sich dadurch selbst aufzuwerten. Unter hohem Druck schaltet das Gehirn auf Überlebens- oder Ego-Modus. Die kognitive Kapazität für Höflichkeit und Perspektivwechsel sinkt. Fehlt die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, wird das Gegenüber als Objekt gesehen und respektlos behandelt. Wer auf der anderen Seite steht und regelmäßig von bestimmten Menschen respektlos behandelt wird, ist aber genauso unsicher und gefährdet seine emotionale Gesundheit. Wer respektlos behandelt wird, lässt dieses Verhalten auch zu. Wer seine eigenen Grenzen missachtet und mit sich selbst nicht positiv wertschätzend umgeht, sendet auch das Signal, dass man SO mit ihm umgehen darf. Der Weg zum respektlosen Verhalten ist eingeschlagen. Für beide Akteure ist die Situation unangenehm.“
Doch wie geht ein respektvoller Umgang miteinander? „Die berühmte Formulierung ,Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ ist der Grundsatz für ein rücksichtsvolles und respektvolles Verhalten und regt zum Perspektivwechsel an, weil man sich in die Handlung des anderen hineinversetzt. 
Respekt beginnt beim Zuhören. Doch in der schnellen Welt von Wischen, Klicken und Liken fällt das zunehmend schwer. Wer sich die Zeit nimmt, zuzuhören, verwandelt Kommunikation in Bindung. Gutes Zuhören lässt auch Streit zu, aber ohne einen Konsenszwang und auf Augenhöhe. Wer sich diese Form der Kommunikation bewusst macht, hat die Grundlage für einen respektvollen Umgang miteinander gelegt. Und das wiederum ist die Grundlage für eine friedliche und demokratische Gesellschaft. “ 
Von Dr. Anja Pielorz