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Hattingen

„Ich war der Neue aus Essen“

20 Jahre Hattingen Marketing mit Georg Hartmann.

Georg Hartmann

Georg Hartmann

„An meinem ersten Arbeitstag war ich ziemlich aufgeregt. Ich war schon Wochen vorher in Hattingen, habe mir die Innenstadt angeschaut, Notizen gemacht und Straßen und Plätze auswendig gelernt. Ich wollte schließlich wissen, wo ich künftig unterwegs sein würde. Ich kam als Projekt- und Fachbereichsleiter inhaltlich aus der Essener Veranstaltungsszene und es hat mich gereizt, als Geschäftsführer ein Stadtmarketing aufzubauen und mehr Verantwortung zu übernehmen“, erinnert sich Georg Hartmann heute nach zwanzig Jahren als Geschäftsführer von Hattingen Marketing. 
Der erste Arbeitstag begann mit einem Termin, der deutlich machte, dass die neue Aufgabe öffentliches Interesse weckte. Im Besprechungszimmer der Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch traf Hartmann auf die Verwaltungschefin und Vertreter der örtlichen Presse. Darunter war auch die freie Journalistin Dr. Anja Pielorz. „Nach dem Termin lernte ich meine Mitarbeiterinnen kennen. Ich war jetzt der neue Chef. Das war schon ein besonderer Moment. Ich fand es spannend und es war für mich ein sehr schöner Tag“, erzählt Hartmann.
Er erinnert sich gerne an seinen Startphase. „Einmal sollte ich meine Mitarbeiterin Gisela Jenk abholen. Sie wohnte in Holthausen und sie sagte, wir treffen uns an de Krüpe. Was war das? Eine Straße? Ich hatte keine Ahnung. Und statt Steinhagen habe ich damals immer Steinhagener Platz gesagt“, lacht er. Das touristische Unterkunftsverzeichnis bestand noch aus einer Word-Datei, die bei Bedarf ausgedruckt und dem Interessenten zugeschickt oder in die Hand gedrückt wurde.

50. Westfälischer Hansetag kommt 2033 nach Hattingen
„Meine erste Veranstaltung in Eigenregie war 2006 der Herbstmarkt, danach der Weihnachtsmarkt. Was mir in den zwanzig Hattinger Jahren in die Hände spielte, war die positive Entwicklung des Ruhrgebietstourismus. Alle wollten plötzlich in den Pott. Wir haben heute in Hattingen rund 200.000 Übernachtungen und sogar einen wachsenden internationalen Tourismus aus den Benelux-Ländern, Frankreich und sogar aus Übersee. Dazu beigetragen hat auch der Ruhrtalradweg, der 2006 eröffnet wurde.“
Nach 47 Jahren Berufsjahren, davon in 2027 dann 21 Jahre in Hattingen, ist für Georg Hartmann im nächsten Sommer offiziell Schluss. Seine Stelle als Geschäftsführer von Hattingen Marketing wird extern ausgeschrieben und über den Verein wiederbesetzt. Für Hartmann beginnt dann ein neues Kapitel. „Ich habe schon Anfragen für Projekte, aber auch für ehrenamtliche Arbeit. Beispielsweise habe ich in Essen das Projekt RolFI erlernt – ähnlich wie das Rikscha-Projekt in Hattingen. Aber hier geht es um Fahrradfahren mit einem Menschen im Rollstuhl. Langeweile werde ich bestimmt nicht haben“, ist er sich sicher. Ganz ohne Arbeit wird es für ihn auch nicht gehen. Und wer weiß, vielleicht begleitet er auch noch Hattinger Projekte... Zum Beispiel die Ausrichtung des 50. Westfälischen Hansetages in Hattingen im Jahr 2033. Der Ratsbeschluss für die Veranstaltung liegt seit Oktober 2025 vor. Hattingen hätte 2020 nach langer Vorbereitung – die Idee hatte Hartmann 2008 – den Westfälischen Hansetag ausgerichtet. Leider fiel er der Corona-Pandemie zum Opfer. „Wir hatten ein tolles Programm mit eigener Briefmarke und vielen Highlights. Hotels waren gebucht und dann kam das Aus“, blickt Hartmann wehmütig zurück. 
Eines der positiven Highlights war für ihn die Übernahme des Altstadtfestes 2011 durch Hattingen Marketing. Übrigens mit dem gleichen Personal. Aufgestockt wurde trotz Mehrarbeit nichts. Mehr als 150 Vereinsmitglieder, langjährige Sponsoren und ein kleines engagiertes Team tragen bis heute die Arbeit in den Bereichen Tourismus, Veranstaltungen und Citymanagement. „Man kann Stadtmarketing nicht verordnen. Es funktioniert nur, wenn Menschen daran glauben und mitmachen“, betont Hartmann.
Was hätte er sich in den zwanzig Jahren sparen können? „Den Versuch mit dem mittelalterlichen Markt. Es gibt tolle Mittelalter-Märkte, aber sie sind kostenmäßig für uns nicht darstellbar.“ Und wo liegen die Herausforderungen für den Nachfolger? „Marketing-Angebote zu entwickeln in einer Zeit immer noch knapperer Kassen, in der Innenstädte sich wandeln und Hattingens beliebte historische Gebäudesubstanz mehr Pflege braucht. Und in der ein S-Bahnhof sich hoffentlich zu einem attraktiven Eingangstor für Einheimische und Touristen entwickelt.“

Von Dr. Anja Pielorz