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Hattingen

Heimatforscher Pöppe: Das Notgeld der Henrichshütte

Spannendes Zeitdokument mit vielen Fotos...

Der „1 Milliarde-Schein“

Das Notgeld der Hattinger Henrichshütte: Hier zu sehen der „1 Milliarde-Schein“, ein richtiges Kunstwerk.

Der Sprockhöveler Hans-Dieter Pöppe ist Heimatforscher mit Leib und Seele. Selbstverständlich ist er Mitglied in den Heimatvereinen Sprockhövel und Hattingen. Das Licht der Welt erblickte er übrigens während der Kriegszeit im Hattinger Hochbunker.
Die Heimatgeschichte hat ihn nie losgelassen. Neben unzähligen historischen Postkarten befinden sich in seinem Privatarchiv auch zahlreiche Notgeldscheine und Münzen. Wieviel genau weiß er nicht – aber es sind sehr viele. Einige Schätze hat er jetzt mit bisher unveröffentlichten Fotos und historischen Texten zur Henrichshütte und ihrem Notgeld in einem 52-seitigen Buch zusammengestellt. 
„Notgeld ist ein Geldersatz, der aus einer Mangelsituation heraus gedruckt wurde. In Zeiten der Weltkriege wurden Münzen oft aus dem Verkehr gezogen, weil man das Metall benötigte. Weil die staatlichen Stellen nicht genug Geld liefern konnten, durften viele Städte und Firmen Notgeld drucken. Die Henrichshütte begann zunächst mit dem Druck eigener Kleingeldscheine mit Seriennummern und Wertangabe. Im Laufe der Zeit wurde das Notgeld immer mehr und auch immer aufwendiger gestaltet. Manche Papierscheine sind richtige Kunstwerke“, schwärmt Sammler Pöppe. „Das erste Notgeld konnte nur innerhalb der Wohlfahrtseinrichtungen der Hütte eingesetzt werden. Das waren zum Beispiel Verkaufsstellen oder eine Gaststätte. Nach 1918 gab es immer mehr Notgeld mit unglaublichen Wertangaben von Millionen und Milliarden aufgrund der großen Inflation. Das Hütten-Notgeld war auch außerhalb der Hütte willkommen und immer mehr Geschäfte und öffentliche Einrichtungen erkannten es an. So wurde es zum offiziellen Zahlungsmittel in Hattingen, Welper und Umgebung“, erzählt Pöppe. „Die Henrichshütte hat insgesamt 57 Geldscheine und eine Konsummarke herausgegeben. Der letzte Notgeldschein war ein Fünf-Billionen-Mark-Schein im November 1923.“ Soviel kostete damals ein Kilo Butter. Im November 1923 wurde die Rentenmark eingeführt, eine deutsche Übergangswährung. Sie beendete die extreme Hyperinflation in der Weimarer Republik. Von 1924 bis 1948 gab es die Reichsmark, bis 2002 die Deutsche Mark (DM), bevor der Euro kam. 
Reich bebildert mit historischen Fotos der Henrichshütte und des Notgeldes, zum Teil bisher unveröffentlicht, ergänzt durch die Historie von Hattingens „Herz aus Stahl“, präsentiert Hans-Dieter Pöppe ein spannendes Zeitdokument. Auch über die Kriegsgefangenen der Hütte hat er einen Bericht und Fotos recherchiert. Für historisch Interessierte ein richtiges Schmankerl. Das DIN-A4-Hardcover-Buch kann man direkt für 19,50 Euro (22 Euro mit Versand) beim Heimatforscher bekommen. Kontakt telefonisch unter 02324/71939 oder per E-Mail unter en-sammler@web.de.

Von Dr. Anja Pielorz