Hattinger Lions zeichnen sein ehrenamtliches Engagement für Gesellschaft, Natur und Tiere aus.
Der Hattinger Andreas Brandhoff im Kirchgarten St. Georg mit dem Preis der Hattinger Lions, dem „Hattinger Löwe“.
Andreas „Andi“ Brandhoff (61) hat eine neue Auszeichnung bekommen. Im Rahmen der Feier zum 50. Geburtstag der Hattinger Lions erhielt er den mit 3000 Euro dotierten „Hattinger Löwen“. Der Preis wird seit 2016 für herausragendes ehrenamtliches Engagement für die Stadtgesellschaft verliehen. Zunächst gestaltete der Hattinger Künstler Stephan Marienfeld die Preisskulptur, danach übernahm die Sprockhöveler Künstlerin Anja Nessler mit einem Miniatur-Modell der Hattinger Altstadt diese Aufgabe.
Andi Brandhoff, gelernter Druckformhersteller, arbeitete 42 Jahre in einer Bochumer Druckerei. Seit 2023 ist er in der Druckerei der Stadt Hattingen beschäftigt. Ob für Hattinger Schulen, Kitas oder für die Verwaltung – alles Gedruckte geht durch seine Hände. Aufgabenhefte, Lehrmaterial, Haushaltspläne, Steuerbescheide, Parkausweise, Urkunden, Wahlunterlagen – Hattingen ist immer präsent.
Und „immer“ ist wörtlich zu nehmen, denn Andi Brandhoff, der elf Kilometer von Hattingen entfernt geboren wurde, aber seit dreißig Jahren in Hattingen lebt, liebt seine Stadt 24/7 und das im ganzen Jahr. Urlaub in der Ferne muss für ihn nicht sein. Stattdessen engagiert er sich ehrenamtlich für die Stadtgesellschaft – wobei besonders seine Steckenpferde, die Natur und die Tiere, nicht zu kurz kommen.
Kirchgärtner, Türmer und Insektenliebhaber
Während andere Naturliebhaber einen Schrebergarten besitzen, ist Andi Brandhoff der Kirchgärtner von St. Georg. Seit 2014 kümmert er sich ehrenamtlich um den Kirchgarten. Zunächst nach einem Aufruf vom damaligen Pfarrer Dr. Udo Polenske mit weiteren sieben Mitstreitern. Heute ist er der Einzige, der durchgehalten hat. Wobei „Durchhalten“ hört sich nach Strafe an – und das ist es ganz sicher nicht. Im Gegenteil! Andi Brandhoff liebt seine Blüten und Blumen, liebt die Insekten und für ihn ist klar: „Unkraut gibt es nicht. Alles hat seinen Sinn.“ Die Liebe zur Natur hat er von seinem Großvater, der den kleinen Andi schon früh an die Hand nahm und ihm die Schönheit der Natur nahebrachte. Heute erfreut sich nicht nur Andi Brandhoff an dem wunderschönen Kirchgarten, sondern auch Einheimische und Touristen. Brandhoff gibt bei Gesprächen nicht nur Wissen weiter, sondern ruft auch zu Spenden für den Garten auf. „Wer Verblühtes mit Zwiebel spenden möchte, kann die Pflanzen auf das Kellerfenstergitter in Türnähe hinter der St.-Georgs-Kirche stellen oder sich per WhatsApp bei mir melden unter der Nummer 0174 16 91 477.“ Da stehen dann auch schon einmal mehrere Hundertschaften Blumenzwiebeln vor der Tür. Erwähnt werden sollte auch: Andi hegt und pflegt nicht nur die Pflanzen, sondern greift auch beherzt zu, um Hinterlassenschaften von Vierbeinern zu entsorgen, die die Zweibeiner leider nicht weggemacht haben. Das, so sagt er, sei aber deutlich weniger geworden. „Schönheit schützt. Wenn etwas schön ist, möchte man es erhalten und nicht verunreinigen.“ Seit 2026 kümmert er sich auch um das Hattingia-Beet, gemeinsam mit Landschaftsgärtner Julian Nübold.
Seit 2023 hat er einen weiteren ehrenamtlichen Job im denkmalgeschützten Johannisturm. Dort hatten sich Tauben angesiedelt und sorgten für das Verstummen des Glockenspiels. Seit 2020 blieben die 25 Glocken, die 1958 eingebaut wurden, stumm – bis sich eine Gruppe Ehrenamtlicher fand, die den Turm von Dreck befreiten und die Tauben zu einem Taubenschlag führten. „Zusammen mit dem Verein Stadttauben Bochum habe ich zwanzig Zentimeter Taubenkot entfernt, die Eier ausgetauscht, um die Population zu verringern und in der ersten Etage im Turm einen Taubenschlag errichtet, der wöchentlich vom Bochumer Verein gesäubert wird.“ Brandhoff wurde 2024 Türmer im Johannisturm und sorgt dafür, dass das Glockenspiel seit dem 15. November 2024 wieder erklingt. Punkt 18.05 Uhr ertönen von Montag bis Freitag mehrere Melodien über die Altstadt hinweg. Brandhoff ist vor Ort und organisiert an den Wochenenden um 12.30 Uhr ehrenamtliche Live-Auftritte von Musikern, oft von Lutz Deterra und Mariá Christina Witte. Zum Weihnachtsmarkt läutet das Glockenspiel täglich um 16.50 Uhr den Auftritt von Frau Holle ein. Wünschen kann man sich auch ein Lied über die Homepage der Stadt Hattingen.
Nach dem Heimatpreis gibt‘s jetzt den „Hattinger Löwen“
Für so viel Engagement gab es 2025 den ersten Platz beim Hattinger Heimatpreis, dotiert mit 2500 Euro. Die wandern nicht in die private Tasche von Brandhoff, sondern ins Ehrenamt – zum Beispiel für eine neue Steueranlage, die das Glockenspiel aus der Ferne bedienbar macht. Außerdem hält Brandhoff gerne Dia-Vorträge über Insekten und hilft in der Wildnisschule Ruhr von Martin Maschka. Er zeigt beeindruckende Insektenfotos, die er mit seinem Makroobjektiv eingefangen hat. Die Liebe zur Natur und den Tieren und sein Insta-Account „andiinstagrummler“ geben einen Hinweis darauf, dass er nicht so gerne im Mittelpunkt steht. Nicht, dass er damit ein Problem hätte – er findet es aber nicht wichtig. Viel wichtiger sind ihm Natur und Tiere. Dafür werden die Preisgelder eingesetzt. „Ich liebe, was ich mache“, sagt er und das ist das Geheimnis für Glück und Zufriedenheit. Wenn dann eine gute Brat- oder Currywurst in Ess-Weite ist – dann passt bei ihm alles im Leben.
Von Dr. Anja Pielorz