Die Wittenerin blickt auf eine bewegte Lebensgeschichte zurück und ist stolz auf ihre Söhne.
Erika-Brand
Es gibt 19 Personen in Witten, die 100 Jahre oder älter sind. Eine von ihnen ist Erika Brand, die seit November 2024 im Lutherhaus lebt und am 7. September ihren Ehrentag feierte.
Die 100-Jährige wurde in Selm geboren und ist dort aufgewachsen. Sie lernte somit noch die Weimarer Republik kennen, ehe die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg folgten. Als ihr Vater in Bochum eine Stelle beim Bochumer Verein bekam, zog die Familie deshalb in die Ruhrgebietsstadt um. Dann wurde er als Soldat in den Krieg eingezogen – den er überlebte. Seine Tochter erlebte während der Kriegsjahre einige schreckliche Bombenangriffe. „Davon träume ich manchmal sogar noch“, erzählt sie. Sie schrieb sogar mal ein Buch über Bochumer Kriegsnächte, samt Lesung im Theater Bochum.
Sie erinnert sich: „Wir konnten die Flugzeuge schon von Weitem hören, sie hatten ein besonderes Motorgeräusch. Wir sind dann mit Köfferchen zu einem Bunker oder Stollen gerannt. Dort war es sehr voll, aber alle haben darin Platz gefunden. Egal ob Mütter mit Babys oder sehr alte Leute. Dann war es sehr ruhig.“ Es sei furchtbar gewesen, vor allem, wenn die pfeifenden Bomben einschlugen. Nach dem Krieg folgte die Zeit, in der Lebensmittel knapp waren. „Wir haben sie nur mit einem Bezugsschein erhalten“, weiß die Seniorin noch, die als Grundschullehrerin arbeitete und sich damit ihren Berufswunsch erfüllte. „Ich habe vielen Kindern lesen, schreiben und rechnen beigebracht und bin auch mit ihnen raus in die Natur gegangen und habe Ausflüge unternommen“, sagt Brand.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen. Sohn Peter hat sich der Musik verschrieben, ist in Bands aktiv und leitet seit vielen Jahren die Musikschule in Hattingen. Seine Mutter liebt Jazz-Musik, aber auch viele andere Musikrichtungen. Der zweite Sohn ist Dr. Matthias Brand, er war erst als Arzt tätig und begleitete danach für verschiedene Firmen in Europa wissenschaftliche Studien im Bereich Herzkatheter. Ihre Söhne organisierten am Geburtstag eine Familienparty. „Wir haben uns als Familie immer gut vertragen“, freut sich Erika Brand, die für ihre beiden Söhne immer als Ansprechperson bereit stand.
Sie hatte mit Kunigunde einen Yorkshire Terrier. „Ich liebe Hunde“, sagt sie. Fotos von ihr, ihren Söhnen und ihrem Mann Hans-Joachim stehen in ihrem Zimmer im Lutherhaus. Ihren Mann lernte sie im Studium kennen, in der pädagogischen Akademie in Lüdenscheid – aus Freundschaft wurde Liebe. Dass sie die 100 Jahre erreicht hat, sei etwas Besonderes: „Meine Freunde sind nicht so alt geworden.“ Ihr Geheimrezept: Wenig Alkohol und viel Bewegung. Sie schwamm früher, machte Gymnastik und Gerätetraining. Die Zeit der Digitalisierung erlebte sie ebenfalls sehr bewusst, besaß ein eigenes Handy und absolvierte früh einen Computerkurs. „Ich wollte mich über das Internet über die Politik informieren“, erzählt Brand. Nun genießt sie in der Einrichtung der Diakonie Mark-Ruhr in Bommern die Ruhe: „Die Leute sind freundlich, es gibt keinen Zank.“
Von Hendrik Steimann