Logo
Dies und Das

EN-Kreis: So leben wir hier

Ein Blick in das neue Kreismonitoring.

Karte

Wie leben wir im Ennepe-Ruhr-Kreis und welche Trends zeichnen sich für die kommenden Jahre ab? Antworten liefert das aktuelle „Kreismonitoring 2025“, das auf über 200 Seiten Daten, Fakten und Entwicklungen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zusammenführt. Wir haben für Sie die 200 Seiten genauer unter die Lupe genommen.

Ein Kreis mit viel Wald und Wiesen
Der Ennepe-Ruhr-Kreis ist mit rund 410 Quadratkilometern einer der flächenkleinsten Kreise in NRW. Er ist ein „grüner“ Kreis, denn rund 70 Prozent seiner Fläche ist mit Vegetation bedeckt. 37 Prozent seiner Fläche werden landwirtschaftlich genutzt mit abnehmender Tendenz. Rund ein Drittel ist mit Wald bedeckt, während Gewässer nur 1,7 Prozent der Bodenfläche ausmachen. Zum Kreis gehören neun Städte mit insgesamt rund 314.000 Einwohnern: Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Hattingen, Herdecke, Sprockhövel, Schwelm, Wetter und Witten.

Anzahl der Bevölkerung nimmt leicht ab und wird älter
Die Bevölkerungsentwicklung im Kreis ist bei vielen Städten leicht rückläufig. In Hattingen liegt die Quote bei -2,5, in Sprockhövel bei -3,2 und in Witten bei -4,3. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung (Anm. der Redaktion: keine deutsche Staatsangehörigkeit oder ungeklärter Status) ist seit 2014 von acht Prozent auf 12,7 Prozent gestiegen, liegt aber in allen Städten unter dem NRW-Landesdurchschnitt von 15,8 Prozent. Sprockhövel kommt mit 8,1 Prozent auf die niedrigste Quote, Hattingen hat 12,3 Prozent und Witten 13,6 Prozent. Die größte ausländische Community ist die türkische. Stark vertreten sind im Kreis die italienische sowie polnische Community. Anstiege verzeichnen die ukrainische, syrische, afghanische, irakische und rumänische Community. 
Rund 50.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre leben aktuell im EN-Kreis. 185.000 Bewohner sind zwischen 18 und 65 Jahre alt, knapp 79.000 Menschen sind älter als 65 Jahre. Auf Grundlage der Bevölkerungsvorausberechnung kann in fast allen Städten ein Rückgang der Bevölkerungszahlen bis 2050 dargestellt werden. Außerdem nimmt der Anteil der Älteren zu.
Unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote, mehr Teilzeit
Der größe Arbeitgeber für Arbeitnehmer ist mit knapp 45 Prozent der Dienstleistungssektor. Ihm folgen das produzierende Gewerbe mit knapp 34 Prozent. Etwa 21 Prozent sind Handel, Gastronomie und Verkehr zuzuordnen. Knapp 70 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten in Vollzeit. Die Teilzeitstellen haben in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen – von 29.235 Personen auf 38.686 Personen
Die Arbeitslosenquote liegt mit 7,1 Prozent unterdurchschnittlich im kommunalen Vergleich. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2014 und 2024 von 100.774 auf 108.321 gestiegen. Das bedeutet ein Plus von sieben Prozent. Bei den Frauen liegt der Zuwachs bei 11,8 Prozent, bei den Männern bei 4,2 Prozent. 
Viele Beschäftigte pendeln zur Arbeit. Kreisintern sind dies 84.000, rund 80.000 Beschäftigte pendeln aus dem EN-Kreis heraus in andere Kommunen. Sie tun dies in der Regel mit dem Auto. Rund 200.000 Fahrzeuge sind im EN-Kreis zugelassen. Der größte Anteil von ihnen wird durch einen Verbrennungsmotor angetrieben. Benziner kommen auf 67 Prozent, Diesel auf 22 Prozent. Nur zehn Prozent der Fahrzeuge im EN-Kreis haben einen (teil-)elektrifizierten Antriebsstrang, Tendenz steigend. Von den 203 öffentlichen Ladesäulen stehen mehr als die Hälfte (102) in Witten. 38 gibt es in Hattingen, 18 in Sprockhövel.

Fast alle Kinder besuchen die Kita, Hauptschule rückläufig
Seit 2015 stieg die Anzahl an betreuten Kindern von 9.333 auf 11.472, ein Plus von knapp 23 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kitas von 176 auf 199. Die größte Gruppe der betreuten Kinder ist die der 3- bis unter 6-Jährigen. Hier beträgt der Anstieg 1.406 Kinder (+20 Prozent). Die Betreuungsquote in dieser Altersgruppe liegt bei 95 Prozent – das bedeutet: fast alle Kinder besuchen eine Kita. In den letzten zehn Jahren ist aber auch die Anzahl der in Kitas betreuten Kinder unter 3 Jahren um 27 Prozent gestiegen. Blickt man auf die Situation an den Schulen, so zeigen die Zahlen einen deutlichen Rückgang von Schülern an Realschulen (-17 Prozent) und Hauptschulen (-60 Prozent) in den letzten zehn Jahren. Auch die Zahl der Berufsschüler ist rückläufig. Im Ausbildungsjahr 2021/22 gab es zum ersten Mal mehr freie Ausbildungsstellen als Bewerber. Gestiegen sind die Schülerzahlen, die eine Gesamtschule besuchen. Insgesamt lebten im Ennepe-Ruhr-Kreis zum Wintersemester 2023/24 auch 10.300 Studierende. Das sind etwa 10,1 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. 
Medizin: Höhere Hausarztdichte als das Umland
Der Ennepe-Ruhr-Kreis weist eine höhere Hausärztedichte auf als die umliegenden Kreise. Rund 17 Prozent der Hausärzte sind über 65 Jahre alt, das Durchschnittsalter beträgt 54 Jahre. Bei der Facharztdichte stehen die Psychotherapeuten ganz oben. Am unteren Ende der Dichte stehen HNO, Urologen und Hautärzte. Die Pflegequote stieg innerhalb der letzten Jahre. Während es 2017 insgesamt 14.163 Menschen mit Pflegebedürftigkeit im EN-Kreis gab, waren es 2023 bereits 25.017 Personen. Fast 87 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause durch die Angehörigen versorgt.

Wirtschaft und Tourismus: Mehr Steuereinnahmen
Die Gesamtzahl von Betrieben im EN-Kreis ist zwischen 2013 und 2023 um 4,5 Prozent (-635) gesunken. Der Verlust kommt durch das Sinken der Anzahl von Kleinstbetrieben zustande. Die Anzahl der Klein-, Mittel- und Großbetriebe ist hingegen seit 2013 gestiegen. Sechs neue Niederlassungen von Großbetrieben im Ennepe-Ruhr-Kreis haben sich angesiedelt – ein Plus von 12 Prozent. Die Steuereinnahmekraft je Einwohner ist zwischen 2021 und 2024 in allen Städten gestiegen: in Hattingen von 1137 auf 1339 Euro, in Sprockhövel von 1508 auf 1775 Euro und in Witten von 1277 auf 1435 Euro. Ein Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Der EN-Kreis hält rund 3200 Betten für Übernachtungen vor. Knapp 200.000 Gäste besuchten 2024 den EN-Kreis und übernachteten hier. Die große Mehrheit von ihnen kommt aus dem Inland.

Bauen und Wohnen
Die durchschnittliche Wohnfläche je Einwohner ist seit 2014 in allen EN-Städten gestiegen. Der Kreisdurchschnitt liegt bei 47,9 m² pro Einwohner. Den niedrigsten Wert für die durchschnittliche Wohnfläche weist Witten mit 46,1 m² je Einwohner im Jahre 2024 auf. Hattingen liegt geringfügig darüber, Sprockhövel mit 51,8 deutlich darüber. Die Mehrheit der Menschen lebt zur Miete, die Eigentumsquote liegt zwischen 30 und 40 Prozent.

Kriminalität
Der EN-Kreis gehört zu den sichersten Regionen in NRW. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 wurden 11.027 Straftaten registriert, was einem Rückgang von 4,3 Prozent entspricht. Die Aufklärungsquote liegt bei 50,8 Prozent. Die meisten Fälle wurden in Hattingen (2537) und Schwelm (1856) gezählt.

Von Dr. Anja Pielorz