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Sprockhövel

Ein Stück Heimat: Stock und Scherenberger Erbstollen

Der Haßlinghauser Ronald Mayer bleibt Verantwortlicher bei Fragen in der Denkmalpflege.

Doppelportrait

Ronald Mayer und Lasse Knährich

Die LWL-Archäologie für Westfalen hat die Zusammenarbeit mit dem Verein Bergbauaktiv Ruhr e.V. zur Erhaltung und Präsentation des Stock und Scherenberger Erbstollens erneut verlängert. Der Sprockhöveler Ronald Mayer bleibt Verantwortlicher in Fragen der Denkmalpflege. Herbert Schwetlik bleibt Stellvertreter.
Damit geht Mayer in seine dritte Amtszeit in Folge. Die neue Beauftragung gilt wieder für zwei Jahre. Sie umfasst nicht nur den eigentlichen Erbstollen, sondern auch die mit ihm verbundenen montanarchäologisch relevanten Strukturen wie Abbaubereiche, Schächte und Haldenkörper. Die LWL-Archäologie ordnet diese über- und untertägigen Zeugnisse des vorindustriellen Bergbaus wegen ihrer Bedeutung für die regionale Wirtschaftsgeschichte als vermutetes Bodendenkmal ein.

Ein langfristiges Projekt
Als Mayer 2022 erstmals diese Aufgabe übernahm, befand sich das Besucherbergwerk in einer schwierigen Phase. Zahlreiche rechtliche, bergbehördliche, denkmalrechtliche, wasserrechtliche und organisatorische Fragen mussten gleichzeitig gelöst werden. In den folgenden Jahren entstand gemeinsam mit Behörden, Grundstückseigentümern, Unterstützern und den ehrenamtlich Tätigen des Vereins Schritt für Schritt eine Grundlage für die Zukunft des Erbstollens. Seit der zweiten Beauftragung im Jahr 2024 ist erneut viel geschehen: Das Umfeld des historischen Mundlochs wurde weiterentwickelt, das Gelände erweitert und die Besucherführung verbessert. Die Querung des Pleßbachs über die Trittfurt, Wege und Aufenthaltsbereiche haben sich etabliert. Gleichzeitig rückte stärker in den Mittelpunkt, dass die Geschichte des Bergbaus in Sprockhövel nicht am Mundloch endet.
Über Tage finden sich am Helsberg und Hiddinghauser Berg zahlreiche Spuren des frühen Bergbaus: alte Wegeführungen, Pingen und Halden, ehemalige Abbaubereiche, Lichtlöcher und weitere montanarchäologische Strukturen. Es lässt sich nachvollziehen, wie der Bergbau die Landschaft und den Wald über Jahrhunderte geprägt hat.

„Vom Stollen bis zur Baumkrone“
Aus dieser Entwicklung entstand das derzeit größte Zukunftsprojekt des Vereins: „Vom Stollen bis zur Baumkrone – Natur- und Kulturlandschaft Helsberg. 300 Jahre Bergbau, Wald und Landschaft im Wandel“.
Geplant ist, die einzigartige Verbindung von Bergbaugeschichte, Waldentwicklung, Geologie, Archäologie und Natur für Besucher behutsam erlebbar zu machen. Historische Wege und montanarchäologische Spuren sollen dokumentiert, geschützt und erläutert werden. Ein Rundweg, Informationsstationen, ein Bodenlehrpfad und digitale Vermittlungsangebote sollen künftig erklären, was an vielen Stellen bislang nur Fachleute erkennen. Dabei steht nicht eine möglichst intensive touristische Nutzung im Vordergrund, sondern eine sensible Besucherlenkung, die zum Schutz vorhandener Strukturen beiträgt. Der Verein bereitet derzeit Förderanträge vor und sucht die Zusammenarbeit mit Fachinstitutionen und regionalen Partnern.

Denkmalschutz bedeutet nicht Stillstand
„Vor vier Jahren ging es zunächst darum, eine schwierige Situation zu ordnen und das Besucherbergwerk auf eine sichere Grundlage zu stellen. Heute geht es um deutlich mehr“, erklärt Lasse Knährich, Vorsitzender von Bergbauaktiv Ruhr. Er sagt: „Der Stock und Scherenberger Erbstollen steht nicht isoliert in der Landschaft. Rund um den Stollen finden sich noch heute zahlreiche Spuren einer jahrhundertealten Bergbaugeschichte. Diese Strukturen zu schützen, wissenschaftlich zu dokumentieren und zugleich verständlich zu vermitteln, ist inzwischen eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins.“
Auch die neue Beauftragung verbindet deshalb Schutz und Vermittlung miteinander. Unsachgemäße Eingriffe können die Bodendenkmäler gefährden; eine fachgerechte Erhaltung und sensible touristische Aufbereitung liegt dagegen im Sinne des Denkmalschutzes. Vor Eingriffen wie Grabungen oder dem Freilegen bergbaulicher Strukturen ist weiterhin eine Abstimmung mit der LWL-Archäologie erforderlich. Archäologisch oder paläontologisch relevante Oberflächenfunde sind mit genauer Lagedokumentation zu melden. Zudem legt Bergbauaktiv Ruhr jährlich einen Bericht über Aktivitäten über und unter Tage sowie über Besucherzahlen und Führungen vor.

Für Mayer steht deshalb auch in der dritten Amtszeit die Verbindung von Denkmalschutz und Öffentlichkeit im Mittelpunkt: „Der Bergbau gehört zur Identität Sprockhövels. Viele seiner Spuren liegen unmittelbar vor der Haustür und sind trotzdem kaum noch bekannt. Der besondere Reiz des Stock und Scherenberger Erbstollens besteht darin, Geschichte genau dort vermitteln zu können, wo sie tatsächlich stattgefunden hat.“

Quelle: Ronald Mayer