Logo
Natur & Garten

DÜRRE: Der Wald im Stress

Im Gespräch mit Revierförster Thomas Jansen.

Trockene Landschaft

Sommer 2026: Der Buchenwald im Wasserstress. Braun und kahl.

Wer den langjährigen Revierförster Thomas Jansen kennt, der weiß: Er ist ein eher unaufgeregter und sachlicher Zeitgenosse. Drama ist nicht sein Ding, doch diese wochenlange Sommerdürre ist quasi das i-Tüpfelchen für den ohnedies geschädigten Wald. „Die erste Hitzeperiode im Juni haben die meisten Bäume noch leidlich überstanden, weil wir hier in der Region einen sehr regenreichen Winter und Frühling hatten. Doch jetzt sind die Böden knochentrocken und die Bäume auch. Die Buchen sehen aus wie im Herbst und die braunen Birken findet man auch überall“, blickt Thomas Jansen sorgenvoll in die Zukunft.
Die Herbstfarben, so erklärt er, sind nicht nur schön bunt, sondern für einen Baum völlig normal. „Ein Baum braucht deutlich weniger Wasser, wenn er keine Blätter mehr hat. Jahreszeitlich bedingt ist das ab Herbst zum Winter hin normal. Der Baum will im Winter nicht verdursten und seine Blattlast auch im Hinblick auf Eis und Schnee aus Stabilitätsgründen los werden. Aber der Wasserstress im Sommer führt dazu, dass sich der Baum jetzt schon aus der Not heraus schützen möchte und die Blätter braun werden und fallen. Ein gesunder Baum kann das überleben, aber viele unserer Bäume sind nicht mehr gesund. Dies gilt vor allem für die großen Buchenwälder. Eine Buche stirbt aber nicht innerhalb einiger Monate. Das kann Jahre dauern. Welche Schäden dieser Sommer hinterlassen wird und welche Bäume dauerhaft geschädigt sind, das wissen wir frühestens in einigen Wochen und Monaten.“

Bäume kann man nicht flächendeckend bewässern
Der Sommer 2026 ist natürlich nicht der erste heiße Sommer. „Wir kennen das aus den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021. Dann kamen drei, vier Jahre, die besser liefen. Jetzt haben wir die Verbindung von wochenlanger Hitze und Dürre. Das Klima ist zwar einem permanenten Wandel unterworfen, aber die Schnelligkeit des Wandels hat sich verändert und weder Mensch noch Natur kommen da zeitlich so richtig hinterher“, sagt der Förster. Natürlich könne man bewässern, aber: „Das geht bei einzelnen Parzellen, aber nicht flächendeckend. Es fehlen die Logistik und die Maschinen und auch das Wasser. Außerdem sind es enorme Kosten, die so entstehen würden. Selbstverständlich kann man abgestorbene Waldflächen wieder aufforsten, aber zum einen brauchen junge Bäume alle Wasser, weil die Wurzelbildung noch nicht tief ist. Zum anderen erkennt man kranke Bäume nicht unbedingt auf den ersten Blick und der Sterbeprozess des Baumes kann sich über einige Jahre hinziehen. Stirbt ein Baum und wird abgeholzt, sein Nachbar scheint aber noch gut in Schuss zu sein, so kann die durch das Abholzen entstandene Baumlücke dazu führen, dass der nächste Baum krank wird und stirbt. Betriebswirtschaftlich ist das oft nicht darstellbar. Die Landwirtschaft bewässert, weil sie mit einer guten Ernte auf Sicht Geld verdienen kann. Ein Waldbesitzer verdient mit der Aufforstung und der Bewässerung kein Geld. Im Gegenteil: Forstet er auf und bewässert nicht, so können Hitze und Dürre oder andere dramatische Naturereignisse die Aufforstung zunichte machen und er müsste nochmal Geld in die Hand nehmen.“
Hinzu kommen Schädlinge, die sich in der heißen Trockenheit sehr wohl fühlen. „Der Kleine Buchenborkenkäfer zum Beispiel.“ Und die Bäume werden instabil und können bei starken Winden kippen. „Im Rahmen der Verkehrssicherheit müssen die Außenränder der Wälder besonders beobachtet werden. Hier ist der Waldbesitzer auch rechtlich in der Haftung. Es gibt Stellen, zum Beispiel in Hattingen im Schulenberger Wald, da war ich fünfmal in drei Jahren mit Baummaßnahmen zur Verkehrssicherheit beschäftigt. Immer wieder ist ein Baum krank geworden und musste gefällt werden.“

Statt Buche und Birke andere Baumarten pflanzen?
Wenn Buche und Birke mit der Schnelligkeit der Klimaveränderung nicht klarkommen, wie sieht es dann mit anderen resistenteren Baumarten aus? „Das wird probiert. Wir schauen in die Mittelmeer-Region und wählen andere Baumarten aus, um beispielsweise eine Kuppe, die vorher mit Buchen bestückt war, neu und anders zu bepflanzen. Ob das funktioniert, wissen wir aber noch nicht. Zum einen können wir nicht gesichert sagen, wie das Klima in zwanzig Jahren aussehen wird. Ein frisch gepflanzter Baum wächst aber im Durschnitt nur einen Meter pro Jahr. Das dauert, bis der groß ist, und da kann auch viel schief gehen. Und die Mittelmeer-Vegetation mag sich besser an unsere Sommer anpassen, aber unsere Winter sind in der Regel kälter als im Mittelmeerbereich. Zumindest noch. Das gefällt den neuen Baumsorten nicht so gut. Kurzum: Wir haben keine kurzfristigen Erfolge und ob sie sich langfristig einstellen, das wissen wir heute noch nicht.“
Und der Teufelskreis geht noch weiter: Eigentlich sind gesunde Bäume wichtige Kohlenstoffdioxidspeicher (CO2). „Gehen die Bäume zugrunde, wird es noch heißer.“

Die Zukunft kann ein Wasserproblem bringen
In der Zukunft könnte es bei Dürre und Trockenheit auch ein immer größer werdendes Wasserproblem geben. „Das sehen wir schon heute und das kann noch schlimmer werden. Auch die Waldbrandgefahr ist ein großes Thema. Wir sehen hier aber auch: Es ist mit sehr deutlicher Mehrheit nicht die Natur, nicht die Dürre und nicht die Trockenheit, die Waldbrände auslöst. Es ist meistens der Mensch. Natürlich wissen viele, dass sie nicht mit brennender Zigarette durch den Wald laufen sollen oder die Zigarette aus dem geöffneten Autofenster schnippen. Aber in unmittelbarer Nähe von sehr trockener Vegetation zu grillen oder eine Feuerschale zu nutzen, kann durch Funkenflug auch verhängnisvoll enden.“
Die Herausforderung ist groß. Eine einfache, eindeutige und vor allem globale oder mindestens internationale Lösung ist nicht in Sicht. Was es gibt, sind aber viele kleine und hoffnungsvolle Projekte. Wie sagte schon der britische Naturforscher Charles Darwin: Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.

Von Dr. Anja Pielorz