Logo
Gesundheit

Die Therapien gegen Krebs werden immer individueller

Onkologin Christina Dockweiler beim Vortrag der Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen.

Christina Dockweiler, Onkologin und Ärztin am EvK

Zu einem spannenden Vortrag mit Diskussion und Fragestunde lud die Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen unter Moderation von Prof. Dr. med. Andreas Tromm die Referentin Christina Dockweiler ein. Sie ist Onkologin und Ärztin am Evangelischen Krankenhaus in Hattingen. In ihrem Vortrag zeigte sie die unterschiedlichen Therapien in der Onkologie auf.

„Während wir früher ausschließlich die Möglichkeit des operativen Verfahrens hatten, haben wir heute eine Vielzahl unterschiedlicher Therapien. Sie werden immer individueller und lassen sich gezielt auf die jeweilige Tumorerkrankung anpassen. Das eröffnet uns bei vielen Krebsarten die Chance, neben der Möglichkeit auf Heilung auch auf eine deutlich verbesserte Lebensqualität und verlängerte Lebenszeit mit Krebs als chronischer Erkrankung zu setzen“, erklärt die Expertin.
Erst ab 1900 gab es mit der Bestrahlung eine zusätzliche Möglichkeit zur Operation. Ab 1950 kam die Chemotherapie dazu, ab 1990 zielgerichtete Therapien, ab 2010 Immuntherapien und heute bietet die Präzisionsonkologie weitere Behandlungsmöglichkeiten.
Während die den meisten Menschen bekannte Chemotherapie ihre Wirkung im ganzen Körper entfaltet und nicht zwischen Krebszellen und gesunden Zellen unterscheidet, sondern alle Zellen angreift, die sich schnell teilen, sind die zielgerichteten Therapien auf den Tumor zugeschnitten. Man kann heute aber auch bei der Chemotherapie mit einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat eine zielgerichtete Krebstherapie ermöglichen. Es handelt sich dabei um ein modernes Medikament, welches eine Krebszelle erkennt, an deren Oberfläche andockt, den Wirkstoff nur im Inneren der Zelle freisetzt und sie so zerstört. Molekulare Untersuchungen des Tumors zeigen den Onkologen heute, welche Therapie die größten Erfolgsaussichten hat. 
Hinzu kommt durch die verbesserte Technik eine immer genauere Diagnostik, die heute sogar stecknadelkopfgroße Tumore im Frühstadium bei entsprechender Vorsorge erkennen kann. 
Für viele Krebsarten werden neue Medikamente entwickelt. So gibt es für Bauchspeicheldrüsenkrebs ein neues Medikament „Daraxonrasib“, welches seit August 2026 in den USA zugelassen ist und in Europa noch auf seine Zulassung wartet. Das Medikament steigert nach Studienergebnissen die Überlebenszeit bei metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich. Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Krebsarten. Daraxonrasib setzt spezifisch an einem der wichtigsten Wachstumstreiber des Tumors an: dem sogenannten RAS-Signalweg. Veränderungen in diesem Signalweg finden sich bei mehr als 90 Prozent aller Bauchspeicheldrüsenkarzinome. Anders als eine klassische Chemotherapie greift Daraxonrasib damit zielgerichtet in die Krebszellen ein und blockiert deren Wachstumssignale.
An der Studie nahmen in sechs Ländern 500 Patienten teil, die zuvor bereits eine Behandlung erhalten hatten. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Die mittlere Überlebenszeit unter Daraxonrasib lag bei 13,2 Monaten, unter Chemotherapie bei nur 6,7 Monaten. Damit konnte die Überlebenszeit nahezu verdoppelt und das Fortschreiten der Erkrankung deutlich länger hinausgezögert werden.
Zur individuellen Therapieplanung bei Tumorerkrankungen gehören eine offene Kommunikation, ein Behandlungsteam und ein gutes Nebenwirkungsmanagement. Einer Krebserkrankung vorbeugen kann jeder Einzelne durch seinen Lebenswandel. Dazu gehören der Verzicht auf Rauchen und – weitestgehend – auf Alkohol, regelmäßige Bewegung sowie die Sensibilität für Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und Vorkommnisse in der eigenen Familiengeschichte. 
Nächster Veranstaltungstermin der Krebshilfe
Am Mittwoch, 11. November, 18 bis 19.30 Uhr, referiert Prof. Dr. Andreas Wiedemann über Urologie im Alter. Veranstaltungenort: Café Metamorphose am Busbahnhof, Hauptstraße 4 in Sprockhövel. Um Anmeldung unter Telefon 02324/708502 wird gebeten. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Prof. Dr. Andreas Wiedemann hat in Essen Medizin studiert und promoviert, 2013 erhielt er seine Habilitation mit dem Thema „Harntraktbeschwerden beim älteren Diabetiker unter besonderer Berücksichtigung seiner Multimorbidität und Multimedikation“. Wiedemann ist Leiter der Klinik für Urologie am Evangelischen Krankenhaus Witten und verfügt über die medizinischen Zusatzqualifikationen Spezielle Urologische Chirurgie, Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Wiedemann wurde 2018 auf die Professur für Urogeriatrie an der Universität Witten/Herdecke berufen. Er gehört in seinem Fachgebiet zu den besten regionalen Ärzten in ganz Deutschland. Das Magazin „Stern“ hat im Jahr 2025 genau 1939 Mediziner aus 36 Fachgebieten ausgezeichnet. Zum dritten Mal in Folge wurde Wiedemann für seine Erfolge in der Behandlung von Inkontinenz geehrt.

Von Dr. Anja Pielorz