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Hattingen

Bürgerverein sagt: „Wir fühlen uns nicht richtig gesehen“

Bredenscheid/Stüter: Aktive Ehrenamtliche wollen mehr als „nur“ ein schönes Wohnumfeld.

Gruppenbild

Der Bürgerverein Bredenscheid/Stüter wurde 2019 gegründet. Das Foto zeigt (v.l.) die Beisitzer Walter Gaubetz und Anna Katharina Bode, Ortsbürgermeister und Beisitzer Kai Wegemann, hinter ihm die Vorsitzende Katharina Jezierski, daneben Jutta Hausmann-Schuster und Beisitzer Jürgen Jaeschke (Kassierer).

Bredenscheid und Stüter sind dörflich. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die schöne Landschaft mit viel Grün, der Radweg, die Ausflugsziele – wunderbar. Aber: wer kein Auto hat, hat ein Problem. Einen Bus zu erwischen, ist Glücksache. Viele Fahrten gibt es sowieso nicht. Auch zum Einkaufen ist das Auto hilfreich, denn ein Supermarkt ist Fehlanzeige. Ein Renner sind allerdings die Automaten-Kioske an der Radtrasse in Bredenscheid. Rund um die Uhr stehen verschiedene Warenautomaten zur Verfügung, unter anderem auch mit Eis von der Schwelmer Eismanufaktur Conti. 
Weil im Laufe der Zeit viele Versorgungseinrichungen schließen mussten – beispielsweise die örtliche Bäckerei sowie Gaststätten – und Bredenscheid sowieso mit seinen beiden Siedlungsschwerpunkten an der Johannessegenerstraße und rund um den Lichtenbruch keine wirkliche zentrale Mitte hat, gründete sich 2019 der Bürgerverein Bredenscheid/Stüter mit dem Ziel, sich untereinander kennenzulernen, zu helfen und gemeinsam den Stadtteil nach vorne zu bringen. Tatkräftige Unterstützung gab es von der Quartiersentwicklerin Gabriele Krefting von der Stadt Hattingen. Säuberungsaktionen im Stadtteil, der Bau einer Boulebahn am Bergmannsweg, ein Bücherschrank an der Johannessegenerstraße/Hackstückstraße und vor allem gemeinsame Treffen und Feste wie das „Kartoffelfest“ bildeten den Anfang. Doch dann bremste die Corona-Pandemie die Bemühungen aus. Erst 2021/22 versuchte man den Neustart.

Für mehr Gemeinsamkeit: Kartoffelfest und mehr
„Heute haben wir rund 50 Mitgliedschaften, das entspricht etwa 80 Personen. Es sind einige Familien darunter sowie die CDU, SPD und die Kirche“, erklärt die Vorsitzende Katharina Jezierski, die gemeinsam mit Karina Scholten (2. Vorsitzende), Jürgen Jaeschke (Kassierer), Christian Mücher (Schriftführer) und den Beisitzern Anna Katharina Bode, Kai Wegemann, Jutta Hausmann-Schuster und Walter Gaubetz den Verein führt. Trotzdem sind die helfenden Hände vor allem bei Festen viel zu wenig. Das merkt man beispielsweise bei dem Kartoffelfest, das in diesem Jahr zum vierten Mal in und um die Räumlichkeiten „Am Zippe 50“ stattfindet. Am Samstag, 5. September, 14.30 bis 20 Uhr, ist es wieder soweit. Musik von dem Acoustic Cover Duo und der Hattinger Musikschule, Aktionen für Kinder und eine Schlangensafari mit Naturführer Martin Maschka und seiner Wildnisschule stehen auf dem Programm Am Zippe 50. Für das leibliche Wohl ist natürlich bestens gesorgt. Etwas schwierig ist es für diejenigen, die nicht gut zu Fuß sind. Denn die Räumlichkeiten, die der Bürgerverein zu bestimmten Zeitfenstern nutzt, liegen – vorsichtig gesagt – sehr abgelegen. Es gibt einen etwas abenteuerlichen Fahrweg und einen kleinen Parkplatz und für den Dorfstammtisch oder die Jahreshauptversammlung passt das noch. Bei Festen muss man allerdings schon am und um Haus Friede parken und den Rest zu Fuß gehen – hin runter, zurück steil bergauf. „Deshalb stehen auf unserer Wunschliste für die Zukunft auf dem ersten Platz zentrale Räumlichkeiten für den Bürgerverein“, sagt Ortsbürgermeister Kai Wegemann. Schon etwas neidisch habe man nach Welper geblickt, wo im Rahmen des Stadtumbau-Projektes mit Fördermitteln ein neuer Bürgertreff an der Hunsebeck entstanden sei. Bei größeren Zusammenkünften kann der Verein zwar den Kirchsaal oder den Jugendraum der evangelischen Kirche nutzen, aber eine dauerhafte Lösung ist das nicht. Gaststätten, in denen Treffen oder der Stammtisch stattfinden könnten, gibt es (nicht) mehr. „Vor allem im Winter ist das hier Am Zippe eine echte Herausforderung. Denn dann ist es hier sehr dunkel“, sagen die Vereinsmitglieder. Zappenduster ist aber keine Option, im Gegenteil. 
„Wir möchten hier gemeinsam etwas bewegen und haben schon vieles angestoßen. So kann jeden Sonntag um 16 Uhr jeder, der mag, Boule spielen. Am Sonntag, 30. August, 16 Uhr findet am Bergmannsweg sogar ein Boule-Turnier statt. Wir bieten Dorfgespräche an. Und es gibt Termine für ein Eltern-Kind-Café. Zu Halloween treffen wir uns zum gemeinsamen Kürbisschnitzen und wer dann vor seiner Wohnung oder Haus den Kürbis aufstellt, der gibt den Kindern ein Signal, hier könnt ihr auf eurer Halloween-Tour Süßes oder Saures bekommen. In der Vorweihnachtszeit haben wir unsere Adventsfenster und es gibt eine Nikolausfeier“, listen Katharina Jezierski und Jürgen Jaeschke Aktivitäten auf. Das Ziel ist es immer, sich kennenzulernen und ein gemeinsames Leben im Dorf voranzubringen. Junge Familien treffen sich immerhin über den Kindergarten und die Grundschule. Aber man möchte alle Generationen einbinden. „Unser zweiter Wunsch wäre eine Verbesserung in der Nahversorgung. Die Automaten-Kioske sind schön, aber wir wünschen uns immer noch einen kleinen Lebensmittelmarkt oder einen Tante-Emma-Laden“, so Kai Wegemann. 
Und – wenn man drei Wünsche äußern dürfte – dann wäre der dritte Wunsch eine bessere Nahverkehrsanbindung. „So einen Anrufbus beispielsweise, wie es ihn im EN-Südkreis gibt“, überlegt Wegemann. 
Fehlt jetzt nur noch die gute Fee, die diese Wünsche erfüllt. „So richtig gesehen fühlen wir uns nicht“, sagt der Bürgerverein. Sicher ist aber: die engagierten Ehrenamtlichen lassen sich nicht entmutigen und bleiben dran. Für Gemeinsamkeit und gute Nachbarschaft „im Dorf“ in Bredenscheid-Stüter. Mitmachen erwünscht!

Von Dr. Anja Pielorz