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Witten

100 Jahre Ruhrbühne: Wahre Institution in Wittens Kultur

Der Theaterverein ist viel mehr als nur das, was man bei Stücken auf der Bühne sieht.

Gruppenbild

Szene aus dem aktuellen Stück „Pension Schöller“.

Die Ursprünge des Vereins liegen gar nicht in Witten, sondern in Bochum. Am 10. Januar 1926 kamen sieben Mitglieder aus zwei Theatervereinen im Bochumer Lokal „Lueg“ zusammen und gründeten den Theaterverein „Waldesrose“ Papenholz. Er entwickelte sich schnell zu einem gut laufenden Theater. Es gibt aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg allerdings keine eigenen Aufzeichnungen mehr. In der Zeit des Nationalsozialismus hatten kleine Theater keine Daseinsberechtigung, der Verein blieb jedoch bestehen.
1948 wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen. 1950 folgte der Umzug von Bochum nach Witten ins Lokal „Wilhelm Zeller“. Der Eintrittspreis für die Stücke lag damals bei einer Deutschen Mark. In den 1950er-Jahren wurden neben Dramen Komödien und Kriminalstücke gespielt. Der Verein musste in den 100 Jahren häufiger seinen Standort wechseln. Auch nochmal eine Zeit lang nach Bochum, wo er im Wirtshaus „Hiby“ eine Bühne in Eigenleistung errichtete. 1967 wurde im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der neue Vereinsname beschlossen: „Ruhrbühne Witten“.

Standortwechsel in Witten und Bochum
Die wechselte 1969 in den „Saalbau Hellmann“, 1987 in Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptschule in Bommern, ehe es in den Räumen der ehemaligen Rudolf-Steiner-Schule beheimatet war, dessen Grundstück die Stadt Witten 2009 an den Verein veräußerte. Neben Schauspielen wurden in den 1970er-Jahren Karnevalsbälle veranstaltet. Zudem wurde der 1975 eröffnete Saalbau Witten zu einer regelmäßigen Spielstätte der Ruhrbühne. „Dort haben wir vor bis zu 800 Personen gespielt und mussten unser gesamtes Equipment mitbringen“, erinnert sich Schauspielerin und Regisseurin Martina Ende-Bollin, die seit 55 Jahren im Verein mitwirkt und damit Dienstälteste ist.
Sie beschreibt ihren Verein folgendermaßen: „Wir sind ein reines Amateurtheater mit professioneller Ausrichtung.“ Die knapp 130 Mitglieder sind zwischen 8 und 87 Jahre alt. Viele Mitglieder sind passiv und unterstützen den Verein durch ihren Beitrag. Der Vorsitzende, Martin Grunewald, schätzt den Anteil der wirklich Aktiven auf rund 50 bis 60. Nach Ansicht von Grunewald sei gerade das Theater eine Form, was auch in modernen Zeiten weiterhin bestehen kann. „Es ist nichts Retuschiertes, sondern handgemacht und live vor den Zuschauern“, sagte Grunewald kürzlich im Rahmen eines WDR-Beitrages.

Eigene Stücke und pralles Programm
Ende der 1970er-Jahre gab es mal einen Mitgliederschwund, weshalb für einige Jahre eine Kooperation mit dem Theaterverein „Heiterkeit“ aus Dortmund-Huckarde zustande kam. Neben Welt- und Uraufführungen entstanden eigene Stücke, etwa das Märchen „Zwerg Nase“ von Wilhelm Hauff und Lothar Simelka. Ein Märchen wird übrigens meist im Dezember gespielt. Dieses Jahr „Die kleine Hexe“. Im Frühjahr gibt es ebenfalls ein festes Stück – Komödien, Thriller oder etwas Musikalisches wie zuletzt das Berliner Kult-Musical „Linie 1“.
In den vergangenen Wochen brachte die Ruhrbühne mit „Pension Schöller“ einen der bekanntesten Lustspielklassiker der deutschen Theatergeschichte auf die Bühne. Im September steht jedes Jahr ein weiteres Stück auf dem Programm. Dieses Jahr ist es „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare. Die Stücke werden neun- bis zwölfmal aufgeführt. In den Theatersaal passen 110 Gäste. In den 100 Jahren kamen insgesamt 172 Stücke (darunter auch szenische Lesungen) zusammen. Zwischendurch sind Gastspiele im Theater zu sehen. Im Raum der kleinen Studiobühne wurden auch schon mal Krimi-Diner veranstaltet.

Originelle Kostüme bekommen
Herausforderungen für die Stücke beginnen schon bei der Anmeldung, die rechtlich vorgenommen werden muss. Dann gilt es, die passende Besetzung zu finden, zu proben, den Bühnenaufbau und die Technik zu organisieren. Die Kostüme werden größtenteils selbst gemacht. Requisiten wurden sogar mal bei der Lufthansa angefragt, als Uniformen für das Stück „Boeing boeing“ (1985) gesucht wurden. „Wir wollen so zeitgemäß wie möglich sein“, erklärt Ende-Bollin. Von der deutschen Lottogesellschaft erhielt der Verein einen Original-Lottoschein aus dem Jahr 1952 für das Stück „Komm raus aus dem Schrank“ (1995).
Am und im Gebäude gibt es immer etwas zu tun. 2019 gab es einen Fundamentbalkenbruch. 2021 überschwemmte das Jahrhunderthochwasser das komplette Gebäude. Die Folge: eine aufwendige Fußbodensanierung. Der Theaterverein hielt all dem Stand. Auch der Corona-Pandemie, anlässlich der Susanne Haußmann das Stück „Die Crengelmanns, dat Virus und dem Oppa sein 80. Geburtstag“ schrieb. Erst vor kurzem hat der Verein die Fassade seines Gebäudes erneuert und steuert euphorisch den nächsten 100 Jahren entgegen.

Von Hendrik Steimann

INFO: Sommerfest am 6. Juni

Am Samstag, 6. Juni, feiert die Ruhrbühne an der Bochumer Straße 10a ein Sommerfest. Ab 14 Uhr werden die Türen geöffnet. Ab 15 Uhr gibt’s für die kleinen Gäste eine Hüpfburg, Kinderolympiade, Kinderschminken und weitere bunte Aktionen. Ab etwa 17 Uhr wird es kreativ und lebendig mit einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm mit Live-Musik, Theater-Workshops und Führungen hinter die Kulissen des Theaters. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. Ab 22 Uhr kann getanzt werden.