Wieder neun Jahre auf dem Gymnasium bis zum Abitur?

Unterschriften werden gesammelt - Schulleiter sieht im Lehrermangel schon jetzt Problem.

Gerd Buschhaus, Schulleiter des Gymnasiums Holthausen in Hattingen, steht G9 positiv gegenüber - allerdings möchte er die Option haben, Schüler auch einen Jahrgang überspringen zu lassen. Die Kernprobleme liegen für ihn sowieso im Lehrermangel - bei G8 und G9.

Nach 39 Jahren gibt es in Nordrhein-Westfalen erstmals wieder ein Volksbegehren. Mit Beschluss vom 13. Dezember 2016 hat die Landesregierung die amtliche Listenauslegung und die parallele Durchführung der freien Unterschriftensammlung für das Volksbegehren „G9 jetzt!“ zugelassen. Ziel des Volksbegehrens ist die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren. 2005 war die Schulzeit an Gymnasien auf acht Jahre gekürzt worden. In der Gesamtschule sind es übrigens immer noch 13 Jahre bis zum Abitur.

Um Erfolg zu haben, müssen die Initiatoren zunächst innerhalb eines Jahres die Unterschriften von knapp 1,1 Millionen wahlberechtigten Bürgern sammeln. Dazu gibt es zwei Wege. Die Eltern­initiative „G9-jetzt” darf überall im Land, etwa an Infoständen und bei Veranstaltungen, ein Jahr lang Unterschriften von wahlberechtigten Bürgern sammeln.
Unterschreiben dürfen Deutsche ab 18 Jahren mit Erstwohnsitz in NRW. Zusätzlich zur freien Unterschriftensammlung müssen alle NRW-Kommunen die Unterschriftslisten auslegen. Das ist bereits geschehen und dauert bis zum 7. Juni.
Die Ämter müssen dazu auch an vier Sonntagen öffnen. Laut Gesetz ist diese Möglichkeit zur sogenannten Amtseintragung auf 18 Wochen beschränkt.
Kommt die notwendige Zahl der Unterschriften zusammen, ist der Landtag am Zug.
Lehnt die Mehrheit der Abgeordneten das Volksbegehren ab, kommt es dann zu einem Volksentscheid.
In diesem Fall kann dann die wahlberechtigte Bevölkerung das Gesetz selbst durch Abstimmung beschließen, wenn entsprechende Mehrheiten erreicht werden.
Auch in Hattingen liegen die Listen bis zum 7. Juni aus und können innerhalb der üblichen Öffnungszeiten des Bürgerbüros, Bahnhofstraße 48, unterschrieben werden. Zusätzlich ist das Unterschreibem an vier Sonntagen möglich: 19. Februar 2017, 26. März 2017, 30. April 2017 und 28. Mai 2017, jeweils von 10 Uhr bis 14 Uhr. Die Listen liegen in Sprockhövel in den beiden Bürgerbüros aus.
Auch in Witten können Bürger unterschreiben und zwar montags und dienstags von 8 bis 17 Uhr, mittwochs und freitags von 7.30 bis 13 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr in Zimmer 1 im Wittener Rathaus. Um Berufstätigen die Teilnahme zu erleichtern, liegen die Listen auch an vier benannten Sonntagen aus, dann in der Bibliothek an der Husemannstraße.

Das sagt ein Schulleiter
Mittendrin im Geschehen ist Gerd Buschhaus, Schulleiter am Gymnasium in Hattingen (Holthausen). Für ihn ist die Verwaltung des Lehrermangels auch schon unter G8 ein Dauerproblem. Gerade eben hat er einen aktuellen Brief an die Eltern geschrieben, um wieder einmal den Stundenausfall und die Notwendigkeit eines neuen Stundenplanes zu erklären. „Da mag ich mir gar nicht vorstellen, wieviele Lehrer bei der Wiedereinführung von G9 fehlen werden”, seufzt er.
Obwohl: Grundsätzlich kann er die Sorgen der Eltern und die Probleme der Schüler schon verstehen. „Es ist richtig, dass wir eine Stundenzeitverdichtung haben. Das aber hängt nicht allein mit G8 zusammen, sondern ist auch ein Ergebnis der Vereinbarungen der Kultusminister. Haben wir in den achtziger Jahren in der Oberstufe ein Stundenkontingent von dreißig Wochenstunden gehabt, so sind es heute 34 Stunden, manchmal sogar bis zu 38 Stunden. Außerdem verbringen die Schüler durch Arbeitsgemeinschaften viel Zeit in der Schule. Bei der Einführung von G8 wurden handwerkliche Fehler gemacht. Zum Beispiel die zweite Fremdsprache bereits in der sechsten Klasse beginnen zu lassen - vor allem bei durchschnittlichen und schlechteren Schülern ein großes Problem.
Hinzu kommt, dass Schule neben dem Bildungsauftrag viele zusätzliche Funktionen erfüllen soll: Es geht um Integration, es geht um Inklusion, es geht um Berufsvorbereitung und es geht um individuelle Schülerprobleme, die deutlich zugenommen haben. Wenn wir zu G9 zurückkehren, dann muss es für Schüler eine Möglichkeit geben, eine Klasse zu überspringen. Es muss eine gemeinsame Lösung mit dem Gymnasium Waldstraße her, damit die kooperativen Kurse  weiterlaufen können. Keinesfalls kann an einer Schule G8 und G9 laufen und die Entscheidung sollte auch nicht der einzelnen Schule vorbehalten sein.”
Mehrfach haben wir uns telefonisch und per E-Mail um eine Stellungnahme des Albert-Martmöller-Gymnasiums in Witten bemüht, leider ohne Erfolg.


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