Wie aus einem Floh- ein Trödelmarkt wurde

Am ersten Sonntag nach Pfingsten wird in Haßlinghausen getrödelt. Die erfolgreiche Veranstaltung steht jetzt unter dem neuen Vorsitz von Michael Cramer. Wolfgang Weiss mischt als zweiter Vorsitzender mit. Gemeinsam wollen sie den Werbering in die Zukunft führen.

Kassierer Bernd Rode, Vorsitzender Michael Cramer, stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Weiss (v.l.) bilden mit Siegfried Kikuth (Kassierer), Margret Obermann (Schriftführung) den neuen Vorstand.

Immer am ersten Sonntag nach Pfingsten ist es soweit: Dann wird in Haßlinghausen auf dem Rathausplatz, dem Sparkassenparkplatz und der Mittelstraße von 8 bis 18 Uhr getrödelt. In diesem Jahr findet der beliebte Trödel schon zum 58. Mal statt am Sonntag, 16. Juni. Angeschlossen ist ein verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Zum ersten Mal steht Michael Cramer als neuer Vorsitzender an der Spitze vom Werbering Hasslinghausen.

Wie das so ist: Um Ehrenämter reißt man sich nicht besonders, aber manchmal wird die Notwendigkeit ihrer Ausübung zum Pflichtprogramm. So war das auch bei der Wahl des neuen Vorstandes auf der Jahreshauptversammlung vom Werbering Haßlinghausen. Von 84 Mitgliedern waren bescheidene 15 erschienen - auch das ist leider mittlerweile die Regel bei Vereinsversammlungen jeder Art.
Wolfgang Weiss, bisheriger Vorsitzender im Werbering, ist ein Urgestein. Viele Jahre war er stellvertretender Vorsitzender im Haßlinghauser Werbering, bevor er nach dem Tod von Bernd Asbeck die Leitung übernahm. Mit seinem Geschäft befindet er sich seit Jahrzehnten mitten im Geschehen. Doch das mit dem Geschäft neigt sich dem Ende entgegen und kürzer treten möchte Weiss auch. Deshalb, so hatte er bereits im Vorfeld angekündigt, wolle er „nur“ noch stellvertretender Vorsitzender werden, um die Organisation geordnet in neue Hände zu übergeben.
Die neuen Hände hatte er im Vorfeld der Versammlung gesucht und gefunden. Mit Michael Cramer steht nun ein Haßlinghauser an der Spitze, der den Elek­trofachhandel Sudhoff an der Mittelstraße führt.
„Ohne den Werbering und unsere Veranstaltungen stirbt Haßlinghausen als Einzelhandelsstandort aus“, ist sich Wolfgang Weiss sicher. Deshalb sei es wichtig weiterzumachen. Deshalb ließ sich auch Michael Cramer überzeugen, denn Arbeit hat der Unternehemer eigentlich genug. „Aber ich will etwas für Haßlinghausen tun und ich hoffe dabei auf die Unterstützung der anderen Mitglieder im Werbering. Das ist Teamarbeit“, macht er bereits in der Wahlversammlung deutlich.
Erste Veranstaltung unter seinem Vorsitz ist der beliebte Trödelmarkt. „Zweimal im Jahr trödeln wir: am ersten Sonntag nach Pfingsten und am ersten Sonntag im September“, erinnert sich Wolfgang Weiss. „Seit rund 35 Jahren wird getrödelt. Die Idee entstand vor dem Hintergrund der Finanzierung für unsere Weihnachtsbeleuchtung. Zunächst haben wir nur einmal im Jahr getrödelt. Vor zwanzig Jahren haben wir beschlossen, zweimal im Jahr die Veranstaltung durchzuführen. Zum einen wurde die Weihnachtsbeleuchtung immer teurer, zum anderen lief die Veranstaltung auch gut.“
Mittlerweile tummeln sich auf den Veranstaltungsflächen zwischen 250 und 300 Trödler. „Es ist eine bunte Mischung von privaten Personen und Gewerbetreibenden. Was uns wichtig ist: Es wird nichts Neues verkauft. Was nicht verkauft wird und natürlich der eigene Müll müssen wieder mitgenommen werden. Darauf achtet unser Ordnungsdienst, aber auch die Geschäftsleute.“
Nur auf dem Rathausplatz werden die einzelnen Standorte für die Trödler fest vergeben. Ansonsten kann man frei wählen. Der Erlös aus den beiden Trödelmärkten geht nach wie vor in die Weihnachtsbeleuchtung. „2015 gab es an der Mittelstraße neue Laternen und da passten die Anschlüsse der rund dreißig Jahre alten Beleuchtungskörper nicht mehr. Also musste eine Neuanschaffung her. Kostenpunkt 20.000 Euro. Zur Finanzierung war eine Umlage von jeweils 200 Euro für die Mitglieder erforderlich. Das haben auch alle bezahlt. Und einige Sponsorengelder gab es auch noch. Jetzt decken wir mit dem Erlös aus den Trödelmärkten die laufenden Kosten wie Wartung und Reparaturen von rund 13.000 Euro pro Saison.“
Wussten Sie übrigens, dass der Trödelmarkt auch „Flohmarkt“ genannt wird und diesen Namen spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten verdankt? Sie wurden nämlich durch Lumpenhändler dem Volk überlassen und dabei wechselte auch der ein oder andere Floh den Wirt. Der Flohmarkt“ hat seinen Ursprung als „Marché aux Puces“ in Paris und den ersten soll es um 1890 gegeben haben.  
Den ersten deutschen Flohmarkt gab es erst 1967 in Hannover.

 


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