Wetter-Hahn und Luther-Schwan grüßen von nah und fern

Der Sprockhöveler Heimat- und Geschichtsverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Historie der Stadt zu erhalten und den Bürgern zu vermitteln. Und sie wünschen sich noch mehr engagierte Mitforscher auf heimatkundlichen Wegen.

Regelmäßig treffen sich die Arbeitskreise vom Heimat- und Geschichtsverein, um die Historie der Stadt Sprockhövel zu erforschen. Im nächsten Jahr feiert die Stadt ihren fünfzigsten Geburtstag und da sind die Heimatexperten natürlich auch gefragt. Gern hätte der Verein noch mehr aktive Unterstützer und Forscher.

Einer der Arbeitskreise im Heimat- und Geschichtsverein forscht zu den Kirchen der Stadt. Hanspeter Dabruck sowie Renate und Klaus Koch haben schon viel Wissenswertes zusammengetragen. Wussten Sie eigentlich, dass auf der Kirche in Haßlinghausen ein Schwan statt des klassischen Wetter-Hahns auf der Kirchturmspitze thront? „Der Schwan ist ein Symbol für den Reformator Martin Luther (1483-1546). Einer seiner Vorgänger, der tschechische Reformator Johannes Hus, zu deutsch Johannes Gans, wurde 1415 von der katholischen Kirche wegen Ketzerei zum Tod verurteilt. Auf dem Weg zum Scheiterhaufen soll er gesagt haben: ‚Heut in des argen Feuers Glut, ein arme Gans ihr braten tut, nach hundert Jahren kommt ein Schwan, den sollt ihr ungebraten lan (lassen).‘ Und fast genau 100 Jahre später schlug Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und läutete so die Reformation in Deutschland ein. Seitdem wurde die Prophezeiung von Hus auf Luther bezogen. Seit frühester Zeit wird Luther daher auf Bildern mit einem Schwan dargestellt“, erklären die Heimatforscher.
Warum der Hahn in der Kirchengeschichte und der Bibel eine wichtige Rolle spielt, wissen die Heimatexperten auch: „Da geht es um Petrus, den Wortführer der Jüngergruppe, der ‚Fels‘ genannt. Und ausgerechnet zu ihm sagt Jesus: ‚Du wirst mich verleugnen, dreimal, noch ehe der Hahn kräht.‘ Und tatsächlich: Als Jesus gefangen genommen wird und vor Gericht steht, da schleicht Petrus im Hof herum und wird angesprochen. ‚Du gehörst doch auch zu ihm!‘ Nein, sagt Petrus. Dreimal lügt er, bis der Hahn kräht. So hat sich Petrus also im Wind gedreht - wie der Hahn oben auf dem Kirchturm. An diese Geschichte erinnert also der Wetterhahn auf Kirchtürmen - er mahnt zur Reue und zum Mut.“ Ganz früher, da lagen die Ämter von Schulmeister und Küster in Sprockhövel in einer Hand. Viele Jahre war es die Lehrer- und Pfarrerfamilie Mahler, aus der die wichtigen Leute hervorgingen.
Nicht fehlen darf beim Blick in die Kirchengeschichte auch die Kirche am Gedulderweg, in der sich heute ein Fitness-Tempel befindet. Und bevor es dort eine Kirche gab, war da auch einmal eine Gaststätte.
Neben dem Thema Kirchen wird auch zur heimischen Industrie, zur Landwirtschaft und zu Steinbrüchen geforscht. Und natürlich gibt es auch immer wieder Verbindungen der einzelnen Themen.
„Wir wünschen uns mehr aktiv Interessierte, die Spaß daran haben, das Alte zu erforschen und es der Jugend nahe zu bringen“, sagen Christina Hermann und Jürgen Heckes. Kontakte zu Schulen, etwa Besuch der Heimat­stube oder im Rahmen des „Historischen Klassenzimmers“ gibt es. Interesse geweckt? Kontakt unter Jürgen Heckes, Telefon 02324/62706, Mail juergen.heckes@t-online.de.


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