Von wegen „dummer Esel“: Schlaue Vierbeiner im Einsatz

Diplom-Sozialarbeiterin Sabrina Alexander bietet tiergestützte Eseltherapie und Geburtstage.

Julia und Sabrina Alexander mit Isabella. Am Fototag war es gerade Elli, die sich besonders fotogen zeigte. „Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Wenn Esel zu etwas keine Lust haben, wird man sie auch nicht dazu bewegen können“, lacht Sabrina Alexander.

Sabrina Alexander hat ihr Projekt „Ruhresel“ am Heierberg gestartet. Sie bietet tiergestützte Therapie, Ausflüge, Kindergeburtstage und Esel-Yoga. Die Diplom-Sozialarbeiterin und die Esel - es war Liebe auf den ersten Blick zwischen der engagierten Frau und den überlegten Fluchttieren.

Ein Esel ist weder dumm noch stur - sondern entscheidet ganz für sich allein. Ein Leittier gibt es nämlich nicht. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und lebt diesen auch aus. Die 36-Jährige ist bei einer Zusatzausbildung zur tiergestützten Therapie auf den Esel gekommen. Jetzt leben Mathilde, Isabella, Lotte und Elli (zwei der Tiere sind Pflege-Esel) am Heierberg. Mathilde und Isabella sind die Kuschel-Freaks, die beiden anderen schauen sich das ganze Treiben erst mal aus weiterer Entfernung an. In der Regel. Denn bei unserem Besuch war das anders: Elli verliebte sich in Julia (18) auf den ersten Eselblick und ließ sich striegeln, putzen und liebkosen.
Im Einsatz sind die Ruhresel in der tiergestützten Therapie, die sich noch im Aufbau befindet. Zum Beispiel „arbeiten“ die Tiere mit einem jungen Mann mit geistiger Behinderung und ohne Gehör. „Elli findet ihn interessant. Es ist toll zu sehen, wie er in Interaktion mit den Tieren kommt“, berichtet Sabrina Alexander. Krankenkassen zahlen diese Form der Therapie derzeit noch nicht.   Dabei ist der Charakter der Esel sehr gut für Therapien geeignet. „Wer besonders aufgedreht ist, der wird unter Umständen erleben, dass er sich selbst zurücknehmen muss, damit der Esel mit ihm in direkten Kontakt geht. Sonst dreht sich das Tier um und geht - es spiegelt das Verhalten des Menschen.“
Begegnungen mit den Eseln ermöglicht die Hattingerin auch auf Esel-Wanderungen – Halbtagestouren mit Picknick oder kürzere Strecken. Dazu gehört immer, mit den Tieren in Kontakt zu kommen, die Handhabung zu lernen, sie zu putzen und zu sehen, welcher Esel zu wem passt und gerade Lust hat. „Denn es geht nicht nur um die Menschen, sondern immer auch um die Tiere“, betont die Besitzerin. Diese Touren sind für jedermann geeignet. Was es nicht gibt: Esel werden hier nicht als Reittiere eingesetzt. Bis zu zwei Personen führen einen Esel. Dabei ist auch ein ­kleiner Teilnehmerkreis möglich.
Etwas mehr Trubel herrscht bei den eseligen Kindergeburtstagen, die Sabrina Alexander organisiert. Dabei gibt es zum Beispiel Schatzsuchen und natürlich viel Wissenswertes über die Esel. Für die Wanderungen und Feiern können individuell Termine vereinbart werden.
Ein besonderer Spaß soll in diesem Jahr wiederholt werden: Esel-Yoga. Während die Teilnehmer ihre Übungen machen, erkunden die Esel das Gelände und stupsen die Sportler auch schon mal an.
Aufpassen müssen die Teilnehmer auf ihre Schuhe. „Eseldame Isabella klaut sie besonders gern“, sagt Sabrina Alexander lachend. Im Frühjahr/Sommer soll es neue Termine geben. Wussten Sie übrigens, dass Esel auf ihrem Rücken immer ein „Eselkreuz“ tragen? Es gibt verschiedene Legenden darüber - etwa diese: Als Jesus nach Jerusalem reiten wollte, wandte er sich an das Pferd und fragte, ob es ihn auf sich nehmen und nach der Stadt tragen wolle. Das Pferd aber, das gerade mit Fressen beschäftigt war, antwortete ihm, es wolle erst zu Ende fressen. Darauf wandte sich Jesus an den Esel und fragte, ob er ihn tragen wolle. Dieser war bereit und trug ihn nach Jerusalem. Als Zeichen seines bereitwilligen Gehorsams hat Jesus dem Esel das Kreuz auf den Rücken gegeben, welches immer dunkler gefärbt ist als der übrige Rücken.
Die Pferde aber müssen seitdem immer fressen.  
Wer sich für die Esel interessiert oder den therapeutischen Ansatz kennenlernen möchte, kann Sabrina Alexander per Mail unter post@ruhresel.de oder telefonisch unter 0177/7155620 kontakten.
Infos auf www.ruhresel.de

 


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