Vierzehn Stolpersteine verlegt

Die neuerliche Verlegung von Stolpersteinen in Herbede fand am 17. Dezember 2016 statt.

Diesmal in zentraler Lage in der Meesmannstraße 35.  Am selben Tag wurden in der Innenstadt noch zwei Stolpersteine vor dem Haus Parkweg 1 und drei Stolpersteine vor der Ruhrstraße 40 sowie sechs vor der Ruhrstraße 19 verlegt. Wie bei der Erstverlegung vor einem Jahr, so hatten auch dieses Mal Schülerinnen und Schüler der Hardenstein-GS – Levi Dieckmann, Antonia Pöller und Antonia Klauß – unter Begleitung der Lehrerin Margareta Schlingmann sowie des Stadtarchivs Witten die bedrückenden Schicksale der Familie Gustav Eichenwald, Emma Eichenwald, geb. Rosenbaum, und Tochter Grete Eichenwald recherchiert und öffentlich vorgetragen. Der Leidensweg der Eheleute Eichenwald, bis zu Beginn der 1930er Jahre noch verwurzelte und geachtete Herbeder Bürgerinnen und Bürger, begann nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mit sogenannter Schutzhaft, Zwangsarbeit und endete nach Deportation durch Ermordung in Auschwitz 1943. Die Tochter Grete emigrierte 1937 in die USA. Den Eheleuten Eichenwald wurde, durch Beschluss des damaligen Herbeder Gemeinderates, kurz nach ihrer Deportation 1943 das Eigentum entzogen und die Immobilie, Wohnhaus und persönliches Eigentum an der Meesmannstraße dem NS-Staat übertragen. Nach Kriegsende erfolgte eine Rückgabe der Immobilie an die Tochter Grete Eichenwald, die diese an einen Herbeder Unternehmer veräußerte und dann in ihre neue Heimat USA zurückkehrte, in der sie 1988 verstarb.
Die Verlegung der drei Stolpersteine durch den Künstler Gunther Demnig erfolgte unter musikalischer Begleitung von Mitgliedern des Posaunenchores Herbede. In der Eröffnungsrede stellte die Bürgermeisterin Sonja Leidemann den bisherigen Werdegang der Stolpersteinverlegung in Witten (derzeit 65 Steine) in den vergangenen 3 Jahren dar und verwies auf die zwischenzeitlich hohe Bedeutung dieser Art der Erinnerungskultur mit mehr als 60.000 verlegten Steinen europaweit.
Thorsten Schröder, Diakon der evangelischen Kirchengemeinde Herbede, hob besonders das geschichtliche Engagement der Jugendlichen hervor und zeigte sich davon berührt. Mit Schilderung einer bedrückenden Begebenheit während der Zwangsarbeit von Gustav Eichenwald auf dem Eisenbahngelände in Herbede machte Heiner Knährich (Vorsitzender des Heimatvereins Herbede) die Ortsgeschichte und die gesellschaftlichen Abgründe dieser Zeit für die 40 Teilnehmer dieser Veranstaltung (nahezu körperlich) begreifbar. Dieter Boele (Vorsitzender des Bürgerkreises Herbede) wies in seiner Abschlussrede auf die heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen hin und betonte die Notwendigkeit, diese vergangene Zeit „wach zu halten“ und durch noch lebende Herbeder Bürger und Bürgerinnen erlebbar und begreifbar zu erhalten. Dieses noch vorhandene Wissen sollte in örtlichen Schulen an nachfolgende Generationen, aber auch an interessierte Bürger vermittelt werden. Heimatverein und Bürgerkreis würden, bei Bedarf, entsprechende Aktionen unterstützen. Mit dieser zweiten Verlegung sind in Herbede – an den drei Orten Am Berge 3, Kirchstraße 27 und Meesmannstraße 35- insgesamt 16 Stolpersteine verlegt. Weitere Verlegungswünsche bestehen noch in der Gerberstraße und der Straße Am Huchtert.


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