Traumjob Bürgermeister? Dirk Glaser aus Hattingen

Seit 2015 ist er Stadtoberhaupt von Hattingen. Als Bürger-Bürgermeister will Dirk Glaser Ansprechpartner für alle sein. Der politische Quereinsteiger kommt aus dem Journalismus. Was sagt er zu seinem Job und zu seinen Aufgaben als Chef der Verwaltung?

Dirk Glaser ist das Stadtoberhaupt in Hattingen. Er mag seinen Job und sieht die Stadt für Herausforderungen gut gerüstet.

IMAGE: Die Bürger empfinden den Job als Stadtoberhaupt nicht selten als eine Mischung zwischen Sekt und Selters, Häppchen und Konferenzen. Hinzu kommen ebenfalls nicht selten Online-Anfeindungen und manchmal auch persönliche Attacken. Ist der Job als Stadtoberhaupt ein schöner Job?
GLASER: Die schönen Seiten überwiegen eindeutig! Es ist eine besondere Herausforderung, eine Stadt weiterzuentwickeln, die Verbindung zu den Menschen zu suchen und zu halten und ihnen auch manchmal helfen zu können. Ich sehe mich als Teamplayer, der gerne gemeinsam Entscheidungen trifft. So habe ich immer gearbeitet. Natürlich sind auch Ärger und Enttäuschungen Inhalte meines Jobs. Angriffe, vor allem persönlicher Art, lehne ich ab. Man muss lernen, sich ein dickeres Fell zuzulegen. Kommentare in den sogenannten sozialen Medien verfolge ich nicht regelmäßig. Ich mag meinen Job sehr und fühle mich in ihm sehr wohl. Mein persönliches Leben hat sich durch den Kontakt zu den Menschen und den Aktivitäten in dieser Stadt sehr bereichert.

IMAGE: Der neue Regionalplan richtet seinen Blick verstärkt auf die Industriebrachen im Ruhrgebiet, die wieder mit Leben gefüllt werden sollen. Die ländlichen Regionen und die Gebiete am Rande des Ruhrgebietes scheinen eher eine Freizeitrolle zu spielen. Doch auch diese Städte wollen und müssen wachsen. Gibt es eine Chance, die Regionalplaner umzustimmen?
GLASER: Den Ansatz, auf einer Industriebrache Neues entstehen zu lassen, halte ich für richtig. Das haben wir in Hattingen schon früh erkannt. Beispiele dafür sind das Hüttengelände, aber auch die Standorte des ehemaligen Rewe-Zentrallagers und des O & K-Geländes. Wenn wir als Wirtschaftsstandort im Ruhrgebiet und zudem als grüne Freizeitregion wahrgenommen werden, so ist dies für Hattingen ein Tourismusfaktor, der Geld in unsere Stadt bringt.

IMAGE: Welche Herausforderungen hat die Stadt 2019 zu meistern?
GLASER: Die Stabilisierung der Finanzen, denn unser Schuldenstand ist immer noch erschreckend. Die Übertragung der Kanalnutzungsrechte an den Ruhrverband könnte hier Entlastung bringen. In der Stadt stehen wir mit der Schaffung neuer Kitas am Rosenberg, in Holthausen und Niederwenigern, dem Ausbau der Digitalisierung, der Umsetzung des neuen Abfallkonzeptes, der Fortsetzung von „Hattingen hat Haltung“ vor Herausforderungen, die wir bewältigen werden. Außerdem gilt es, die interkommunale Zusammenarbeit zu stärken.

IMAGE: Auf welche Highlights freuen Sie sich als Bürgermeister in 2019?
GLASER: Da gibt es keine spezielle Veranstaltung, aber ich genieße es, im Sommer durch unsere Stadt zu gehen und die Menschen in den Cafés sitzen zu sehen und einfach das bunte Leben zu erleben.

IMAGE: Wie ist die Stadt in den Bereichen Bildung und Wohnen ausgerichtet? Gut aufgestellt oder eine zu lösende Herausforderung?
GLASER: Zu den Kitas und der Digitalisierung habe ich schon etwas gesagt. Das Projekt „Gute Schule 2000“ ist mir auch wichtig. Und wir nutzen alle möglichen Fördertöpfe, um vor Ort viel zu bewegen. Beim Wohnen müssen wir darauf achten, eine Mischung zwischen dem sozial geförderten Wohnungsbau und höherwertigen Objekten anzubieten. Ich glaube aber, wir sind hier mit unseren Partnern gut aufgestellt. Wer durch die Stadt geht, der sieht: Überall wird gebaut!

IMAGE: Ein immer wieder neu diskutiertes Problem ist die gefühlte Ferne zwischen Politik und Bürgern.
Sehen Sie das auf der kommunalen Ebene auch als vorhandenes Problem oder überwiegt hier die Bürgernähe?
GLASER: Ich bin als Bürger-Bürgermeister angetreten und ich glaube, so werde ich auch wahrgenommen. Ich bin in einem ständigen Kontakt mit Menschen vor Ort und ich denke, man spricht mich oft und wohl auch gern an. Ich empfinde für mich persönlich diese Ferne nicht.

IMAGE: Was sagen Sie als Bürgermeister zur gerade heiß diskutierten Straßenausbaugebühr? Gehört sie abgeschafft? Und wie sähe eine Gegenfinanzierung aus?
GLASER: Die Landesregierung hat eine Reform bereits angekündigt. In ihrer jetzigen Form darf sie nicht bleiben, denn sie gefährdet Existenzen. Die Frage bleibt aber, ob ein steuerfinanzierter Ausbau durch die Allgemeinheit wirklich gerechter wäre.

IMAGE: Fünfzig Jahre Neugliederung EN-Kreis 2020: ein Grund zum Feiern oder ist der Kreis ein kommunales Zwischengebilde auf dem Weg in eine größere Struktur, weil er in dieser Form aufgrund der strukturübergreifenden Probleme mittel- bis langfristig nicht überleben kann?
GLASER: Wir sollten feiern! Wir arbeiten mit dem Kreis, aber auch mit Witten, Bochum und Herne gern zusammen – eine gute partnerschaftliche Beziehung!


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