Sponsoring und Macht(missbrauch): Welche Antwort hat die Politik?

Ein Hattinger Sponsor will einen Vertrag mit einem Sportverein abschließen - Geld gegen
Stadion-Namensrechte. Kontakte zu den Medien soll der Verein mit dem Sponsor absprechen, mit einem Medium ganz unterlassen. Journalistenverband NRW und Politik sind irritiert.

Dirk Glaser ist das Stadtoberhaupt in Hattingen. Er mag seinen Job und sieht die Stadt für Herausforderungen gut gerüstet.

Die Fakten sind schnell erzählt: Im Juni veröffentlichten Hattinger Medien einen Bericht, wonach der Sponsor des Fußballvereines DJK Märkisch Hattingen, die Innova Immobilien, nur unter einer Auflage zu einem Sponsorenvertrag bereit war. Diese Auflage schloss Pressekontakte für die 15-jährige Dauer des Sponsorenvertrages zu Mitarbeitern der RuhrkanalNEWS aus.  
In der ursprünglichen Version des Vertrages war zu lesen: „Zur Unterstützung des Vereins wird mit dem Sponsor eine Geldzuwendung nach § 2 in Höhe von netto 387,-€/Monat für die Laufzeit des Vertrages (15 Jahre) vereinbart. Diese Zusage ist an die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung zur Namensrechtsvergabe an der Sportanlage „In der Behrenbeck‘ geknüpft. Erfolgt diese nicht, so ist der gesamte Vertrag unwirksam.“ Weiter heißt es im Vertrag: „Der Sponsorenvertrag wird - vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt Hattingen - unter der Vorgabe abgeschlossen, dass sich der Verein verpflichtet, keinerlei pressetechnischen Kontakte, bezogen auf die Fußballabteilung des Vereines, zu RuhrKanalNews sowie deren Mitarbeiter zu pflegen. Dieser Ausschluss betrifft alle Mitglieder des Vereines sowie jegliche Pressemitteilungen wie auch sonstigen Presseinformationen an RuhrKanalNews für die gesamte Dauer dieses Sponsorenvertrages. “
Dieser Vertrag schaffte es nicht in den politischen Raum, aber in die Medien. Am 13. Juli berichtete WDR 5 über den Vorfall. In dem Beitrag äußert sich Volkmar Kah, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes NRW. Er kennt solche Versuche der Beeinflussung der Presseberichterstattung und ihm sträuben sich dabei jedesmal die Haare. Nachdem der DJK Märkisch Hattingen die Erstfassung des Vertrages offiziell bedauerte und von einem Fehler sprach, wurden die Beteiligten durch Bürgermeister Dirk Glaser an einen Tisch gerufen. Es gab eine zweite Version des strittigen Vertragspassus: „Der Sponsorenvertrag wird - vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt Hattingen - unter der Vorgabe abgeschlossen, dass sich der Verein verpflichtet, Pressemitteilungen sowie sonstige öffentliche Bekanntmachungen die Fußballabteilung sowie das Sponsorenverhältnis betreffend, vor Veröffentlichung mit dem Sponsor abzustimmen.“
Diese neue Formulierung sollte es möglich machen, den Vertrag noch vor der Sommerpause in der Stadtverordnetenversammlung am 11. Juli abzustimmen. Doch der Tagesordnungspunkt wurde kurzerhand gestrichen - im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung war Unwillen laut geworden vor dem Hintergrund der Frage, ob man einen Sponsor für einen Sportplatz wolle, der solche Ansinnen vertrete.
IMAGE sprach in der politischen Sommerpause mit Bürgermeister Dirk Glaser und wollte wissen, wie es nun weitergeht:

 

IMAGE: Ist für eine gute Pressearbeit die Pressefreiheit nicht unabdingbar?
GLASER:     Die Freiheit der Presse zu berichten und zu kommentieren ist eine wichtige Komponente unseres freiheitlichen Systems. Aber auch die Vertragsfreiheit ist ein wichtiges Gut. Man kann frei entscheiden, was man welchem Journalisten, welcher Journalistin mitteilt oder nicht. Auch das ist Freiheit. Allerdings kann ich als politisch denkender Mensch keinem Verein empfehlen, eine solche Maulkorbklausel in seinem Sponsoringvertrag zu unterschreiben..
IMAGE: Nicht nur im Sport sind Sponsoren aus der finanziellen Unterstützung nicht mehr wegzudenken. Wieviel Macht können sich Sponsoren erkaufen? Steht die Unterstützung der Vereinsarbeit überhaupt noch im Mittelpunkt?
GLASER: So sollte es sein. Beide Seiten müssen einen Gewinn haben. Gute Sponsoren nehmen Anteil am Geschehen und unterstützen die Vereinsarbeit, aber schränken sie nicht ein.
IMAGE: Die Sportfreunde Wanne-Eickel haben für ihr Stadion ein Jahr lang einen anderen Namen gewählt - und zwar den Namen der Frau des Bürgermeisters (Livia-Leichner-Stadion) gegen eine vierstellige Summe.  Wäre es nicht ein denkbares Sponsorenmodell, in Hattingen auf mehrere Sponsoren zu setzen oder verdiente Persönlichkeiten der Stadt zu bemühen?
GLASER: Die Idee hat Charme. Aber wenn in Hattingen Namensrechte an städtischen Sportanlagen vergeben werden, gilt unter anderem die Bedingung, den neuen Namen nicht mit lebenden einzelnen Personen zu verknüpfen. Das hat der Rat aus gutem Grunde so beschlossen. Wenn sich mehrere Sponsoren finden würden, müsste man in der Politik das Thema neu debattieren.

Ein neues Schreiben des Vereines liegt auf dem Tisch. Darin heißt es, man wolle den Sachverhalt zunächst ruhen lassen. Bedeutet im Klartext: keine Vergabe der Namensrechte, aber auch kein Geld. Zumindest nicht im Moment. Am 11. September kommt der Sportausschuss zusammen, am 24. September der Hauptausschuss und am 10. Oktober tagt die Stadtverordnetenversammlung.  Bleibt abzuwarten, ob das Thema auf die Tagesordnung kommt.


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