Sorgen um die wohnortnahe medizinische Versorgung

Die Bevölkerung wird immer älter - unsere Hausärzte auch. Und sie werden weniger. Strenge Kriterien für ein langes Medizinstudium, hohe Investitionskosten für eine eigene Praxis und  eine schlechte Vereinbarkeit von Job und Familie stellen den Arztberuf vor Probleme.

Peter Preuß MdL, Dr. Klaus Befelein, Vorsitzender Gesundheitspolitischer Arbeitskreis EN, und Dr. Willi Martmöller, mit Dr. Lasse Schäfers Geschäftsführer des MVZ Sprockhövel und Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie (Tiefenpsychologie).

Auf Einladung der GPA, des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CDU, und der Senioren Union Sprockhövel, diskutierte Peter Preuß, MdL, Sprecher der CDU-Landtagsfraktion NRW für Arbeit, Gesundheit und Soziales, mit Ärzten und Bürgern im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) über die Sicherstellung der flächendeckenden medizinischen Versorgung in NRW.

Schon oft wurde über die Mängel in der medizinischen Versorgung berichtet. Ärzte, die Probleme haben, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden, und die zu geringe Anzahl der Studienplätze für ein langes Medizinstudium sind nur zwei der bekannten Probleme. So gibt Peter Preuß, MdL, unumwunden zu: „Die Politik hat auf diese Entwicklung zu spät und zu langsam reagiert.“
Nicht nur in ländlichen Regionen gäbe es Probleme, auch in manchen Stadtteilen komme -beispielsweise in Düsseldorf- auf 4000 Kinder nur noch ein Kinderarzt. Hinzu komme, dass manche ausgebildete Jungmediziner im Ausland arbeiteten oder sich nicht mit einer eigenen Praxis niederlassen wollten. Zu hohe und risikoreiche Investitionskosten, familienungünstige Arbeitszeiten leisten einen weiteren Beitrag zur immer größer werdenden Versorgungslücke.
„2009 haben wir das Hausärzteprogramm NRW eingeführt. Damit sind Anreize verbunden, sich als Hausarzt niederzulassen. Wir haben bis heute etwa 265 Anträge bewilligt und in die Sicherstellung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung insgesamt 9,5 Millionen Euro investiert.“ Von 60.000 Euro Zuschuss ist die Rede - von den Medizinern unter den Besuchern eher belächelt - bei einem mittleren sechsstelligen Investitionsvolumen bei einem Praxisaufbau.
NRW bekommt als erstes Bundesland die Landarztquote. Wer sich vertraglich verpflichtet, zehn Jahre in unterversorgten Regionen zu arbeiten, bekommt die Chance auf eine Bewerbung für einen Studienplatz außerhalb der strengen NC-Regeln. Man habe, so der Politiker, erkannt, dass nicht nur die Abiturnote eine Qualifikation für den Arztberuf darstelle.
So ist sie im Bewerberverfahren nur ein Teil des Ganzen - ein medizinischer Test, die bereits erbrachten beruflichen Leistungen und in der zweiten Bewerbungsphase die Ergebnisse in den Auswahlgesprächen können dazu führen, dass auch diejenigen das Medizinstudium beginnen dürfen, deren Abiturqualifikation allein nicht ausreicht. Außerdem habe man in Bielefeld eine zusätzliche medizinische Fakultät geschaffen und bilde so 400 zusätzliche Mediziner aus.
Für die anwesenden Ärzte nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn diese Zahl reiche bei weitem nicht aus. Auch die zehnjährige Verpflichtung in unterversorgten Regionen wird kritisch gesehen. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldbuße von 250.000 Euro rechnen.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird hingegen im Modell des Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) durchaus positiv gesehen - falls diese Zentren nicht ein Modell für private Investoren werden, die ausschließlich gewinnorientiert sind.  Diese Tendenz gäbe es schon heute. Versorgungszentren mit mehreren Hausärzten gelten als zukunftsorientiert - lösen aber nicht die Problematiken im Gesundheitssystem um zu geringe Studienplätze, zu großen bürokratischen Aufwand und der Verzahnung ambulanter und stationärer Strukturen.


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