So gemütlich es aussieht: Die alte Zeit konnte garstig sein

Ohne den Zweiten Weltkrieg hätte Witten heute noch eine Altstadt: das Johannisviertel.

Die damalige Kirchstraße, die im Zuge der Eingemeindung von Herbede in Bonhoefferstraße umbenannt worden ist, um den Namen „Kirchstraße“ in Herbede zu erhalten. Links: das verwinkelte Johannisviertel mit seinen Fachwerkhäusern, wovon noch zwei übrig sind.

Ohne den Zweiten Weltkrieg hätte Witten heute noch eine Altstadt: das Johannisviertel. Wahrscheinlich sähe sie in ­etwa so aus wie die von Hattingen: Eine Kirche in der Mitte und rundherum malerische Fachwerkhäuser mit kleinen Läden und Kneipen.
Doch es gibt Reste: einmal das Fachwerkhaus oberhalb des ehemaligen Busbahnhofs, eine Gaststätte, und dann das liebevoll restauriert Haus des Hörgeräte-Akustikers Paul Rybarsch am Ende der Johannisstraße.
Die namengebende Kirche hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie ist aus der 1214 erstmals beurkundeten Pfarrkirche hervorgegangen, die Johannes dem Täufer und Dionysius von Paris geweiht war. Aufgrund von Grabungen im Umfeld der Kirche sind sich Heimatforscher inzwischen sicher, dass an ihrer Stelle bereits im 9. oder 10. Jahrhundert ein Kirchenbau – vermutlich eine kleine Kapelle – gestanden haben muss.
Mit der Reformation kam wie vielerorts der Wandel: Die Johanniskirche wurde 1582 ein evangelisches Gotteshaus. Es steht auf ­einer ummauerten Terrasse oberhalb des ehemaligen Busbahnhofs. Die 1752 errichtete Barockkirche wurde an einen Turm angesetzt und 1856 verlängert.
Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde 1952 in den Umfassungsmauern ein neuer Saal eingerichtet. Die Turmhaube wurde 1953 aufgesetzt, allerdings nicht mehr in der Form aus der Vorkriegszeit, sondern nach älteren Plänen so, wie sie mal ursprünglich ausgesehen hat. So gemütlich und lauschig Alt-Witten auf den Fotos aussieht, so garstig konnte es in der guten ­alten Zeit zugehen. Urkundlich belegt sind aus den Jahren 1580 bis 1647 im Gericht Witten ­etwa 30 Hexenprozesse. Die Angeklagten wurden nicht etwa – was schon schlimm genug wäre – Opfer religiösen Wahns, sondern sie wurden Opfer der Auseinandersetzungen um die Gerichtsherrschaft in Witten. Die Wittener Obrigkeit demonstrierte durch die Hinrichtungen, dass die Macht in ihrer Hand lag. Das hat Ralf-Peter Fuchs in seinem Buch „Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe“ nachgewiesen.


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