Seit 1988: Dreißig Jahre Treidelbrunnen am Obermarkt

Der Hattinger Platz in der Innenstadt hat sich im Laufe der Geschichte sehr gewandelt.

In unserer Serie „Hattingen historisch“ wirft IMAGE mit Hilfe von Stadtarchivar Thomas Weiß einen Blick in vergangene Zeiten. Seit 1988 - seit dreißig Jahren - steht er am Obermarkt: der Treidelbrunnen, der an die Ruhrschifffahrt erinnern soll. Unumstritten war das Geschenk der Hattinger Sparkasse anlässlich ihres damals 150. Geburtstages allerdings nicht.
Der Standort hat es wohl in sich: Denn vor dem Treidelbrunnen stand dort eine Betonplastik des Künstlers Einsele, die der Volksmund - frei nach dem damaligen Stadtdirektor Jürgen Augstein - „Augstein-Gebirge“ oder „Monte Klamotto“ nannte. Eine Berichterstattung des Ruhr-Anzeigers am 1. April 1970 führte zur Namensgebung „Affenfelsen“, weil man als Aprilscherz die Plastik als zukünftigen Lebensraum lebender Affen benannte. Das angebliche Affen-Freigehege wurde mit einer Stellprobe lang und breit beschrieben – und die Plastik hatte daraufhin ihren Namen weg. Aber es störte nicht nur die Plastik, sondern auch die auf ihr sitzenden Menschen – häufig mit Alkoholkonsum in Zusammenhang gebracht. 1987 war es dann endlich soweit: die ungeliebte Sitzplastik sollte einem anderen Objekt, dem Treidelbrunnen, weichen. Den wollte die Sparkasse Hattingen anlässlich des 150-jährigen Bestehens stiften und mit ihm zugleich an die Ruhrschifffahrt erinnern. Da es sich um ein begehbares Kunstwerk handeln sollte, wurde bewusst eine sieben Meter lange Bronzeplastik des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg gewählt. Rund 250.000 Mark sollte sie kosten – inklusive technischer Einrichtung 400.000 Mark.
Bernhard Matthes, ein streitbarer Künstler Hattingens, kritisierte nach der Kulturausschusssitzung am 1. Februar 1988 in einem Leserbrief das „Brünnlein“, welches das Image der Stadt aufpolieren sollte, jedoch das Gegenteil erreiche – und sprach ihm schlicht jeden künstlerischen Wert ab. Von Disneyland in Hattingen mit Sparkassen-Emblem im Wimpel war in Leserbriefen die Rede. Doch die Hattinger Bevölkerung nahm den Brunnen von Anfang an als willkommenen Platz zum Ausruhen an.


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