Schaurig-schöne Bilder über die Zerstörung der Erde

New Yorker Fotograf J. Henry Fair zeigt Bilder im LWL-Industriemuseum Henrichshütte.

Abwasserteich in der Nähe eines Braunkohlekraftwerks: Dieses Bild gehört zu den Objekten, die draußen ausgestellt sind. Andere Bilder sind in der Gebläsehalle selbst ausgestellt.

J. Henry Fair ist nicht nur Fotograf, er ist Künstler. Außerdem ist er Umweltaktivist, Mitbegründer und Direktor der Umweltorganisation Wolf Conservation Center in South Salem, NY. Fair lebt und arbeitet in New York. Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte zeigt 45 Bilder von ihm in einer ganz besonderen Ausstellung.

Bekannt wurde Fair vor allem durch seine Fotoreihe Industrial Scars. Für dieses Projekt setzte sich der Künstler mit Energiegewinnung sowie der Massenproduktion in der Landwirtschaft und großindustrieller Produktion auseinander. Mit kleinen Flugzeugen kreist er über schwer zugänglichen Industriegebieten und fotografiert Fabriken, Abwasseranlagen oder Kohleabbaugebiete aus der Vogelperspektive. Zentrale Themen seiner Arbeit sind die Visualisierung der schwer greifbaren Prozesse von globaler Erderwärmung, Umweltverschmutzung und -zerstörung und die Position, welche die Kunst in diesem Zusammenhang einnimmt.
Mit seinen Fotos hat Fair auf umweltpolitische Probleme in verschiedenen Regionen der Welt aufmerksam gemacht. In Deutschland gehören die Braunkohleabbaugebiete in Nordrhein-Westfalen und in der Lausitz dazu, die er in den letzten Jahren ablichtete. Fotos aus der Industrial Scars-Reihe waren bereits in den USA, Asien und Europa zu sehen. Den abstrakten Bildern stellt Fair konkrete Informationen zu den dokumentierten Umweltproblemen anbei. Besucher seiner Ausstellungen werden so über akute Themen des Umweltschutzes, wie beispielsweise chemische Reaktionen bei der Düngemittelgewinnung oder die Konsequenzen von Massentierhaltung, informiert. Fair arbeitet als Fotograf auch mit Umweltorganisationen wie NRDC, Rainforest Alliance oder Greenpeace zusammen.
Jetzt zeigt das LWL-Industriemuseum Henrichshütte 45 Werke des Fotografen, darunter 15 aus Deutschland. Die Fotos dokumentieren die „Wunden der Erde“, die der Mensch dem Blauen Planeten beigebracht hat. Egal, ob Luft, Wasser, Boden oder ­Natur – sie sind überall sichtbar und zeigen die Ausbeutung der ­Erde durch den Menschen. Ob Abwasserbecken eines Braunkohlekraftwerks in der Lausitz oder ein solches Becken bei der Phosphatdüngerproduktion in den USA – sie unterscheiden sich hinsichtlich der Farbe – mal braun, mal grün – aber nicht im ­Hinblick auf die Zerstörung. Die Bilder beeindrucken durch eine Ästhetik und Schönheit, die ­spätestens dann zum Nachdenken anregt, wenn man weiß, was dort abgebildet wurde. „Die Faszination für Ruinen und die ganz eigene Schönheit industrieller Gebilde hat meine Arbeit immer geprägt. Ich wollte Kunst machen, die eine Geschichte über die ­Gefahren durch unsere erdölbasierte, konsumierende Entsorgungswirtschaft erzählt“, so Fair. Dabei, so der Künstler, ginge es ihm nicht darum, die Industrie an den Pranger zu stellen und zu verteufeln. Seine Bilder sollen vielmehr den Finger in die Wunden legen, die jeder Mensch mit seinem Konsumverhalten mitbeeinflusst. Dazu, so Fair, seien Fotos besser geeignet als Schriftstücke. Denn natürlich ist der New Yorker von der Hoffnung geprägt, die Bilder mögen im Gedächtnis der Menschen und vor allem in ihrem Verhalten Spuren hinterlassen und etwas verändern. Anlass für die Ausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte ist das Ende des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet 2018.
Die Ausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte ist bis zum 22. April 2019 zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.


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