Pflegekräfte wissen: Pflege ist absolute Vertrauenssache

Eine stationäre Pflegeeinrichtung scheuen die meisten Senioren. Sie möchten so lange wie möglich daheim wohnen bleiben. Die meisten Älteren würden auch einen kranken Angehörigen selbst zu Hause pflegen. Oft brauchen alle dabei einen Ambulanten Pflegedienst.

Foto: AdobeStock

Sie behandeln Wunden, legen Verbände an, geben Medikamente, messen Blutzucker, wechseln Katheterbeutel, helfen beim Duschen, Anziehen und den Kompressionsstrümpfen: Mehr als 3,41 Millionen Menschen sind pflegebedürftig. Gut drei Viertel von ihnen werden zuhause versorgt, oft unter Einbezug eines ambulanten Pflegedienstes. Ohne diese Pflege, vielfach zusammen mit Angehörigen, Freunden und Bekannten, wäre das Leben in den vertrauten vier Wänden für viele Senioren ein Ding der Unmöglichkeit.

Manchmal beginnt die Frühschicht bereits um 6 oder 7 Uhr. Dann geht es auch schon los zum ersten Patienten. Der Wecker klingelt bei ihm schon Sturm. Durch die geschlossene Tür ist er bis in den Hausflur zu hören, doch die Dame, die neben dem Gepiepe schläft, wird erst wach, als die Pflegefachkraft mit einem freundlichen „Guten Morgen! Alles in Ordnung?“ die Wohnung betritt. Frau Müller (Namen der Patienten geändert) lässt ein verschlafenes „Joa, doch...“ vernehmen, dann muss sie schon ran: Blutzucker messen. Alltag bei der morgendlichen Routine. Die Pflegekraft gibt Medikamente und Insulin. Es bleibt Zeit für ein freundliches Wort. Dann geht es weiter zur nächsten Patientin. Sie muss Kompressionsstrümpfe tragen. Morgens hilft ihr der Pflegedienst, am Abend schafft sie es mit Hilfe eines Schuhanziehers selbst.
Für viele Senioren ist der Besuch des Pflegedienstes ein Höhepunkt im oft einsamen und eintönigen Alltag. Deshalb bemühen sich die meisten Pflegedienste, eine Bezugspflege anzubieten - also mit möglichst den gleichen Mitarbeitern für die gleichen Patienten unterwegs zu sein.
Nächster Patient: Auf dem Tisch liegt neben Hustenbonbons, Mineralwasser und Verbandsmaterial die Akte der 89-jährigen Patientin. Darin die Verordnungen vom Arzt – denn die sogenannte Behandlungspflege muss im Gegensatz zur reinen Grundpflege ärztlich verschrieben werden –, der Medikamenten- und Ablaufplan, in dem steht, was bei der Patientin gemacht wird, sowie der Pflegebericht, in den Besonderheiten eingetragen werden: wenn es ihr schlecht geht etwa oder sie gestürzt ist. Die Pflegemitarbeiter unterstützen die Senioren so gut es geht – aber sie achten auch darauf, dass diejenigen, die es können, noch etwas selbst machen. Die Eigenständigkeit des Patienten ist den Pflegediensten  wichtig. Wo es möglich ist, wird das auch unterstützt.


Pflege – ein Beruf mit viel Herz
Besonders zeitintensiv ist die Grundpflege. Hier werden die Patienten gewaschen und müssen oft rundum versorgt werden. Kommen neben den körperlichen Versehrtheiten noch kognitive Störungen dazu, wird die Arbeit noch schwieriger. Dabei steigt die Zahl der Menschen mit einer Demenz deutlich.
Stellen Sie sich einmal vor: Sie befinden sich in einem fremden Land. Sie verstehen die Sprache nicht, kennen die Gebräuche nicht. Ständig reden Menschen auf Sie ein, versuchen zu erklären und erwarten, dass Sie das verstehen. So fühlen sich Menschen, die eine dementielle Erkrankung haben. „Alzheimer“ ist dabei ein häufiges Beispiel für eine Demenz. Störungen des Gedächtnisses, der Sprache, des Denkens, des Erkennens und der zeitlichen sowie örtlichen Orientierung gehören zum fortschreitenden Krankheitsbild. Einrichtungen wie die Alzheimer-Gesellschaften bieten neben den Pflegediensten zusätzlich verschiedene Formen der Hilfe für Betroffene und Angehörige an. Auch teilstationäre Tagespflegeeinrichtungen tun ihr Möglichstes, um diesen Senioren zu helfen und auch ihnen, so lange es geht, das eigene Zuhause zu ermöglichen.
Für alle Patienten der Pflegedienste gilt der Grundsatz: Pflege ist Vertrauenssache.
Denn schließlich lernt das Pflegepersonal den Menschen in der Regel in einer besonderen und intimen Situation kennen.
Man kommt sich sehr nah und es ist wichtig, auf eine Fachkraft zu treffen, die unter Pflege nicht nur das körperliche Wohlbefinden versteht. Pflegekräfte sind ganz nah am Menschen.
Für die Zukunft ist wichtig: Pflegeberufe müssen aufgewertet werden. Es ist Zeit für ein neues Selbstbild des Berufes. Pflege muss eine eigenständige Profession im Gesundheitswesen werden. Experten gehen davon aus, dass bis 2025 in Deutschland zwischen 150.000 und 200.000 Pflegekräfte fehlen werden. Diese Zahlen verdeutlichen: Es muss jetzt gehandelt werden. Schon heute ist es in vielen Städten ein Problem, einen Pflegedienst zu finden, der freie Kapazitäten hat.
Wer sich für den Job interessiert, sollte wissen: Nach der Ausbildung zur examinierten Fachkraft in der Pflege gibt es hervorragende Berufsaussichten: In der Regel kann man an dem Ort arbeiten, an dem man auch wohnt. Und man erlebt in diesem Beruf auch, wie glücklich ein paar Worte oder ein Lächeln einen Menschen machen können.

 


Bilder