Mit getarnten Viren und chemischen Tricks gegen den Krebs

Dr. Florian Kreppel neuer Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und molekulare Medizin.

Florian Kreppel

Prof. Dr. Florian Kreppel forscht interdisziplinär an neuen Impfstoffen und Krebsmedikamenten. Diagnose „Krebs“ – für die meisten ist das allein schon ein großer Schock, alles steht Kopf.
Ebenso belastend ist dann die oft verschriebene Chemotherapie, unter der ein bisher alltägliches Leben kaum möglich ist. Was, wenn der Krebs ohne Chemotherapie behandelt werden könnte, und die Nebenwirkungen denen einer leichten Erkältung gleichten? Genau daran arbeitet Professor Dr. Florian Kreppel mit einem interdisziplinären Team aus Chemikern, Biologen und Onkologen. Er ist der neue Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und molekulare Medizin an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Der in München geborene und im Rheinland aufgewachsene Familienvater setzt nun in Witten seine Forschungstätigkeit fort. Sie gliedert sich in zwei große Bereiche: Zum einen die Onkolyse oder Virotherapie, bei der Erkältungsviren so verändert werden, dass sie vom Immunsystem unbemerkt in das Tumorgewebe eindringen und es von innen zerstören. Zum anderen entwickelt er genetische Vakzine, also Impfstoffe gegen Krankheiten, gegen die bislang noch kein Schutz möglich ist. „Mit Hilfe chemischer Tricks setzen wir Viren, aber auch anderen Trägersubstanzen, Badehauben auf“, erklärt Kreppel das Verfahren bildlich. „So können sie unerkannt durch die Blutbahn an den Wirkungsort gelangen. Das kann ein Tumor sein, aber auch bestimmte Zellen des Immunsystems, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind.“ Tatsächlich gibt es bereits ein in Europa und USA zugelassenes Krebsmedikament, das auf einem ­Virus basiert. Die Herausforderung ist es, die ­Viren so zu präparieren, dass sie ihre positiven Eigenschaften zur Krankheitsbekämpfung behalten. Kreppels Technologie ist bereits weit entwickelt und wird für klinische Studien angepasst. Dann kann sie voraussichtlich bei vielen Krebsarten wie Lungen-, Leber-, oder Pankreaskrebs zum Einsatz kommen. „Es ist mir wichtig, angewandte Forschung zu betreiben“, betont Florian Kreppel. „Diese kann ich hieran frei gestalten und erhalte Unterstützung.“


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