Mathilde Franziska Anneke: Im Kampf für gleiche Rechte

200. Geburtstag der Frauenrechtlerin: geboren in Sprockhövel, aufgewachsen in Hattingen.

Die berühmte Zeichnung der jungen Mathilde Franziska Anneke (um 1842) als Entwurf für die Briefmarke von Professor Gerd Aretz.

Mit der Serie „Hattingen historisch“ wirft IMAGE mit Hilfe von Stadtarchivar Thomas Weiß einen Blick in alte Zeiten. In diesem Beitrag geht es um eine der berühmtesten Frauen aus unserer Heimat, die in Sprockhövel geboren wurde und in Hattingen aufwuchs: Mathilde Franziska Anneke. Zu Unrecht als Revoluzzerin gebrandmarkt und als Flintenweib verschrien, wäre sie am 3. April 1817 genau 200 Jahre alt geworden. Die Sprockhöveler Stadtarchivarin Karin Hockamp forscht intensiv zu der ungewöhnlichen Frau. IMAGE hat mit ihr gesprochen.

„Bis Ende der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts hat es in Sprockhövel kaum Forschungen oder Erkenntnisse zu Mathilde Franziska Anneke gegeben. Man hatte sie schlicht vergessen und erst die Anfrage einer Professorin aus den USA führte auch hier zu Nachforschungen über die berühmte Sprockhövelerin“, berichtet Stadtarchivarin Karin Hockamp.
Und selbst dann tat man sich schwer mit ihr: heute führt die frühere Hauptschule den Namen „Mathilde-Anneke-Schule“, es gibt sogar einen nach ihr benannten Preis in der Frauenbildung. Frühere Initiativen, die Gesamtschule des Kreises und den Platz vor der Evangelischen Kirche in Niedersprockhövel nach ihr zu benennen, scheiterten.
Mathilde „Tilda“ Franziska Anneke, geborene Giesler, wurde als Tochter einer katholischen Mutter und eines evangelischen Vaters in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Mit  drei Jahren zog sie nach Blankenstein, verlebte dort mit zahlreichen Geschwistern eine glückliche Kindheit. Ihr Vater arbeitete in der städtischen Verwaltung. Bildung auch für Mädchen war für die Eltern eine Selbstverständlichkeit.
Mit 19 Jahren heiratete sie in erster Ehe einen wohlhabenden Weinhändler, bekam die Tochter Fanny und trennte sich rasch von ihrem gewalttätigen Ehemann. Doch es sollte in jenen Zeiten drei Jahre und drei gerichtliche Instanzen dauern, bis sie schuldig geschieden wurde. Kein Unterhalt, keine Abfindung - nur die Tochter blieb bei ihr.
Die mittellose junge Frau, die aufgrund finanzieller Sorgen der Eltern auch von diesen keine Unterstützung erwarten konnte, fing an zu schreiben (Gedichte, Theaterstücke und vieles mehr) und zog nach Münster. Sie lebte von der Hand in den Mund.
In Münster lernte sie den ehemaligen Artillerieleutnant Fritz Anneke kennen. Wegen seiner demokratischen Gesinnung war er unehrenhaft aus der Armee entlassen worden. Die beiden heirateten und zogen nach Köln, wo ihr Mann eine Stelle bei der Kölner Feuerversicherungsgesellschaft fand.
Zusammen mit ihrem Mann führte „Tilda“ einen Salon, der als Keimzelle der Revolution von 1848 angesehen wurde. Wohlstand, Freiheit und Bildung für alle, der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau, die Trennung von Kirche und Schule, die Gründung der „Neuen Kölnischen Zeitung“ (die später verboten wurde), immer wieder andauernde Verhaftungen ihres Mannes, um dem Tod zu entgehen - so musste das Paar 1849 mit seinen Kindern nach Amerika fliehen.
Inhaltlich blieb sie sich dort treu: 1852 gründete sie die erste Frauenzeitung, die von einer Frau in Eigenregie auf amerikanischem Boden publiziert wurde. Doch sie blieb in jener Zeit exotisch - das Frauenstimmrecht, für das sie sich einsetzte, wurde in den USA erst 1920 eingeführt.
Anneke kämpfte gegen jede Art der Unterdrückung, also auch gegen die Sklaverei.
1865 gründete sie eine später sehr bekannt und berühmt gewordene Mädchenschule, die sie auch leitete. Geprägt war sie von persönlichen Schicksalsschlägen wie dem Verlust mehrerer ihrer Kinder (es überlebten nur zwei) und ihrer nicht mehr glücklichen Ehe. 1872 verunglückte Fritz tödlich, Mathilde selbst starb 1884.

 


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