Mathe- und Sportlehrer will zum Ironman nach Hawaii

33-jähriger Sprockhöveler trainiert für den Traum und schätzt Werte wie Leistung und Disziplin.

Till Schaefer lebt gerne in Sprockhövel. Für ihn ist der kleine Ort Heimat. „Es ist einfach ein gutes Gefühl für mich, hier zu leben“, sagt der 33-jährige Gymnasiallehrer.

Till-Robin Schaefer wurde am 13. Januar 1985 geboren. Als wesentliche Eigenschaften nennen Freunde und Kollegen Ehrgeiz, Ausdauer, Verlässlichkeit und Willenskraft. Diese Eigenschaften braucht der 33-Jährige auch, denn der Sportler will im nächsten Jahr beim Ironman auf Hawaii starten.

Aufgewachsen ist Till Schaefer ganz in der Nähe, in Asbeck. Er und sein Bruder sind „Lehrerkinder“, aufgewachsen mit den Werten von Leistung und Disziplin. „Das hat uns geprägt“, erzählt der 33-Jährige, der heute selbst Lehrer ist und seit sieben Jahren an einem Bochumer Gymnasium arbeitet.
Negativ findet Till Schaefer das nicht. „Man lernt aus Grenzerfahrungen und Zielen, die man sich setzt.“ Er weiß, wovon er spricht, denn der Sport als große Leidenschaft und Beständigkeit in seinem Leben verlangt ihm auch viel ab. Der Ausdauersportler kommt ursprünglich vom Fußball, kam dann zum Triathlon und trainierte bereits als Jugendlicher mit Sprockhövels Bürgermeister Ulli Winkelmann. Erste sportliche Erfolge stellten sich ein. Nach dem Abitur studierte er Mathe und Sport auf Lehramt - Studium und Privatleben sorgten dafür, dass der aktive Sport langsam aber sicher in den Hintergrund trat. „Das war ein Fehler“, erzählt er im Gespräch mit IMAGE. Verbrannte der Liebhaber von süßen Sachen früher etliche Kalorien beim Sport, blieben diese jetzt mehr oder weniger unverbraucht an ihm hängen. Er zeigt Fotos von sich aus dem Jahr 2011. „Da war ich 26 Jahre alt und konnte keine halbe Stunde mehr laufen, bis ich völlig aus der Puste war.“ Wog er zu seinen besten Zeiten bei einer Größe von 1,80 Metern 66 Kilogramm, brachte er nun 92 Kilogramm auf die Waage. Das wollte und musste er ändern. Also rückte Privates wieder in den Hintergrund und der Sport nahm erneut mehr Raum ein. „Das war 2013. Drei Jahre später war ich schneller als 2007.“
Und noch etwas nahm Schaefer aus dieser Zeit an Erfahrung mit: „Sport ist für mich Lebensinhalt, Lebensgestaltung und Lebensqualität. Ziele im Sport und der Weg dorthin geben Struktur und tägliche Freude. Er fordert Leistungsbereitschaft und Leidenschaft. Über allen Erfolgen und Zielen steht Fairness und die eigene Gesundheit.“
Natürlich, so Schaefer, müsse auch er sich manchmal motivieren. Stundenlanges Trainieren mache nicht immer Spaß. „Aber dann hilft der Trainingsplan und die Disziplin, ihn einzuhalten. Und nach dem Sport geht es mir immer besser als vorher.“
Ausdauersport ist ein Sport für „Arbeiter“. Läufer bewegen sich aus eigener Kraft nach vorne. Die Bewegungen sind monoton und das muss man mögen. Fakt ist aber auch: Monotone Bewegungsabläufe helfen, mit sich in Einklang zu kommen. Psychologen wie Thomas Frankenbach haben das herausgefunden. Außerdem fördert dieser Sport durch die monotonen Bewegungen auch die eigene Kreativität. Die Gedanken können einfach wandern.
Zu wissen, was einem gut tut, lernen, sich selbst einzuschätzen - das hat auch Till Schaefer gelernt und das braucht er für seine sportlichen Ziele. Wobei: „Eigentlich ist der Weg das Ziel. Diesen Weg gehen zu können, um am Ende etwas Bestimmtes zu erreichen, das ist mir schon wichtig.“
Der Ironman Hawaii alljährlich im Oktober ist ein solches Ziel. „Ich bin der Überzeugung, dass es notwendig ist, sich Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen ohne dabei den Blick für das Ganze zu vernachlässigen. Freunde, Familie und ein Ausgleich sind neben dem Sport und der Arbeit notwendig, um die großen Ziele zu erreichen“, so Schaefer, der seit vielen Jahren für den PV Triathlon Witten (Trainer Tobias Heinze) startet. Die ersten Meldungen für die Rennen im kommenden Jahr sind bereits gelaufen, erste Pläne gemacht, wann er wo starten will - um die Qualifikation für den Ironman Hawaii zu bekommen. In diesem Jahr hätte es bereits fast geklappt...
Ein Leben ohne Sport ist für den Lehrer nicht vorstellbar. Auch andere Sportarten faszinieren ihn: Obstacle Run, Klettern, Bouldern, Surfen, Skifahren - das alles gehört auf seine To-Do-Liste, neben dem Interesse für Lesen, Kabarett und Escape Room (Adventuregames).  „Ich mag einfach Bewegung“, sagt er.  Und ein gewisses Glücksgefühl vermittelt Sport auch. Ob durch Endocannabinoide, Serotonin und andere Botenstoffe wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin - sie alle zusammen könnten den Rauschzustand beim Laufen auslösen; Serotonin wird oft auch als Glückshormon bezeichnet, da es die Stimmung aufhellt. Viele Läufer berichten von einem „Flow“-Moment, oft auch als Runner‘s High bezeichnet. Ein rauschähnlicher Zustand, in dem alles fließt und man quasi von allein läuft. Läuft doch!


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