Jeder Tag ist ein Geschenk – manche Tage will man nicht

Interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte am EvK Hattingen heilen Patient Fritz Gellermann.

Priv.-Doz. Dr. med. Helfried Waleczek, Chefarzt der Klinik für Gefäß-, Unfall- und Viszeralchirurgie am Ev. Krankenhaus Hattingen, Fritz und Beate Gellermann sowie Prof. Dr. med. Andreas Tromm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Ev. Krankenhaus Hattingen freuen sich über den medizinischen Erfolg der interdisziplinären Behandlung von Fritz Gellermann.

Silvester 2015: Beate und Fritz Gellermann stoßen auf das neue Jahr 2016 an: Alles Gute und vor allem Gesundheit... Für das Ehepaar viel mehr als ein Spruch, denn bei Fritz Gellermann wurde 2015 ein Magenkarzinom festgestellt. Krebs. Von April bis Dezember bestand der Großteil seines Lebens plötzlich aus Untersuchungen, Operationen, Chemotherapiezyklen. Heute, drei Jahre später, feierte er seinen 80. Geburtstag und gilt als geheilt. Zu verdanken hat er das einer gelungenen Kombination aus ärztlichem Können und persönlichem Willen.
Alles begann im Frühling 2015. „Ich bin wegen Blut im Stuhl zum Arzt gegangen,“ erzählt er. Damals war er 77 und nach eigenem Bekunden nie richtig krank gewesen. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ergab keinen klaren Befund. Gewebeprobe, endoskopischer Ultraschall, Computertomographie folgen. Dann die Diagnose Magenkrebs.  Ein  Schock. „Wenn  ich dem Patienten eine schwierige Diagnose mitteilen muss, versuche ich diese mit der Perspektive des medizinisch Machbaren zu verbinden. Die Diagnoseübermittlung ist Teil meines beruflichen Alltags, aber für mich niemals Routine“, erzählt Prof. Dr. Andreas Tromm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am EvK Hattingen, zugehörig zu den Augusta-Kliniken.  
Eine Operation war nach dieser Diagnose unumgänglich: Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Kliniken für Innere Medizin sowie Gefäß-, Unfall- und Viszeralchirurgie in Hattingen war für Fritz Gellermann klar: „Ich lasse den Eingriff hier durchführen. Ich dachte, der Tumor müsse entfernt werden, dann ist wieder alles gut.“ Gellermanns „Fall“ wurde ein „Fall“ der Tumorkonferenz aus Onkologen, Gastroenterologen, Radiologen, Chirurgen und Strahlentherapeuten.
Chirurg Dr. Helfried Waleczek erklärt: „Der Magen ist ein Muskelschlauch, der im linken Oberbauch zwischen Leber, Gallenblase und Milz liegt. Unterhalb befindet sich der Dickdarm und hinter dem Magen die Bauchspeicheldrüse. Alles, was wir essen und trinken, geht durch den Magen. Er nimmt die Nahrung auf, verarbeitet sie zu einem Speisebrei und gibt sie in kleinen Portionen weiter. Die Verdauung wird im Dünndarm fortgesetzt. Bei dieser Operation war die Öffnung des Bauchraumes   geplant und gemeinsam mit dem Magen sollten auch die umliegenden Lymphknoten entfernt werden. Danach sollte die Speiseröhre mit dem Dünndarm verbunden werden, damit eine natürliche Nahrungspassage möglich ist, der Patient also wieder Nahrung schlucken kann, die dann in den Darm gelangt.“
Beate Gellermann blättert in einem kleinen Notizbuch. Sie hat alles aufgeschrieben, jeden Termin, den ihr Mann durchstehen musste. Sie erzählt: „Nach der  Operation habe ich Dr. Waleczek getroffen und zu ihm gesagt: ,So, jetzt ist der Magen weg.‘ Doch er sah mich an und verneinte. Es war anders gekommen.“
Waleczek erklärt, was er damals auch Beate Gellermann sagte: „Bakterien der Gattung Helicobacter pylori gelten als Hauptauslöser für Magenkrebs. Sie zerstören die Schutzschicht des Magens, dringen in tiefere Gewebeschichten vor, beeinflussen das Immunsystem. Sie tarnen sich, verstecken sich quasi vor dem körpereigenen Abwehrsystem. Leider sieht man nicht immer alle für die Heilung notwendigen ‚Zustände‘ vor einer Operation. Maßgeblich sind letztlich die Befunde des Pathologen, der aber ja nur untersuchen kann, was bereits herausoperiert wurde.
Herausoperieren nutzt aber nur, wenn es die Heilungsaussichten des Patienten verbessert. Deshalb ist diagnostische Präzision und Patientennutzen nicht zwangsläufig deckungsgleich. In diesem Fall haben wir während der OP ein sehr umfangreiches Tumorgewebe gesehen, in benachbarte Strukturen eingewachsen. Um die Heilungschancen zu verbessern, haben wir deshalb zunächst nur die Gallenblase entfernt, um danach mit einer Chemotherapie den Tumor hoffentlich zu verkleinern. Dann sollte eine zweite OP folgen. “
Fritz Gellermann berichtet weiter: „Ich habe nach der ersten OP bei Prof. Dr. Dirk Behringer in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin der Augusta-Kliniken in Bochum dreimal drei Wochen Chemotherapie bekommen. Danach sind wir für eine Woche zur Erholung nach Norderney gefahren und dann, ja, dann kam die entscheidende Operation.“
Im August 2015 wurde Fritz Gellermann der Magen im EvK Hattingen entfernt. „Der Tumor hatte auf die Chemotherapie gut angesprochen. Wir entfernten neben dem  kompletten Magen auch  Lymphknoten und Milz“, so Waleczek. Fünf Tage wurde Fritz Gellermann intensiv betreut, insgesamt zwei Wochen dauerte sein stationärer Aufenthalt. Danach folgte eine dreiwöchige Kur und eine zweite Chemotherapie.
Im Dezember 2015 stand Fritz Gellermann mit seinem Arzt Helfried Waleczek am Stand des Hattinger Weihnachtsmarktes und genehmigte sich einen Glühwein. Geschafft. Es war vorbei.
Heute, drei Jahre später, geht es ihm gut. Zu seinem 80. Geburtstag überraschte ihn seine Frau mit einem ganz besonderen Gast: Helfried Waleczek.
Gellermann rückblickend: „Als die Diagnose gestellt wurde, habe ich gedacht: Das kann es nicht gewesen sein. Ich wollte das überstehen. Ich habe nie ans Aufgeben gedacht. Neben dem ärztlichen Können in einer interdisziplinären Zusammenarbeit war es mein Vertrauen in die Mediziner, mein persönlicher Glaube, meine Frau, meine Geschwister und Freunde, die mir geholfen haben.  Ich habe mir nicht die Frage gestellt, warum es gerade mich getroffen hat. Was hätte das gebracht? Darauf gibt es keine Antwort.“
Der Freund des karnevalistischen Frohsinns treibt wieder Sport, genießt den Augenblick und ab und zu ein Bier...


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