In jungen Jahren mit „Denkmalschutz-Bazillus“ infiziert

Burgfreunde Hardenstein feiern 45. Geburtstag – Kein Verständnis für mangelnden Respekt.

1999 gaben die Burgfreunde ein Buch im Eigenverlag zur Burgruine heraus, 2006 richteten sie ein Burgmuseum und Archiv in der Herbeder Grundschule ein; im Bild: Hans Dieter Radke, einer der Gründer des Vereins „Burgfreunde Hardenstein“.

Wenn Hans Dieter Radke auf das 45-jährige Bestehen der Burgfreunde Hardenstein zurückblickt, ist seine Begeisterung für das alte Bauwerk an der Ruhr ungebrochen.
Hans Dieter Radke hatte sich schon in jungen Jahren mit dem „Denkmalschutz-Bazillus“ infiziert und fleißig zum Erhalt von Haus Langendreer beigetragen. 1973 wechselte der Bochumer jedoch aus beruflichen Gründen von Langendreer nach Herbede.
Die Burgruine Hardenstein war zum damaligen Zeitpunkt bereits ganz schön runtergekommen. Hans Dieter Radke wollte dem Verfall nicht länger zuschauen und nahm deshalb kurzerhand Sense und Harke in die Hand, um das umsichgreifende Buschwerk nebst Brennnesseln und Brombeeren zurückzuschneiden. Gleichzeitig konnte er viele junge Leute für die Idee des Erhalts des geschichtsträchtigen Gemäuers begeistern. Als abzusehen war, dass sein Projekt Bestand haben wird, gründete er am 2. August 1974 mit 18 Gleichgesinnten die späteren „Burgfreunde Hardenstein“.
Auch ein Motto „Wir können, wir wollen, wir machen“ war schnell gefunden. Ehrenamtlich werden seitdem die Flächen gepflegt und die Gemäuer erhalten. Der Verein hat zur Zeit 88 Mitglieder, darunter noch fünf aktive Vereinsgründer.
„Die ersten zwei Jahre gingen mit Aufräumarbeiten drauf. Auf dem Gelände stand ein Schrottauto herum, die Kellereingänge waren zugeschüttet“, erinnert sich der 1. Vorsitzende. Zwei Kellerräume konnten wieder zugänglich gemacht und die Grundmauern hervorgehoben werden.
Weitere Meilensteine: 1999 gaben die Burgfreunde ein Buch im Eigenverlag zur Burgruine heraus, 2006 richteten sie ein Burgmuseum und Archiv in der Herbeder Grundschule ein. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 erfolgte die Beleuchtung der seitdem nachts wunderschön angestrahlten Ruine. Als Projekt für die Zukunft würden die Burgfreunde gerne noch weitere Kellerräume im Rahmen einer archäologischen Grabungskampagne freilegen.
Angesprochen auf die Geschichte von Zwergenkönig Goldemar und deren öffentlichkeitswirksame Herausstellung sowie einer Nutzung des Geländes als Veranstaltungsort gibt sich Hans Dieter Radke zurückhaltend: „Wir kümmern uns nur um den Denkmalschutz, die Pflege und den Erhalt der Burg.“ Kein Verständnis haben die Burgpfleger jedoch für den mangelnden Respekt einiger Mitmenschen vor dem Eigentum anderer: Häufig lassen Besucher ihren Müll auf dem Gelände liegen. Schlimmer noch: die Gemäuer werden durch Lagerfeuer beschädigt, Steine mutwillig aus den Wänden gebrochen, und das trotz Videoüberwachung des Geländes. Was die Burgfreunde jedoch vermissen, ist eine spürbare Würdigung ihrer jahrelangen Arbeit durch die Stadt Witten.

In historischen Kostümen als Barde oder Herold
Alle fünf Jahre bleibt das Werkzeug im Schrank und die Burgfreunde gewanden – nicht kleiden – sich in historische Kostüme als Barde oder Herold, um ihr Burgfest zu feiern. In diesem Jahr findet das Burgfest zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 8. September, von 11 bis 19 Uhr auf dem Gelände der Burgruine Hardenstein statt. Verschiedene Gruppen werden mittelalterliche Tänze aufführen und Töpfer und Schmiede ihre alte Handwerkskunst zeigen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt.
Auf der Internetseite „sagenhaftes-ruhrgebiet.de“ ist dies zu lesen: Solange Goldemar auf der Burg wohnte, hatte Hardenstein eine gute Zeit. Die Speisekammern wurden nie leer, und das Weinfass war stets bis zum Rand gefüllt. Wenn sich einmal Feinde in böser Absicht der Burg näherten, warnte der Zwergenkönig rechtzeitig den Ritter. Beim gemeinsamen Würfelspiel leerte der Zwergenkönig mit dem Burgherrn manchen Becher guten Weines, und hin und wieder ließ er dabei sein Harfenspiel erklingen. Zu dieser Zeit wohnte auch ein Küchenjunge auf Hardenstein, der unbedingt wissen wollte, wie der Zwergenkönig denn aussieht. Kein Mensch hatte den Zwergenkönig je gesehen, da er stets eine Tarnkappe trug. Dem Küchenjungen jedoch war bekannt, dass Goldemar die Angewohnheit hatte, noch zu später Stunde in die Burgküche zu gehen, um sich mit ein paar vom Abendessen übrig gebliebenen Happen zu stärken. Sein Plan: Mehl und Erbsen auf der Küchenstufe auszustreuen, damit Goldemar stolpern und dabei seine Tarnkappe verlieren würde oder sich seine Gestalt zumindest im Mehl abzeichnen würde.
Gesagt, getan. Der Junge bereitete alles vor, versteckte sich hinter der Küchentür und wartete. Zu später Stunde öffnete sich endlich die Tür, ein Schatten huschte herein. Ein Aufschrei, der Zwergenkönig stolperte über die Erbsen und fiel polternd zu Boden. In diesem Augenblick sprang der Küchenjunge hinter der Tür hervor und erblickte Goldemar. Dieser aber schnappte sich außer sich vor Wut den Küchenjungen und beförderte ihn ins Jenseits.
Neveling von Hardenberg sah am nächsten Morgen nach dem Rechten und fand schließlich über der Tür zu Goldemars Turmkammer den schriftlichen Fluch „Burg Hardenstein soll künftig so unglücklich sein, wie sie vormals glücklich gewesen ist, und all ihr Gut soll zerrinnen, solange nicht drei Generationen derer von Hardenberg zugleich am Leben sind.“
Die einstmals stolze Burg zerfiel im Laufe der Jahrhunderte zu der noch heute stehenden Ruine. Den Zwergenkönig Goldemar aber hat man seit jener Nacht nicht wieder in dieser Gegend gesehen.

 

Kurz-INFO:

Die Wasserburg wurde zwischen 1345 und 1354 erbaut und von Heinrich II. von Hardenberg und seiner Familie bezogen. In den folgenden Jahrhunderten durchlebte sie eine wechselvolle Geschichte. In alten Aufzeichnungen ist nachzulesen, dass letztmals 1860 neuer Innenputz aufgebracht worden war. Die Gebäude wurden jedoch schon damals nicht mehr intensiv bewohnt. In den Jahren danach fanden Steine, Balken, Beschläge, kurz alles, was irgendwie zu gebrauchen war, neue Besitzer. 1973 entschloss sich auch die damalige Pächterin, den Vertrag für ein von ihr bewirtschaftetes Gebäude nicht mehr zu verlängern, ein Nachfolger wurde nicht mehr gefunden. Wegen Einsturzgefahr wurde dieses Haus später mit Hilfe des THW sogar abgebrochen, die Burgruine blieb weitgehend sich selbst überlassen.


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