In der Whisky-Herstellung braucht das Gute seine Zeit

Michaela Habbel steht als Frau ihren Mann in der erfolgreichen Brennerei und Destillerie Habbel.

Michaela Habbel gehörte zu den Darstellern von fünf ausgewählten Sprockhöveler Betrieben, die für den RVR-Film „Metropole Ruhr“ zur Stadt Sprockhövel gefilmt wurden.

Michaela Habbel (29) ist die Urenkelin von Josef Habbel, der die Brennerei Habbel in Sprockhövel vor fast 100 Jahren gründete. Hand in Hand mit ihrem Vater Michael, von dem sie den Betrieb zum Jahresende übernehmen wird, ist sie als Frau an einem ungewöhnlichen Arbeitsplatz unterwegs. IMAGE hat sie besucht.
Aufgewachsen mit Tieren in fast unberührter Natur mit Blick auf Obstplantagen und einer denkmalgeschützten Brennerei, ist schon für die kleine Michaela Habbel klar: Das ist meine Heimat und mein Beruf! „Ich habe aber doch erstmal Jura studiert“, lacht sie. „Ein paar Jahre macht man als junger Mensch Pause von Natur und Heimat, aber man kehrt innerlich zurück.“
So war sie 23 Jahre jung, als sie „richtig“ einstieg und Fuß fasste in einer Männerdomäne. „Es war mir wichtig, unsere Familientradition fortzusetzen. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl.   Wir sind umgeben von schönen Dingen und dürfen Genußkunden aus aller Welt begrüßen. Und wir sind im Ennepe-Ruhr-Kreis die einzige Brennerei, die Alkohol aus Rohstoffen selbst produziert.“ „Wir beziehen unser Getreide von der heimischen Genossenschaft und wissen, von welchem Landwirt es kommt. Und wir geben die Schlempe (Rückstände einer Gärflüssigkeit von Kohlenhydraten, die nach dem Abdestillieren des Alkohols zurückbleibt; die Red.) als Futtermittel an die Landwirte zurück“, fügt ihr Vater Michael Habbel hinzu. Innige Verbundenheit mit der heimischen Region.
Rund 100 verschiedene Produkte wie Liköre, Kräuterliköre, Obstbrände, Whisky, Gin und Korndestillate kommen hier aus den Kesseln. Produziert wird für große Labels, aber auch für andere Brennereien - und wer als Unternehmen von einem eigenen Flüssigprodukt träumt - auch das ist machbar!
Ende der 1970er Jahre kam aus dieser Brennerei der erste deutsche Whisky. Heute ist ihr Hillock-Whisky international bekannt. Habbel ist das sauerländische Wort für einen kleinen Hügel (engl. hillock).
Der Single Malt 14 ist Deutscher Meister, der Single Malt 6,5/14 erhielt 2017 Doppel-Gold und ist heute restlos ausverkauft.
Bei den „World Spirit Awards“ 2018 wurde der „Hillock Honey & Herbs“, ein Whisky mit Honig und Kräutern ebenfalls zweifach mit Gold ausgezeichnet. Auch Habbels Sloe Gin verdiente sich das goldene Edelmetall.
Erfahrung und viel Zeit sind für Michaela Habbel, die seit 2013 in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig ist, die Geheimnisse des Erfolges. „Gern profitiere ich von der Erfahrung meines Vaters. Ein guter und besonderer Whisky braucht seine Zeit. Wenn man heute mit der Herstellung des Produktes beginnt, dauert es viele Jahre, bis man die Flasche verkaufen kann. Vier Prozent (der ‚Angel’s Share‘) gehen pro Jahr bei der Lagerung in den Fässern verloren und das kostet Geld. Trotzdem muss man sich die Zeit nehmen”, sagt die Fachfrau.  Auf der Jahreshauptversammlung Deutscher Whiskybrenner im Frühjahr diesen Jahres wurde sie zur neuen Präsidentin gewählt.
Der Duft in der Luft und das Stöbern im Kellergewölbe nach geistreichem Genuß (auch Hegemann-Produkte gibt es!) sind schon etwas Besonderes.
Tastings und Brennerei-Führungen locken ins denkmalgeschützte Ambiente. Zwanzig Jahre  hat die Familie auch das Restaurant betrieben - seit einem Jahr liegt es verpachtet in den Händen des ersten Küchenchefs. Termine und hochprozentige Infos unter www.habbel.com.


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